Baden

Den Beizern bleiben die Gäste weg – sie sind froh, wenn WM vorbei ist

Viele Stühle blieben bei ihm während der letzten Wochen leer – «Rose»-Wirt Urs Eggenschwiler spürt den WM-Effekt.

Viele Stühle blieben bei ihm während der letzten Wochen leer – «Rose»-Wirt Urs Eggenschwiler spürt den WM-Effekt.

Das tolle Sommerwetter lockt viele am Abend an die Public Viewings in der Region. Die Leidtragenden sind die Wirte, die nicht auf die WM gesetzt haben. Ihnen bleiben die Kunden weg.

Manuela Forte ist froh, wenn die WM bald vorbei ist. Es ist aber nicht etwa das frühe Out der Azzurri, das der Italienerin zu schaffen macht. Sorge bereitet ihr der Umsatzeinbruch im Familienbetrieb Il Brunello. «Wir sind überrascht vom WM-Effekt. Mit solchen Einbussen hätten wir nicht gerechnet», erzählt Forte. Schuld am Besucher-Schwund sei das gute Wetter, das die Leute in die Public Viewings treibt, glaubt sie. «Rein geschäftlich gesehen hoffen wir auf viel Regen in den kommenden Tagen.»

Manuela Forte hat die Situation mit «Brunello»-Team analysiert und beschlossen, sich für die nächste WM etwas zu überlegen. «Vorerst sind wir als Restaurant einfach mal froh, wenn die Fussballer in Brasilien bald ausgekickt haben.»

20 bis 30 Prozent Einbussen

Die Fussball Weltmeisterschaft hat auch dem Badener «Rose»-Wirt Urs Eggenschwiler einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. «Unsere Umsätze sind während der WM um rund 20 Prozent gesunken, auch wenn unsere Kundschaft im Schnitt wohl nicht dem typischen Fussball-Fan entspricht», erzählt Eggenschwiler. Wenn aber der Volleyball-Klub, der eigentlich traditionellerweise einmal die Woche bei ihm zu Gast sei, auf eine Public Viewing-Beiz ausweiche, dann spüre er das deutlich.

«Trotzdem habe ich Verständnis für die WM-Euphorie. Es ist doch schön, wenn sich die Leute für ein paar Wochen so stark für den Sport begeistern können», sagt Eggenschwiler, der auf seiner Terrasse aus Platzgründen keine Leinwand aufstellen konnte. «Wir können draussen maximal 40 Gäste bedienen. Um richtige Public-Viewing-Stimmung zu erzeugen, braucht es aber schon 100 Fussball-Fans.»

Beim Badener Restaurant Roter Turm rechnete man mit etwas lauerem Betrieb während den WM-Wochen. «Wenn Mannschaften wie die Schweiz oder Brasilien spielen, dann haben wir erfahrungsgemäss etwa 30 Prozent weniger Kunden», erzählt Geschäftsleiterin Marlen Lüscher. Ähnliche Besuchereinbussen hätten sie auch schon während des Argovia Fäschts erlebt. «Derzeit sind aber ohnehin viele Mitarbeiter in den Ferien. Die übrigen haben alle Hände voll zu tun mit der Verpflegung der Künstler und Techniker, die für das Figura Theater Festival in Baden zu Gast seien.»

Kinosaal ganz für sich

Auch die Sterk Cine AG, die im Raum Baden mehrere Kinos betreibt, spürt den WM-Effekt. Dass die Badener während den WM-Abenden mehr Bock auf Public Viewing denn auf kuschlige Kino-Sessel haben würden, darauf war man aber vorbereitet, erzählt Geschäftsführerin Alexandra Sterk. «Wir sind seit mehr als 100 Jahren im Geschäft und kennen diese Schwankungen. Auch während anderen Grossanlässen verzeichnen wir normalerweise weniger Besucher.» Dazu kommt, dass viele Filmverleiher im Sommer auf die Promotion grosser Kassenschlager verzichten und die Blockbuster auf die Kino-Hauptsaison im Herbst und Winter verlegen.

Fazit nach zwei WM-Wochen: Nicht nur die Italien-, Spanien- und England-Fans hoffen, dass die WM möglichst bald vorbei ist. Auch die Badener Beizer und Kino-Betreiber freuen sich auf den post-brasilianischen Sommer.

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