Endlich Mittwoch – Zeit für kulturelles Auftanken in der Stanzerei. Diese Woche ging es um den Themenkreis «Scherereien». Jens Nielsen hat sich seiner angenommen. Der hierzulande aufgewachsene Däne ist Autor von Hörspielern und Büchern und zieht mit Soloprogrammen durch die Lande. Mit einem namenlosen Programm macht er auch Halt in Baden.

In beigefarbenen Jeans, edlen braunen Stiefeletten und einem zerschlissenen, elend zerknüllten maisfarbenen Hemd tritt er ins Scheinwerferlicht. Dort tut er dem Publikum kund, dass er – weil tagtäglich so vieles schieflaufe – sich vorgenommen habe, einen Tag lang alles falsch zu machen.

Sogleich legt Nielsen los mit Häusern, die von Termiten gefressen werden, und Iglus, die in der Sonne schmelzen, worauf er sich unter der Flosse eines – «ommmpf, ommpf» – See-Elefanten wiederfindet. Von dort muss er urplötzlich die äusserst ungemütliche Verpflegungssituation in einem Flugzeug erdulden. Noch schmerzlicher allerdings sind Nielsens Tanzstunden-Erfahrungen und komplett aus den Fugen bringt ihn das sehr kurze Zusammenwohnen mit einem weiblichen Wesen.

Absurdeste Gedankenblitze

In 45 Minuten bis zur Pause und die weiteren 30 Minuten danach reiht Nielsen in rasendem Tempo absurdeste Gedankenblitze aneinander. Unter anderem verwandelt er Strassenbahnen in Windhunde und Fleisch in Seife, spricht von Kaktus- und Walross-Lifestyle, jagt über Gleise und Bahnsteige einem Phantom hinterher, landet in den brutalen Fängen eines Türstehers, von dem er mit Händen und Zigarettenkippe halb tot gemeuchelt, aber nicht ohn-, sondern all-mächtig wird. Zu guter Letzt landet er in einer Klinik, wo er mittels Kopfsalat als Mikrofon den Eurovisionssong von 1979, «Dschinghis Khan», zum Besten gibt – uff!

Ein bisschen viel auf einmal um auch nur ein Stückchen roten Faden auszumachen. Klar wird jedenfalls: Hier ist das Chaos in Absurdistan total. Die Pointen in diesem ganzen Wust von aberwitzigen und konfusen Gedankengängen sind schwierig zu ergründen. Da hilft auch die von Nielsen extensiv eingesetzte mimische und gestische Unterstützung nicht weiter. Der Einfall, die spärlichen Requisiten aus unsichtbaren Fäden gleitend aus dem Dunkel ins Scheinwerferlicht zu holen ist zwar ganz nett, aber zugleich symbolisch für die Erkenntnis, dass die Geschichte sehr – zu sehr – an den Haaren herbeigezogen ist.