Baden
Das Thermalbad Baden ist jetzt auch ein Stück Geschichte

Kein Wasser im Becken, leere Schliessfächer und niemand, der sich im Ruheraum erholen will. az-Fotograf Chris Iseli hat sich von der Faszination des vor kurzem geschlossenen Thermalbades Baden fesseln lassen.

Roman Huber
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Die unbesetzte Rezeption: Hier will niemand mehr ein Eintrittsbillett kaufen.
19 Bilder
Auf dem Weg zwischen den Kabinen und dem Ruhebereich ist jetzt ruhig. Zu ruhig.
Eingang zu den Kabinen
Die Schliessfächer werden nicht mehr gebraucht.
Das Wasser im Becken ist abgelassen
Der Aussenbereich
Das verlassene Thermalbad Baden
Ruheraum
Ein abschliessbarer, privater Ruheraum
Blick nach draussen.
Liegewiese
Die Duschen
Sandfilter im Keller
Der Badtuch-Wärmer

Die unbesetzte Rezeption: Hier will niemand mehr ein Eintrittsbillett kaufen.

Chris Iseli

Chris Iseli, Fotograf der az Aargauer Zeitung, liess sich von der Schliessung des Thermalbades inspirieren. Der Gedanke an die leeren Becken, an die veralteten, technischen Anlagen, die im Untergrund vor sich hin rosten, jedoch bis zur letzten Stunde ihren Dienst noch verrichtet hatten, an die engen Garderobeanlagen, an die Nostalgie, die spürbar und mit dem Schwefelgeruch bis zum Abriss auch riechbar bleiben wird, vermochte Chris Iseli zu faszinieren.

Er wollte, ja musste dieses Bad unbedingt nochmals aufsuchen. Das Bedürfnis, ein besonderes fotografisches Zeitzeugnis zu erstellen, führten ihn also ins Bäderquartier. Zwischen Nostalgie und Geschichte ist das Resultat seines fotografischen Rundganges einzuordnen. Die Fotos zeigen die plötzliche Leere einer eben stillgelegten Badeanlage, das endgültige Ausgedient-Haben eines öffentlichen Thermalbades, das doch nur knapp 50 Jahre alt geworden ist.

Es kann weiter gebadet werden

Fast 50 Jahre gingen die Badegäste aus der Region und auch von weither ein und aus. In den besten Zeiten schrieb das Bad Frequenzen bis 280000 Badegäste im Jahr. Wachsende Konkurrenz, aber auch das Versäumnis in vergangenen Jahrzehnten, die herrlich gelegene Anlage technisch wie betrieblich auf dem Stand der Entwicklung zu halten, liessen auch dieses Bad der Neuzeit schliesslich zu einem weiteren Stück der Badegeschichte werden.

Es ist eine Geschichte, die sich auf die Sage von Siegawyn und Ethelfrieda beruft, die Geschichte einer 2000-jährigen Badekultur, deren bauliche Zeugen verschiedener Epochen neben dem eben geschlossenen Thermalbad freigelegt worden sind. Eine Geschichte, die, so hofft man in Baden, rasch ihren Fortgang erleben soll. Baden ist auch Thermalbaden. Es kann weiter gebadet werden, im «Limmathof», «Schweizerhof», «Hirschen» in der «Blume» – und womöglich in drei Jahren im «Botta-Bad».