Vor der Brasserie zum Weissen Kreuz in Mellingen fährt ein Auto nach dem anderen vorbei. Drinnen bekommt man vom Durchgangsverkehr nichts mit. Das mit viel Liebe dekorierte Interieur schafft eine wohlige Atmosphäre und lässt die Hektik vergessen. Es ist die Wirkstätte von Stefano Kropp und seinem Team. Der gelernte Koch und diplomierte Hotelier aus Niederrohrdorf hat das Restaurant vor einem Jahr übernommen.

Obwohl sich die Brasserie mit Fleisch- und Fischspezialitäten in der Region mittlerweile einen Namen gemacht hat, ist der 30-Jährige an einen Scheideweg gelangt. «Ich bin auf der Suche nach einem Partner, der in der Region gut verwurzelt ist und Interesse hat, das Projekt weiter voranzutreiben.» Als alleiniger Geschäftsführer bleibe einiges auf der Strecke. «Findet sich kein Geschäftspartner oder Investor, weiss ich nicht, wie lange es die Brasserie noch geben wird.»

Fundament sei gelegt

Das Fundament mit dem mediterran-französischen Konzept sei gelegt. «Der Stammkundenkreis ist ebenfalls bereits nach dem ersten Jahr sehenswert.» Das Problem: Ihm fehle die Zeit, die Brasserie stärker in der Region zu vermarkten und das Umfeld zu pflegen, sagt Kropp, der 100 Prozent in der Geschäftsleitung der Hotel Uto Kulm AG und deren Tochterfirmen in Zürich arbeitet. Doch weshalb konzentriert er sich nicht auf die Brasserie in Mellingen? Seine Stelle aufgeben komme für ihn nicht infrage: «Ich bin nicht bereit, meinen Karriereweg und mein breites Beziehungsnetz in der Zürcher Hotellerie komplett aufzugeben», gibt er unumwunden zu.

Ob er den Aufwand und das finanzielle Risiko eines eigenen Restaurants unterschätzt hat? «Nein», sagt Kropp, «das ‹Weisse Kreuz› ist eine Herzensangelegenheit. Ich habe die Brasserie übernommen, weil ich an ihr Potenzial glaube. Die positiven Rückmeldungen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

Apéro-Kultur aufleben lassen

Dabei erwähnt er aber auch, dass das Restaurant kein Selbstläufer sei. «Mellingen ist ein schwieriges Pflaster.» Vonseiten der Bevölkerung sei eine gewisse Hemmschwelle spürbar, nach dem Motto: «Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht», sagt Kropp. Dabei müsse man nicht immer nach Baden oder Zürich gehen, um auswärts zu essen. Auch in der Nähe gebe es sehr gute Optionen. Zudem: «Es wird immer gesagt, dass das Städtchen wie ausgestorben sei. Es liegt aber nicht nur an uns Gastronomen oder an den Gewerbetreibenden, für die Attraktivität des Städtchens zu sorgen.» Er wünscht sich, dass mehr Anreize geschafft würden, um dem Städtchen wieder Schwung zu verleihen.

Anreize soll nun auch das neue Angebot im Restaurant schaffen. Seit dieser Woche ist die Brasserie jeweils donnerstags und freitags am Abend bereits um 16 Uhr statt erst um 18 Uhr offen. «Damit möchten wir die Apéro-Kultur zurück ins ‹Weisse Kreuz› bringen, wofür das Restaurant früher weitum bekannt war», sagt Stefano Kropp. Er hofft, dass sich die Brasserie dadurch weiter etablieren wird und er bis Ende Juli einen Geschäftspartner oder Investor findet. «Falls ich scheitern sollte, lag es am Faktor Zeit. Irgendeinmal geht jedem der Schnauf aus.»

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