Mellingen
Dem Reussstädtchen geht trotz Regen das Trinkwasser aus

Die Gemeinde Mellingen schlägt Alarm: Die Wasserreservoirs sind fast leer, die Nachbargemeinden müssen aushelfen. Auch Nachbar Tägerig ist von der Wasserknappheit betroffen.

David Egger
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Seltenheit in der Schweiz: knappes Trinkwasser. (Symbolbild)

Seltenheit in der Schweiz: knappes Trinkwasser. (Symbolbild)

Keystone

Werden die öffentlichen Brunnen wieder zum Treffpunkt aller Einwohner? «Holen Sie das Wasser für Pflanzen und Tiere bei den laufenden Brunnen», rät zumindest der Gemeinderat der Mellinger Bevölkerung. Das Reussstädtchen spürt das trockene Wetter. So ist der Grundwasserspiegel stark gesunken und die Quellen speisen fast kein Wasser in die Reservoirs. Dazu kommt, dass die Einwohner momentan doppelt so viel Wasser als sonst verbrauchen. Auch die Bevölkerungszunahme habe den Wasserverbrauch spürbar erhöht, bestätigt Brunnenmeister Martin Jost auf Anfrage der az.

Keine Erholung in Sicht

Laut Jost ist im Moment keine Erholung in Sicht: «Damit wir wieder einen gewöhnlichen Wasserstand erreichen, müsste es rund zwei Wochen regnen.» Doch die Niederschlagsmengen würden sich dieses Jahr weit unter dem Durchschnitt bewegen, so Jost.

Der Gemeinderat appelliert in seinem Aufruf an die Bevölkerung, die Rasen nicht zu sprengen. Ebenso sei auf das Waschen von Autos und das Füllen von Bassins zu verzichten.
Mellingen liefert auch Wasser an die Nachbargemeinde Tägerig, die nun ebenfalls zum Wassersparen aufruft.

Aktuell bezieht Mellingen auch Wasser aus Mägenwil, Wohlenschwil und Baden. In Baden gibt es genug Wasser. «Der Limmatgrundwasserstrom ist in unserer Region sehr mächtig. Wir hatten auch im Jahrhundertsommer 2003 keine Wasserknappheit», sagt Peter Wetzel, Brunnenmeister der Stadt Baden.

Besorgnis in Mägenwil und Wohlenschwil

Die Gemeindewerke Mägenwil-Wohlenschwil lassen die Grundwasserpumpen momentan länger laufen: Am Sonntag lief sie 24 Stunden. «Wir beobachten die Lage mit Besorgnis und sind dankbar, wenn die Einwohner ihre Privatgärten nicht mehr bewässern», sagt Reto Friedli, Leiter der Gemeindewerke. «Noch haben wir kein arges Problem. Das kann sich aber innerhalb von drei bis vier Tagen ändern.» Der gestrige Regen habe die Lage für diese Woche etwas entspannt.

Die Gemeinde Stetten verwendet nur Grund- und kein Quellwasser. Die Lage dort ist entspannt, seit Neujahr ist der Grundwassersee nur um 60 Zentimeter gesunken. «Wir könnten noch drei Meter tiefer pumpen», sagt der Brunnenmeister Paul Keusch. Derweil hofft der Mellinger Gemeinderat, dass er auf weitere Massnahmen verzichten kann. Wie solche Massnahmen aussehen könnten, kann Brunnenmeister Martin Jost zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Mellingen und Fislisbach wollen ein neues Grundwasserpumpwerk

Für eine bessere Versorgung in der Zukunft plant eine Arbeitsgruppe der Gemeinden Mellingen und Fislisbach seit rund zwei Jahren ein gemeinsames Grundwasserpumpwerk ausserhalb des Siedlungsgebiets. Voraussichtlich nach den Sommerferien werden die betreffenden Grundeigentümer des Gebiets «Moos» informiert.