Wettingen

«Das Zelt» findet erstmals als TV-Show statt - Luca Hänni und Florian Ast reisten dafür nach Wettingen

Das bekannte Schweizer Tourneetheater gastiert auf der Wettinger Zirkuswiese – mit grossem Staraufgebot, aber ohne Zuschauer. Die am Freitag aufgezeichnete Show wird im Juni auf TV24 übertragen.

Auf der Zirkuswiese in Wettingen probt eine Horde von Mädchen und Buben für ihren Auftritt. Es ist der bekannte Kinderchor «Schwiizergoofe», der hart an den Schritten und den Gesangseinlagen feilt. Und dies, obwohl der Wind heftig bläst und riesige Staubwolken durch die Gegend wirbelt.

Im Hintergrund gibt Luca Hänni gerade ein weiteres Interview, während auf der Bühne Florian Ast singt. Was aussieht wie die Vorbereitungen auf eine grosse Liveshow, sind in Wirklichkeit die Proben für die Aufzeichnung der TV-Show «Wir sagen Danke» des Senders TV24.

Die Unterhaltungsbranche hat die ganze Krise als erstes und wohl mit am härtesten getroffen. Das Tourneetheater «Das Zelt» ist seit 18 Jahren in der Schweiz unterwegs. «Wir wurden in Lachen SZ aus dem laufenden Betrieb gerissen», sagt Adrian Steiner vom Schweizer Tourneetheater, das er mit seiner Frau Catherine zusammen führt.

«Wir haben eine grosse Logistik und 40 Festangestellte. Unsere Hauptsaison ist neben Weihnachten im April und Mai. Die ganze Vorbereitung war für nichts und wir sind voll gegen die Wand gefahren», ergänzt Steiner. Doch den Kopf in den Sand stecken wollte er nicht, und so hat er sich und sein Geschäftsmodell quasi neu erfunden. «Wir haben unser Modell angepasst», wie er es nennt.

Die Wettinger Zirkuswiese − zwischen Lachen SZ und dem Winterstandplatz gelegen − eigne sich dafür bestens. Auch seien die Behörden sehr entgegenkommend gewesen.

Show mit virtuellem Publikum

In einer Kooperation mit CH Media, welche auch diese Zeitung herausgibt, hat er zusammen mit Creative Director Kai Selck eine TV-Show auf die Beine gestellt. Im Zelt sind zwar keine Zuschauer, aber diese sind auf 50 Webcam-Streams der Show live zugeschaltet. Alle Beteiligten wollen die Helden und Helfern in der Coronakrise würdigen und einfach mal «Danke» sagen. Auf eine Art, wie es in diesen Tagen halt möglich ist.

Für die Künstler ist es eine willkommene Abwechslung, endlich wieder mal auf einer Bühne zu stehen. Auch wenn es noch gewöhnungsbedürftig ist. «Es ist wirklich schräg», gibt Florian Ast unumwunden zu. «So ohne Band, nicht live und die spontanen Reaktionen des Publikums. Aber wir wollen einfach mal Danke sagen und den Beitrag leisten, den wir können», erklärt er.

Für Luca Hänni war es ganz speziell. Er hat einen kurzen Abstecher nach Deutschland geplant, doch daraus sind fast drei Monate geworden. «Ich kam wirklich gerne heim», erklärt der Berner sichtlich erleichtert. Von der Krise hat er wenig mitbekommen, er war voll eingespannt in einem eng getakteten Ablauf.

«Wir haben jeden Tag gearbeitet. Es war schön, aber auch intensiv», blickt er auf seine ganz persönliche Zeit in der Krise zurück. Jetzt freut sich Luca Hänni, endlich wieder Musik zu machen. Auch wenn es ohne Publikum ist. «Das ist schon neu, und man muss sich daran gewöhnen», meint er deutlich nachdenklicher.

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