Baden
«Das Zelt ist ein Schandfleck» – und gefällt selbst dem Wirt nicht

Seit mehr als drei Monaten steht das grosse Zelt auf dem Bahnhofplatz – eigentlich zu lange, denn es sollte nur für die Fussball-Europameisterschaft da stehen.

Martin Rupf
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Seit der Fussball-EM steht das auffällige Zelt beim «Schwyzerhüsli». Martin Rupf

Seit der Fussball-EM steht das auffällige Zelt beim «Schwyzerhüsli». Martin Rupf

«Schwyzerhüsli – darf’s auch etwas hässlicher sein?» Mit diesen Zeilen richtet sich die ehemalige GLP-Einwohnerrätin Isabelle Wanner an die BT-Redaktion. «Seit Juni hat das Restaurant Schwyzerhüsli am unteren Bahnhofplatz ein riesiges Zeltdach aufgestellt. Es wäre zu viel verlangt, für ein überdachtes Public Viewing für die Europameisterschaften allzu grosse gestalterische Ansprüche zu stellen. Doch entsprechend hätte der Aufbau Mitte Juli nach der EM wieder entfernt werden müssen. Warum steht er noch?», fragt sich Wanner. Das Zelt stelle einen Schandfleck und eine massive Ungleichbehandlung all der Gastrobetriebe dar, die sich an die anspruchsvollen Vorgaben der Stadtverwaltung halten müssten. Nach Meinung von Wanner «wird hier die Aufsichtspflicht grob verletzt».

Auch Wirt findet Zelt nicht schön

Hugo Aerni von der Abteilung Planung und Bau klärt auf: «Das Zelt war ursprünglich für das Public Viewing gedacht. Bis zu einer Dauer von zwei Monaten bedürfen Festhütten und Zelte keiner Baubewilligung.» Aufgestellt wurde das Zelt Anfang Juni, bald beginnt der Oktober. Aerni räumt ein: «Ja, die zwei Monate sind tatsächlich überschritten. Die Stadt wäre in diesen Tagen ohnehin aktiv geworden beziehungsweise hätte den Wirt aufgefordert, das Zelt wieder abzubauen. «Wenn dies in den nächsten Tag passiert, muss er nicht mit einer Sanktion rechnen, da es sich nicht um einen starken Verstoss handelt», sagt Aerni. Denn das «Schwyzerhüsli» habe eine Bewilligung für vier grosse Sonnenschirme, die fast die gleiche Fläche wie das Zelt abdecken. «Und wegen des Zelts sind der Stadt auch keine zusätzlichen Kosten entstanden.»

Wirt Veli Özdek räumt selber ein, dass er das Zelt nicht wahnsinnig attraktiv findet. Aber: «Für die Übertragung der EM-Spiele haben wir für mehrere tausend Franken einen sehr teuren Fernseher gemietet, den wir um jeden Preis vor Regen schützen mussten.» Zudem sei das Wetter den ganzen Frühsommer sehr schlecht gewesen. «Dank des Zelts konnten wir trotz des schlechten Wetters etwas Umsatz machen.» Einzelne Sonnenschirme würden nicht den gleichen Schutz bieten, ergänzt Özdek. Für den «Schwyzerhüsli»-Wirt ist klar, dass er das Zelt in den kommenden Tagen abbauen wird. Gleichzeitig wünscht er sich eine längerfristige, attraktivere Lösung. «Es wäre für uns gut, wenn wir unseren Gästen draussen ein Dach über dem Kopf anbieten könnten.»