Würenlos
Dem Haus droht nach über 400 Jahren das Aus

Die Katholische Kirchgemeinde Würenlos sieht im Hochstudhaus Chilemetzg vor allem ein Abbruchobjekt. Der Kanton klärt den historischen Wert. Dem Haus droht nach über 400 Jahren das Aus.

Dieter Minder
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Das mehrmals umgebaute Hochstudhaus ist Teil des Ensembles mit Kirche und Pfarrhaus (rechts).Walter Schwager

Das mehrmals umgebaute Hochstudhaus ist Teil des Ensembles mit Kirche und Pfarrhaus (rechts).Walter Schwager

Aus dem 17.Jahrhundert dürften die ältesten Teile des Würenloser Chilemetz stammen. Ob sie das 21.Jahrhundert überleben werden, ist mehr als fraglich. Die Römisch-katholische Kirchgemeinde Würenlos, Eigentümerin des markanten Gebäudes bei der Kirche, hat es faktisch zum Abriss freigegeben.

Die Kirchgemeinde beschloss, das Gebäude «nicht denkmalschützerisch zu behandeln» und das Grundstück nicht zu verkaufen. Die Kirchenpflege erhielt den Auftrag, von drei Architekten Vorschläge für die Nutzung der Liegenschaft ausarbeiten zu lassen und einen Investor zu suchen.

«Wir beabsichtigten das Gebäude im Baurecht abzugeben», sagt Kirchgemeindepräsident Alfred Koller. Die Kirchgemeinde habe das Haus 1964 als Abbruchobjekt gekauft. Ersetzt wurde es aber nie, obwohl es nur noch teilweise bewohnbar ist.

Seiner Ansicht nach steht ein Abbruch im Vordergrund: «Das Haus ist in einem schlechten Zustand.» Es verfüge lediglich über einen kleinen Obstkeller und die Böden seien auf unterschiedlichen Niveaus. Ebenso passten die kleinen Anbauten auf der Rückseite nicht zum Gebäude.

«Ich habe das Gebäude angeschaut und werde einen Bericht dazu verfassen», sagt Pius Reber, Mitarbeiter der kantonalen Denkmalpflege. Ob das Gebäude denkmalschützerischen Wert hat oder nicht, ist offen. Es sind noch Abklärungen und Gespräche mit weiteren Fachleuten nötig. Reber bestätigt, dass das Haus nicht im Kurzinventar der kommunal schützenswerten Objekte aufgeführt sei, und er stellt fest: «Kantonal schützenswert ist es sicher nicht.»

Dagegen sei ihm ein Situationswert nicht abzusprechen. «Neben dem Haus stehen die neue Kirche, die alte Kirche, deren Turm ein kantonales Schutzobjekt ist, und das 200 Jahre alte Pfarrhaus, ebenfalls ein kantonales Schutzobjekt.»

Die Chilemetzg sei also Bestandteil des dortigen Ensembles. Für einen Schutz spreche auch die zum grossen Teil noch vorhandene Hochstudkonstruktion. Dagegen fällt die Fassade nicht mehr ins Gewicht, sie wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgestaltet.

In den diesjährigen «Würenloser Blättern» wird das Gebäude als beispielhafter Vertreter der einst das Mittelland prägenden Hochstudhäuser bezeichnet. Hochstud wird die Grundkonstruktion der Häuser genannt. Mächtige Baumstämme, die vom Boden bis zum Dachfirst reichten, trugen die Hauptlast des Walmdaches.

Mit dieser Konstruktion konnten grosse Häuser errichtet werden, die sowohl den Wohnteil wie auch den Ökonomieteil unter einem Dach vereinigten. Früher waren die steilen Dächer mit Stroh gedeckt. Die heutige Chilemetzg an der Schulstrasse in Würenlos geht weitgehend auf einen solchen Bau zurück.

Das zeigen schon die vier Hochstuden und deren Längs- und Querverstrebungen. Weil das Haus immer wieder baulich an die veränderten Anforderungen angepasst wurde, lässt sich die ursprüngliche Aufteilung von aussen nur noch bedingt ablesen.

In die heutige Form wurde das Haus in mehreren Schritten im 19. Jahrhundert umgebaut. Um 1865 wurde das Walmdach verlängert und auf der Rückseite ein Quergiebel erstellt. Die Metzgerei wurde im 20. Jahrhundert eingebaut.