Baden

Defibrillatoren retten Leben – wenn man sie rechtzeitig findet

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Defibrillatoren retten Leben – wenn man sie rechtzeitig findet: Martin Groves will das möglich machen. Er fordert eine Standortprüfung und klare Kennzeichnung. Denn aktuell sind nicht alle Defibrillatoren in Baden aufgeführt.

Alleine in der Schweiz erleiden jedes Jahr 8000 Menschen einen Herzstillstand: Diese Zahlen sind im Postulat zur Verfügbarkeit von Defibrillatoren, ein Gerät zur Behandlung von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen, aufgeführt.

Eingereicht hat den politischen Vorstoss der Badener Einwohnerrat Martin Groves (SP), der auch Rettungssanitäter ist. Im Postulat fordert Groves nicht die Neuanschaffung von Defibrillatoren, sondern vielmehr deren Standortprüfung und klare Kennzeichnung.

Sollte die Erhebung der Standorte wichtige Lücken ergeben, sollen aber öffentlich zugängliche Geräte installiert werden. «Die Grundidee eines Defibrillators ist es, dass ihn Laien benutzen. Wie aber soll das funktionieren, wenn niemand weiss, wo es einen gibt?», sagt Groves.

Tatsächlich findet sich nirgends im Internet eine vollständige Liste aller Defibrillatorenstandorte in der Stadt. So sind zwar auf der Website herzsicher.ch sechs Standorte in Baden aufgelistet. Darunter das Hotel du Parc, die Leitstelle RVBW und die Mr. Pickwick Bar. Doch eine kurze Nachfrage ergibt, dass auch der nicht aufgeführte Grossverteiler Migros einen Defibrillator besitzt, genauso die ABB und General Electics (GE). «Es mangelt nicht an Geräten in der Stadt, sondern an einer vernetzten Standortvisualisierung, dass im Notfall der nächstgelegene Defibrillator schnellstmöglich gefunden werden kann», sagt Groves.

Geräte vor Ort signalisieren

Anders als in Baden gibt es in Wettingen vom Samariterverein Lägern eine vollständige Standortübersicht der Defibrillatoren online. Dies würde für Baden aber nicht ausreichen, so Groves: Ein Gerät müsse vor Ort signalisiert werden: Eine Möglichkeit sei die Einführung des standardisierten Logos in Schaufenstern der lokalen Geschäfte. Auch eine Standort-App, wie sie bereits für die Stadt Bern existiert, würde Groves begrüssen. Ein Leitsystem zu erstellen, sei eine sinnvolle und kostengünstige Variante.

Imgur: Standorte Defibrillatoren in Baden

Häufigste Todesursache: Herzinfarkt

Der rasche Einsatz eines Defibrillators kann über Leben und Tod entscheiden, das bestätigt auch die Zürcher Gesellschaft für Kardiologie ZGK. Auf ihrer Homepage hält die ZGK fest, dass der Herzinfarkt die Todesursache Nummer eins in der Schweiz ist. «Oft stellt sich gerade bei einem Herzinfarkt in den ersten Minuten Kammerflimmern ein, an diesem Punkt muss ein Defibrillator zum Einsatz kommen», erklärt Michael Heesen, Direktor und Chefarzt Departement Anästhesie und Intensivmedizin im Kantonsspital Baden.

Auch er würde eine bessere Signalisierung von Defibrillatoren begrüssen. Denn die wenigsten Personen werden rechtzeitig in den ausschlaggebenden ersten drei bis fünf Minuten nach dem Eintreten eines Herz-Kreislauf-Stillstandes behandelt. Das hat zur Folge, dass laut ZGK nur 5 bis 13 Prozent der Patienten, trotz Behandlung im Spital, überleben.

Laut Heesen ersetzt der Defibrillator dabei aber nicht die Basismassnahmen der Herzdruckmassage und künstlichen Beatmung. Der Einsatz des Defibrillators ergänze lediglich die Wiederbelebungsmassnahmen und erhöht die Überlebenschance.

Was genau aber macht ein Defibrillator? «Er lässt Strom durch das Herz eines Patienten fliessen, um die Reizleitung des Herzens wieder zu normalisieren», erklärt Heesen. Dabei ist das Gerät kinderleicht zu bedienen: Nach Einschalten ertönt eine Stimme, die klare Anweisungen gibt, was zu tun ist. Heesen: «Es müssen Elektroden auf den Brustkorb des Patienten geklebt werden.

Der Defibrillator erfasst dann die Herzströme und teilt mit, ob eine Stromabgabe erfolgen muss oder nicht.» Schlägt das Herz normal oder nicht mehr, gibt der Defibrillator keinen Stromschlag ab.

Das kleine Gerät ist also der perfekte Lebensretter, wenn man es dann findet. Doch damit ist es nicht getan: Groves gibt zu bedenken, dass viele Geräte nach Ladenschliessung nicht mehr öffentlich zugänglich sind. Groves: «Hier müsste allenfalls die Zusammenarbeit mit der Polizei geprüft werden.»

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