Baden

Das Theater «Nil» wird sprichwörtlich zum Fluss mit grosser Sogwirkung

Mit «Nil» zeigte die Compagnie 7273 anspruchsvollen zeitgenössischen Tanz im randvollen Kurtheater. Das Choreografenteam zeigt unter anderem mit witzigen Handbewegungen viel Einfallskraft.

Zu Beginn der Vorstellung hört man ein Pochen – und wird so unverzüglich an das eigene, schlagende Herz erinnert. Beinahe unbemerkt hat ein Tänzer die leere, dunkel gehaltene Bühne betreten. Nach und nach gesellen sich weitere Tänzerinnen und Tänzer hinzu, bis die sechsköpfige Compagnie 7273 komplett ist und sich die Choreografie «Nil» von Laurence Yadi und Nicolas Cantillon zur Musik von Richard Bishop entfalten kann.

Von dieser ist vorerst zu sprechen, denn diese Musik basiert auf einer leicht orientalisch angehauchten Gitarrenlinie, die nie zu enden scheint. Wer sich dieser in sanften Wellen verlaufenden Musik anheimgibt, entdeckt ihr Suchtpotenzial. Gleichförmig kommt sie einem nicht einen Moment vor, obgleich ihre rhythmischen und tonlichen Verschiebungen lediglich in ganz kleinen Schritten erfolgen – genau wie bei der Minimal Music auch.

Kompanie beinahe immer vollständig auf der Bühne

Was Bishops Komposition evoziert – Fliessen, Strömen –, erfährt im Tanz eine fesselnde Veranschaulichung, die Lichtjahre von Sensationshascherei entfernt ist. Spektakulär ist «Nil» insofern, als dass die Choreografie auf eine still-insistierende Art und Weise die Aufmerksamkeit auf sich lenkt – was ihr auch gelingt. Die Compagnie ist, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, beinahe immer vollständig präsent auf der Bühne. Die Bewegungen der drei Tänzerinnen und drei Tänzer sind derart weich und fliessend, dass man gar nicht umhin kommt, an den Nil zu denken. Positionieren sich die Tänzer zum Beispiel hintereinander, setzen sich ihre Bewegungen wellenartig fort in den Armen. Wiederholt sich das immer wieder, glaubt man das ganze Bewegungsrepertoire zu kennen. Von dieser Vorstellung muss man sich aber verabschieden.

Der Einfallsreichtum des Choreografenteams bei den Variationen selbst winziger Handbewegungen zeugt von einer Einfallskraft, die sich nicht nur auf das Gestische, sondern auch auf das Zusammenführen oder Auseinanderstieben der Tänzer erstreckt.

Immer wieder diese Wellen

Besonders eindrücklich ist, wie Yadi und Cantillon den Bühnenraum ausloten. Das Paar spielt oft mit der Leere, indem es etwa das Ensemble am Rand platziert oder aber in der Mitte. Dort nimmt man es dann nurmehr als Knäuel wahr, das von einem fast unmerklichen, wiederum wellenförmigen Zittern erfasst wird.

Wellen! Permanent wird das Publikum an diese und damit an Wasser und Wind erinnert – nicht zuletzt auch durch die in Blau- und Grüntönen des Wassers gehaltenen, schlichten Anzüge der Tänzer. All dies zusammengenommen, erweist sich die knapp 60-minütige Choreografie «Nil» als ein schönes Zusammenspiel von Musik und Bewegung mit beträchtlicher Sogwirkung.

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