Zwei Jahre können Schülerinnen und Schüler der Kanti Wettingen als Freifach darstellendes Spiel besuchen. Am Ende des zweiten Jahres steht eine Aufführung. Diesmal ist es aus selbst geschriebenen Texten entstanden und trägt den Titel «Kurze Stille in der Halle».


Die Stille währt nicht lange. Saallicht aus, Scheinwerfer an, schon ist der Zuschauer in der Westschöpfe des Klosters Wettingen mittendrin im Stück, das keines ist und trotzdem – oder umso mehr – packt. Eine Handvoll Mädchen und Burschen in himbeerfarbenen Hosen, gelb-schwarzen Trainerjacken und glänzenden Schuhen begrüsst das Publikum mit Schalk und einem witzigen Silben-Puzzle. Weitere Akteure gesellen sich dazu, schliesslich sind es zwölf junge Frauen und fünf Männer.


Rituale aus allen Ecken der Welt


Während 100 Minuten lernt der Zuschauer sie kennen, nicht mit Namen und doch, auf eine ganz wunderbare Art, persönlich. Denn sie spielen nicht, sie öffnen sich. Sie tun dies in Mimik, Gestik, tanzend, fernöstlich kämpfend, lachend und erzählend. Sie schildern Geburts-, Hochzeits-, Beerdigungs-Rituale aus allen Ecken der Welt, aber auch innerfamiliäre Rituale. Manches ist vertraut, manches befremdlich, einiges lustig, anderes beklemmend – spannend ist es auf jeden Fall. Besonders mitreissend ist, wenn die jungen Menschen über ihre Befindlichkeiten, ihre Ängste und Träume sinnieren – etwa die Pille danach, die Begegnung mit Alzheimer, die Entdeckung der eigenen Homosexualität.


Umsetzung ist ein Erlebnis


Die meist nur fragmentarisch andeutenden Texte machen «Kurze Stille in der Halle» ebenso zu einem eindrücklichen Erlebnis wie die Umsetzung des Projektes. Da wird dänisch, chinesisch, spanisch – vor allem aber bühnenwirksam hochdeutsch geredet. Da wird, nebst «Trittst im Morgenrot» auch die russische, französische, italienische Hymne intoniert. Da wird Rap getanzt, Karate vorgeführt. Da rasen die fünf «Gockel» mit entblösstem Oberkörper schweisstreibend um das Dutzend kreischende «Hühner». Und immer kippt Übermut in Nachdenklichkeit, wechseln sich Lachen und Seufzen, Bewegung und Starre ab.


Die Lehrer und Regisseure Gerald Knöss und Stefan Forrer haben mit den jungen Menschen und der textlichen Collage Grossartiges geschaffen. Zur Intensität und Authentizität, mit der die Burschen und Mädchen vom ersten bis zum letzten Moment auf der Bühne präsent sind und zur unbändigen Lust, mit der sie ihre unterschiedlichen Neigungen und Talente dem Publikum offenbaren, genügt ein Wort: Bravissimo!
«Kurze Stille in der Halle»

Letzte Vorstellungen: Freitag und Samstag, jeweils 20 Uhr, in der Westschöpfe des Klosters Wettingen.