Jugend-Theater-Festival
Das Wettinger Käthchen kommt gross heraus

40 Truppen hätten sich gerne für das Schweizer Jugendtheater-Festival qualifiziert. Nur sieben schafften es. Darunter eine Gruppe aus Wettingen.

Ann-Kathrin Amstutz
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Das Käthchen himmelt den Grafen Wetter von Stahl an – das Stück des Darstellenden Spiels Wettingen ist am Jugendtheater-Festival zu sehen.Sandra Ardizzone

Das Käthchen himmelt den Grafen Wetter von Stahl an – das Stück des Darstellenden Spiels Wettingen ist am Jugendtheater-Festival zu sehen.Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

Aarau ist nächste Woche der Nabel der jungen Schweizer Theaterszene. Vom 7. bis 11. September findet in der Reithalle und im Theater Tuchlaube das dritte Schweizer Jugendtheater-Festival statt. Laut Geschäftsführerin Tanja Schmid steigt die Beachtung von Jahr zu Jahr: «Mit dem grösseren Bekanntheitsgrad haben wir immer mehr Publikum. Auch der Vorverkauf läuft sehr gut, manche Vorstellungen sind schon ausverkauft.» Wer also noch ein Ticket ergattern will, sollte sich beeilen.

Die Gruppen, die es nach Aarau geschafft haben, dürfen stolz sein: Aus insgesamt 40 Bewerbungen wurden 7 ausgewählt. Dabei sind sechs Schweizer Produktionen sowie ein Gastbeitrag aus Leipzig. Zwei Auswahlkriterien standen für die Jury im Vordergrund: Erstens soll das Stück einen jugendlichen Blickwinkel einnehmen, zweitens muss der Mix zwischen Schulproduktionen, Jugendklubs von gestandenen Theatern sowie der freien Szene stimmen.

Finanziert wird das Festival neben Stiftungen und Sponsoren hauptsächlich von der öffentlichen Hand.

Wettinger Lokalmatadoren

Als einzige Gruppe aus dem Aargau ist das Darstellende Spiel der Kantonsschule Wettingen dabei. Die 25-köpfige Truppe hat ihr Stück «Das Käthchen von Heilbronn» im März uraufgeführt. Seither ist ein halbes Jahr vergangen. Keine leichte Aufgabe, das Stück nochmals zu reaktivieren. «Das geht nicht auf Knopfdruck», sagt Gerald Knöss, der zusammen mit Stefan Forrer die Leitung innehat. Auch wenn die Textrepetition von allen 25 sehr fleissig erledigt wurde: «Erst mit den Gruppenproben kommen die Spritzigkeit und das Glänzen zurück, die das Stück so richtig gut machen.»

Dass sie diesen Anspruch erfüllen, haben die Jugendlichen in früheren Auftritten bewiesen. «Das Käthchen von Heilbronn» ist eine Adaption von Heinrich von Kleists gleichnamigem Drama. Keine leichte Kost. Dennoch finden sich längere Passagen des Originaltextes in ihrer altertümlichen, aber höchst poetischen Sprache. Kontrastiert werden diese mit eigenen Kommentaren einer «Erklärerinnengruppe» – so drücken die Schauspieler dem Stück ihren Stempel auf.

Komische und tragische Aspekte finden sich im Drama um Graf Wetter von Stahl, der Käthchen verhext haben soll, sodass sie ihn auf Schritt und Tritt verfolgt. Zugleich will ihn die intrigante Adlige Kunigunde heiraten, um sich seine Burg unter den Nagel zu reissen.

«Wir zeigen ein körperliches, ausdrucksstarkes Theater, in dem die Darsteller an ihre Grenzen gebracht werden», sagt Gerald Knöss. Er fordert Mut zum Ausprobieren und Ausleben der geistigen Freiheit. Dadurch dient das Spielen der Persönlichkeitsbildung.

Diesmal ist in der Wettinger Gruppe jemand dabei, der seine Zukunft auf der Bühne sieht. Das Jugendtheater ist ein Sprungbrett für solche Talente, um ihr Ziel zu verwirklichen.

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