Untersiggenthal

Den Guggen geht die Puste aus: «Räbefoniker» und «Sikinga-Chlopfer» spannen probeweise zusammen

Als die «Räbefoniker» aus Untersiggenthal noch genügend Mitglieder zählten: Im Bild der Auftritt am Brugger Fasnachtsumzug 2013.

Als die «Räbefoniker» aus Untersiggenthal noch genügend Mitglieder zählten: Im Bild der Auftritt am Brugger Fasnachtsumzug 2013.

Weil neue Mitglieder fehlen, spannen zwei Guggen für diese Fasnacht probeweise zusammen. Definitiv ist die Fusion nicht – die Vereine wollen eine Tradition aufrecht erhalten.

Von Bern über Uri bis St. Gallen: Landesweit sorgt das sogenannte Guggensterben schon länger für Schlagzeilen. Auch im nahe gelegenen Laufenburg lösten sich 2017 die «Schlossbärghüüler» nach 27 Jahren auf. Selbst im fasnachtsvernarrten Basel verschwinden kleine Guggen schrittweise und die verbleibenden Mitglieder schliessen sich grösseren Guggen an.

In Untersiggenthal wird derweil eine andere Lösung erprobt: Eine Guggenfusion. Die «Räbefoniker» und die «Sikinga-Chlopfer» schliessen sich probeweise für eine Saison zusammen. «Das gibt beiden Vereinen Zeit, um für neue Mitglieder zu werben und zu überlegen, wie es weiter gehen soll», sagt Katja Mier Font. Nach 23 Jahren Gugge und drei Jahren Pause kehrte sie mit sieben weiteren Ehemaligen für eine Saison zu den «Räbefonikern» zurück, um die Gruppe vor dem Aussterben zu retten. Nach der letzten Fasnacht blieben noch 12 Mitglieder, das Weiterleben des Vereins stand auf dem Spiel. Weil die «Sikinga-Chlopfer» – seit je eine kleine Gugge – in ähnlicher Situation waren, schlossen sich Aktive und Ehemalige beider Vereine zusammen. Mit Erfolg: 39 Mitglieder zählte die fusionierte Gugge am Untersiggenthaler Sternenmarsch am 11.11.2018 und auch beim Auftritt am «Holdrio» vor knapp zwei Wochen spielten sie zusammen.

Definitiv sei die Fusion nicht. «Beide Vereine gehen aber schön aufeinander zu. Wenn die gemeinsame Saison gut läuft, kann ich mir gut vorstellen, dass es so weiter gehen wird», sagt Katja Mier Font. Noch hoffen beide Gruppen, an der Fasnacht neue Mitglieder anzulocken. Kleine Guggen könnten zwar gut tönen, aber 39 Personen machten akustisch wie optisch mehr Eindruck.

Traditionen begeistern nicht alle

Woran könnte es liegen, dass es offenbar immer schwieriger wird, neue Mitglieder zu finden? Katja Mier Font sieht eine allgemeine gesellschaftliche Entwicklung, dazu fallen ihr Stichworte ein wie Vereinssterben oder Abneigung gegen Bindungen und Verpflichtungen. «Es geht auch darum, eine Tradition aufrecht zu erhalten», sagt sie. Und tendenziell sei es heute schwieriger, Menschen dafür zu begeistern. «Dabei macht ‹Guggen› riesig Spass. Du lernst Leute kennen, spielst an anderen Orten und machst Freunde fürs Leben.»

In Würenlingen aufgewachsen, wo die Fasnacht eine grosse Bedeutung hat, sei sie schon als Kind begeistert davon gewesen – anders etwa als ihr Bruder, obwohl Vater und Onkel an der Fasnacht tätig waren. Es sei deshalb auch sehr individuell. Ein Beispiel dafür ist Philipp Giger, Präsident der Untersiggenthaler Gugge «Wasserschloss-Fäger». Er ist als einziger seiner Familie enthusiastischer Fasnächtler. Im Internet wirbt seine Gugge derzeit prominent für Neumitglieder wie auch die Ennetbadener «34er Höckler» oder die Wettinger «Räbeschläcker». Letztere seien mit 43 Mitgliedern derzeit aber gut bedient, sagt Vereinsmitglied Adrian Müller. Die meisten stammen jedoch aus anderen Gemeinden.

Die «Temöckeguuger» aus Würenlingen, eine traditionelle Männergugge, 1972 gegründet, nehmen mittlerweile auch Nicht-Würenlinger auf. Es können aber weiterhin nur Männer hinzustossen, sagt Präsident Silvan Laube. Früher zählte die Gruppe 40 bis 45 Mitglieder, heute sind es noch 32. «Vor nur zehn Jahren führten wir noch Wartelisten.» Nach der Fasnacht will die Gugge deshalb mit einem Fest samt öffentlicher Probe und gratis Wurst und Spiess auf sich aufmerksam machen. Zudem werben sie modern über soziale Medien wie Facebook und Instagram.

In Ehrendingen ist alles anders

Im Gegensatz zu all dem stehen die «Gipsbachschluderi» aus Ehrendingen. Gemäss Präsident Roman Schelling verlor die Gugge viele Mitglieder, verdoppelte dann aber in wenigen Jahren deren Zahl auf heute 46. Woran liegts? «Aktiv geworben haben wir nicht, wir haben uns aber allgemein mehr fürs Dorf engagiert», sagt er. Die «Gipsbachschluderi» seien heute ein Ganzjahresverein, der etwa an der Papiersammlung teilnimmt und in den Schulen spielen geht. Dadurch geniessen sie in der Gemeinde offenbar einen guten Ruf. Vielleicht wäre also eine solche Art Verbreitung des Vereinportfolios ein weiterer möglicher Lösungsansatz.

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