Multimobil

Den meisten fiel der Verzicht auf das Auto nicht schwer

Auch die Familie Rohrbach – im Bild Sohn Julian – machte mit.

Auch die Familie Rohrbach – im Bild Sohn Julian – machte mit.

Die Auswertung des Projekts «multimobil unterwegs» in Baden liegt vor. Eine Wiederholung der Aktion ist denkbar.

«Wir können uns durchaus vorstellen, eine solche Aktion wieder durchzuführen», sagt Beatrice Meyer, Leiterin Mobilitätsberatung bei Badenmobil. Dank der Auswertung der Aktion durch Fabian Bucher und Philipp Zubler, Studierende der Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Wirtschaft, habe sie auch einige Tipps für eine weitere Ausführung erhalten. «Die beiden schlagen zum Beispiel vor, einen prominenten Teilnehmer zu gewinnen, um die Aufmerksamkeit für das Projekt noch zu steigern.» Bei «multimobil unterwegs» verzichteten die Probanden einen Monat freiwillig auf ihr Auto. Dafür bekamen sie ein öV-Abo, eine Mitgliedschaft bei Mobility Carsharing und ein Elektrovelo.

Im Rahmen einer sogenannten Bacherlor Thesis haben sich die zwei Studierenden intensiv mit dem Projekt auseinandergesetzt. Sie haben die Teilnehmenden vor und während des Projekts interviewt und die Fahrtentagebücher ausgewertet, die die Teilnehmenden führen mussten. Interessant dabei ist, dass die Strecken, die die Teilnehmenden während der Aktion zurücklegten, grösser waren als vorher. «Das ist eher atypisch, denn wenn man kein Auto benutzen kann, dann ist man meist weniger unterwegs», sagt Meyer. Zu erklären sei dies wahrscheinlich damit, dass man das Abo des öffentlichen Verkehrs ausnützen oder den Flyer am Wochenende ausprobieren wollte.

Die Auswertung des Fragebogens zeigte, dass sich die Teilnehmenden mit der Umstellung nicht schwer taten. Zwei Drittel der Befragten waren auch nach drei Wochen ohne Auto noch begeistert, bei einem Drittel gab es Momente, in denen das Auto fehlte. Am stärksten eingeschränkt fühlten sich die Teilnehmenden in Situationen, die nicht im Voraus planbar waren. Doch wie nachhaltig wirkt sich eine solche Aktion aus? Die Absicht der meisten Teilnehmenden – gemäss Aussage im Fragebogen – ist, das Auto auch in Zukunft weniger zu benutzen.

Bereits 1993 war im Rahmen eines Berichts zu Verhaltensänderungen im Verkehr im Raum Baden-Wettingen ein Experiment durchgeführt worden. Dabei verzichteten 17 Haushalte für zwei Wochen auf das Auto zum Einkaufen. Dabei zeigte sich, dass auch damals das Auto ermöglichte, viele Dinge unter einen Hut zu bringen und somit der Verzicht aufs Auto eine Frage der Organisation ist. Trotzdem war der Anstoss zum Hinterfragen der eigenen Mobilität durchaus willkommen.

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