Badenfahrt

Das Zurzibiet macht mit «Baumhuus» Werbung in eigener Sache – aber nicht alle ziehen mit

Ein Rundgang mit OK-Präsident Franz Bertschi durch das Baumhaus.

Ein Rundgang mit OK-Präsident Franz Bertschi durch das Baumhaus.

Mit dem «Baumhuus»-Stand will das Zurzibiet an der Badenfahrt Werbung für den Bezirk machen – nur erhielt es nicht überall Zustimmung im Bezirk.

Franz Bertschi steht am Eingang des imposanten Holzbaus auf dem Schlossbergplatz im Herzen von Baden. Um ihn herum erledigen die Handwerker die letzten Arbeiten. Der 50 Tonnen schwere Koloss zieht die Blicke der Passanten auf sich. Das Zurzibiet trumpft an der Badenfahrt mit dem «Baumhuus» gross auf. Als Vorbild der zehn Meter hohen Rondelle dient das weltbekannte Guggenheim-Museum in New York.

Nicht ohne Grund: Der Bau stellt eine Verbindung zu einer original Zurzibieter Familie her. Die amerikanische Guggenheim-Dynastie hat ihre jüdischen Wurzeln in Lengnau. Idee und Gestaltung für den anspruchsvollen Bau tragen die Handschrift des Architekturbüros Sidler in Baden.

Mehrere hundert Stunden hat OK-Präsident Bertschi mit seinem Team in das Projekt in den letzten Monaten investiert, damit sich das Zurzibiet ab Freitag während zehn Tagen von seiner besten Seite präsentieren kann.

Auf drei Etagen sollen die Besucher mit regionalen Köstlichkeiten verwöhnt werden. Das kulinarische Angebot umfasst verschiedene Menüs im Bereich von Fingerfood. Es werden Weine und Speisen aus dem Zurzibiet serviert, beispielsweise Champignon-Gemüseragout aus Full-Reuenthal oder «Voralpe Chäs-Streife» aus Endingen. Als Höhepunkt wird täglich eine Zurzibieter Wildsau am Spiess gebraten.

Wirtschaftlich oder politisch wichtig

Franz Bertschi ist stolz, dass das Zurzibiet nach über 30 Jahren erstmals wieder an der Badenfahrt vertreten ist. «Das ‹Baumhuus› soll dabei mehrere Zwecke erfüllen», sagt Bertschi, der als langjähriger Präsident der Musikgesellschaft Badenia erprobter Badenfahrer ist. Mit dem Auftritt soll das Publikum der Region Baden für das Gebiet Surb-, Rhein- und Aaretal begeistert werden. Die zehn Tage sollen zudem das «Wir-Gefühl», wie Franz Bertschi es nennt, im Zurzibiet festigen und die Zusammenarbeit mit der gemeinsam geführten Festbeiz fördern. «Das ist wichtig, sei es wirtschaftlicher, gesellschaftlicher oder auch politischer Natur», sagt Bertschi auch in seiner Funktion als Gemeindeammann von Lengnau. «Das ‹Baumhuus› ist beste Werbung für das Standortmarketing Zurzibiet.» 

«Jene, die mitmachen, sind mit grosser Begeisterung dabei. Und das zählt", Franz Bertschi, OK-Präsident «Baumhuus».

Little New York an der Badenfahrt: «Baumhuus»OK-Präsident Franz Bertschi vor dem imposanten Holzbau. Das Gebäude lehnt sich an das Guggenheim-Museum in Manhattan an.

«Jene, die mitmachen, sind mit grosser Begeisterung dabei. Und das zählt", Franz Bertschi, OK-Präsident «Baumhuus».

So vorbehaltlos und euphorisch, wie sich Bertschi das erhofft hat, fand das Projekt allerdings nicht überall Zustimmung. Zwar sind alle 25 Ortswappen aus dem Bezirk (inklusive Mandach, Villigen und Schwaderloch aus den Bezirken Brugg bzw. Laufenburg) beim Entree abgebildet. Mehrere Gemeinden verzichten aber auf eine aktive Beteiligung am Anlass. Vor allem im unteren Aaretal stiess die Idee auf wenig Echo.

Dort ist man zum Schluss gekommen, dass der Bezug nach Baden zu wenig stark sei. Trotz ihres Verzichts befinden sich die Gemeinden mit im Boot – zumindest finanziell. Sollte das Budget von einer Viertelmillion Franken nicht eingehalten werden, käme die ausgesprochene Defizitgarantie über 100'000 Franken zum Tragen. Sämtliche Gemeinden würden belangt werden. Mit maximal drei Franken pro Bewohner.

Franz Bertschi versteckt seine Enttäuschung über den Entscheid einiger Gemeinden nicht. Er will sich die gute Laune deswegen aber nicht verderben lassen. «Jene, die mitmachen, sind mit grosser Begeisterung dabei. Und das zählt.» Der Zuspruch darf sich trotz der leisen Nebengeräusche sehen lassen.

Von den etwas mehr als 30'000 Bewohnern im Bezirk haben über tausend ihre Helferdienste angeboten. Noch offen ist, was mit dem «Baumhuus» nach der Badenfahrt geschieht. Im besten Fall findet sich ein Käufer. Entsprechende Abklärungen sind noch im Gang.

Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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