Würenlos
Den Bergläufer zieht es in die Wüste

Consuelo Senn nimmt im April zum ersten Mal am Marathon des Sables in Marokko teil.

Martin Rupf
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Wie bereitet man sich auf ein Rennen über total 240 Kilometer durch die Wüste vor? Die überraschende Antwort des Würenlosers Consuelo Senn (48): «Ich habe den Winter durch oft in den Bergen trainiert.» Auf Schnee habe er ähnliche Trittbedingungen vorgefunden wie auf Sand. Nicht simulieren liessen sich hingegen die Temperaturen. «In der marokkanischen Wüste wird es im April bis zu 35 Grad heiss. Ich glaube aber, ich werde mit der Hitze gut zurecht kommen», gibt sich Consuelo optimistisch.

Am 3. April wird Senn zusammen mit 900 Ausdauerathleten aus über 42 Nationen zum 26. Marathon des Sables quer durch die Wüste Marokkos starten. «Wenn es die Umstände denn zulassen», ergänzt Senn in Anlehnung an die jüngsten Unruhen in den arabischen Ländern.

«Nach jedem Tief kommt ein Hoch»

Doch wie kommt man überhaupt auf die Idee, bei quälender Hitze durch die Wüste zu rennen? «Ich war schon immer sehr sportlich. Seit 10 Jahren laufe ich Marathon.» Wie viele Ausdauerathleten ist auch Senn auf der Suche nach immer neuen Herausforderungen. So hat er schon mehrmals am Swiss Alpine Marathon in Davos teilgenommen und einmal den Ultra-Trail rund um den Mont Blanc bewältigt. «Die 160 Kilometer und 10000 Höhenmeter in rund 40 Stunden zu bewältigen, war nicht ohne», blickt Senn zurück.

Seine Motivation, immer wieder solche Strapazen auf sich zu nehmen, umschreibt Senn so: «Für mich ist es jedes Mal ein Verlassen der persönlichen Komfortzone.» Und dies im Wissen: «Nach jedem Tief kommt wieder ein Hoch.»

Schlangenbiss-Set ist obligatorisch

In Marokko wird Senn einige Tiefs zu überwinden haben. 240 Kilometer misst die Strecke vom Start bis ins Ziel, unterteilt in sechs Etappen – die längste über 80 Kilometer. An der Physis sollte Senn kaum scheitern, trainiert er doch sechsmal die Woche. Es sind vielmehr die äusseren Faktoren wie Klima und Sand, die zum unüberwindbaren Hindernis werden könnten.

Kommt hinzu, dass der Organisator nur ein Zelt und die tägliche Ration Wasser zur Verfügung stellt. Den Rest muss Senn selbst organisieren. Dazu gehören: ein Kompass zur Orientierung, eine Notleuchtrakete, falls er sich verläuft, ein Schlangenbiss-Set, Salztabletten, um den Salzverlust beim Schwitzen zu kompensieren, und ein Schlafsack. «Zudem trage ich am Anfang etwa 6 Kilogramm Nahrung mit mir – Müsli, Powerriegel, Baumnüsse und Astronauten-Food», sagt Senn.

Am meisten Respekt hat Senn davor, dass Sand in seine Laufschuhe geraten könnte. «Wenn die Füsse einmal offen sind, wird das Ganze zur Qual.» Doch es ist vorgesorgt: Seine Schwester hat die Laufschuhe mit Klettstreifen versehen, an denen er Gamaschen befestigen kann.

Training am Morgen vor der Arbeit

4000 Franken kostet Senn das Abenteuer in der Wüste. «Meine Frau unterstützt mich bei meinem Unterfangen.» Seine zwei Töchter im
Teenageralter finden hingegen: «Du spinnst doch Papi, dass du dir so
etwas antust und dafür auch noch bezahlst.»

Senn räumt ein, es sei nicht immer einfach, die Balance zwischen Familie, Beruf – er arbeitet als Bauingenieur – und Sport zu finden. «Damit ich am Abend Zeit für die Familie habe, gehe ich oft am Morgen vor der Arbeit joggen.» Ob sich diese Disziplin auszahlt, werden die nächsten Wochen in Marokko zeigen.

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