Obersiggenthal
Dem FC droht das Aus – weil sein Spielfeld ab 2018 zu klein ist

Ein neues Reglement verbietet ab 2018 Ligaspiele auf dem Miniplatz in Obersiggenthal. Ein Ausbau scheitert wohl an der Finanzkrise der Gemeinde

Pirmin Kramer
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Adrian Augstburger, Präsident des Viertligisten FC Obersiggenthal: «Unser Fussballfeld ist so klein, dass wir hier künftig nicht einmal in der tiefsten aller Ligen, der 5. Liga, Spiele austragen dürfen.»

Adrian Augstburger, Präsident des Viertligisten FC Obersiggenthal: «Unser Fussballfeld ist so klein, dass wir hier künftig nicht einmal in der tiefsten aller Ligen, der 5. Liga, Spiele austragen dürfen.»

ZVG

Es gab Zeiten, da war es für den FC Obersiggenthal ein Vorteil, seine Heimspiele auf dem äusserst kleinen Fussballplatz beim Schwimmbad austragen zu können. «Die Gegner kamen mit dem kleinen Feld nicht gut zurecht, wir konnten den Heimvorteil oft nutzen», sagt Präsident Adrian Augstburger. Inzwischen wünschen sich die 179 Mitglieder des FC Obersiggenthal nichts sehnlicher als ein grösseres Spielfeld. «Leider besteht die Gefahr, dass wir unseren Verein bald auflösen müssen», sagt Augstburger.

Grund für das drohende Aus des Klubs, dessen 1. Mannschaft in der
4. Liga spielt, sind die neuen Bestimmungen des Aargauischen und Schweizerischen Fussballverbandes zur Mindestgrösse von Fussballplätzen. Sie gelten ab der Saison 2018/2019: Offizielle Ligaspiele dürfen dann nur noch auf Plätzen ausgetragen werden, die eine gewisse Mindestgrösse aufweisen, wobei diese je nach Liga variiert. Zwar gilt: Je tiefer die Liga, desto kleiner darf der Platz sein. «Unser Fussballfeld ist aber so klein, dass wir hier nicht einmal in der tiefsten aller Ligen, der 5. Liga, Spiele austragen dürften», sagt Augstburger.

Nur noch Kinderfussball

Mit 88,3 Meter Länge und und 47,7 Meter Breite genügt der Obersiggenthaler Platz bald nur noch den Vorgaben für Kinderfussballplätze. In der 4. und 5. Liga müssen die Plätze künftig mindestens 90 Meter lang und 50 Meter breit sein. Zusätzlich ist ein Sicherheitsabstand von 3 Metern von den Zuschauern gefordert. Robert Gugler, Präsident der Sportplatzkommission des Aargauischen Fussballverbandes (AFV), erklärt: «Seit vielen Jahren durfte Obersiggenthal Heimspiele nur dank einer Sonderbewilligung austragen. Diese Zeiten sind vorbei, das wäre auch unfair gegenüber den Vereinen, die sich an die Reglemente halten.

Falls ein baureifes Projekt für einen neuen Platz vorliege, könnte diese Frist um ein oder zwei Jahre verlängert werden. Neben Obersiggenthal gebe es im Aargau mit Holderbank nur einen weiteren Verein, dessen Fussballplatz nicht den Mindestanforderungen für die 5. Liga entspreche. «Diesen Vereinen steht es selbstverständlich offen, ihre Heimspiele auf einem Platz irgendwo sonst im Aargau auszutragen, falls dieser den Vorgaben des Verbandes entspricht», sagt Gugler.

Das kommt für FCO-Präsident Augsburger nicht infrage: «Die umliegenden Plätze sind sehr gut ausgelastet, selbst der FC Baden stösst trotz Kunstrasen-Platz an seine Grenzen. Auch finanziell wäre eine solche Variante nicht zu stemmen.»

Noch haben die Mitglieder des 1992 gegründeten FC Obersiggenthal die Hoffnung auf einen regelkonformen Fussballplatz nicht ganz aufgegeben. «Unsere ursprünglichen Pläne für einen neuen Fussballplatz beim Goldiland-Areal haben wir zwar begraben, weil zu teuer. Wir setzen unsere letzten Hoffnungen nun aber in einen Ausbau des bestehenden Platzes.»

Rund 1,5 Millionen Franken würde es kosten, das Fussballfeld in Richtung Hang zu vergrössern. «Leider ist die Gemeinde derzeit finanziell nicht auf Rosen gebettet, weshalb es für unser Projekt schwierig aussieht. Wir müssen nun auf die Unterstützung der Politik hoffen», sagt Adrian Augstburger. Für ihn ist klar: «Wenn wir es nicht schaffen, den Platz auszubauen, werden wir unseren Verein aufgrund von Perspektivlosigkeit leider auflösen müssen.»

Marie-Louise Nussbaumer (SP), Gemeinderätin und Ressortvorsteherin Sport, dämpft aber die Hoffnungen: «Zwar haben wir den Ausbau des Fussballplatzes auf der Liste der Legislaturziele aufgeführt. Aber die aktuelle Überprüfung der Finanzen hat dazu geführt, dass dieses Projekt auf Eis gelegt wurde.» Es gebe dringendere Investitionen, beispielsweise müsse neuer Schulraum bereitgestellt werden. «Insofern ist derzeit mehr als fraglich, ob der Ausbau des Fussballfeldes von der Gemeinde finanziert werden wird», sagt Nussbaumer.

«Spielkultur geht verloren»

Warum wurde überhaupt ein neues Reglement zur Spielfeldgrösse erhoben? Robert Gugler vom AFV erklärt, der Schweizerische Fussballverband wolle solche Miniplätze verbieten, weil die Spielkultur verloren gehe. «Ich kenne den Obersiggenthaler Fussballplatz aus meiner Zeit als Schiedsrichter. Allenfalls würde dort ein Spiel mit je acht Spielern Sinn machen. Für einen Match mit je elf Spielern sind die Räume viel zu eng. Gepflegter Fussball ist nicht möglich.»

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