Turgi
Der Aargauer im Zürcher Agglo-Dschungel

Stefan Burch aus Turgi ist seit gestern in Winterthur auf Stadtentdeckung. Auf Facebook berichtet der 43-Jährige bis am 10. Juni über seine Erlebnisse. Das Experiment hält den Weinhänder und Hobbykoch ganz schön auf Trab.

Silvia Schaub
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Stefan Burch berichtet auf Facebook über seine Erlebnisse in Winterthur.

Stefan Burch berichtet auf Facebook über seine Erlebnisse in Winterthur.

facebook.com

Stefan Burch hat sich seinen Auftrag wohl etwas lockerer vorgestellt. Schon am ersten Tag wirkt er ziemlich gestresst, hat nur wenig Zeit für ein Gespräch und sollte schon wieder beim nächsten Termin sein. Das Zeitgefühl habe er schon verloren, meint er verschmitzt.

Der Turgemer weilt seit Donnerstagabend in Winterthur. Sein Auftrag: Er ist das Facebook-Gesicht der Kampagne «10 Tage Winterthur - die Entdeckungstour». Bis am 10. Juni wohnt er in einer WG in Winterthur-Veltheim und berichtet täglich auf Facebook über seine Erlebnisse.

Winterthurs Image-Kampagne

Mit dieser Kampagne wollen Stadt, Standortförderung und das Tourismusbüro das Image Winterthurs «positiv beeinflussen», wie Tourismusdirektor Remo Rey erklärt. Weg vom Image der grossen Industriestadt hin zur Kultur- und Bildungsstadt.

Winterthur hat tatsächlich noch mehr zu bieten, wie der 43-jährige Weinverkäufer und Hobbykoch bereits erfahren hat. Burch wird via Facebook mit Ausflugsvorschlägen, Shopping- und Ausgeh-Tipps geradezu bombardiert.

Facebook-Community bestimmt mit

Die Community bestimmt nun auch zum Teil seinen neuen Alltag. Eben hat sie darüber abgestimmt, was er am Nachmittag unternehmen soll. Zum Bäumli wird er geschickt, dem lokalen Aussichtspunkt. «Auf der Terrasse über den Rebhängen des Goldenbergs soll man einen wunderbaren Blick über die ganze Stadt und in die Alpen geniessen können.»

Vorher muss er aber noch einen besseren Akku für sein zur Verfügung gestelltes i-Phone kaufen, damit er all seine Erlebnisse posten kann. Dann geht's noch schnell in ein Kleidergeschäft. «Heute Abend bin ich in einen Club eingeladen, und ich habe nicht mal ein Hemd eingepackt.»

Bereits wird er von den Winterthurern erkannt, wenn er im Shirt mit dem Aufdruck «Wenn Sie in Zürich landen, dann am besten in Winterthur» durch die Strassen läuft - oder manchmal auch irrt. «Gestern Abend hatte ich eine Stunde bis ich zu Hause war, weil mein GPS ausgestiegen ist», erzählt er lachend.

Big Brother-Feeling

Wie in einem Haifischbecken fühlt er sich aber nicht, schon eher ein bisschen wie bei Big Brother. Die Stadt sei aber toll und die Leute auch. «Spannend, was hier alles läuft und wie schnell man im Grünen ist.» Bisher kannte er nur das Technorama, das er als Bub einmal besuchte.

Für dieses Experiment hat Stefan Burch extra Ferien genommen. Dafür wird er von der Stadt Winterthur mit 3000 Franken entlöhnt. Schafft er es, Zusatz-Klicks auf dem Facebook-Profil von Winterthur auszulösen, kann er nochmals 2000 Franken dazu verdienen.

Gastrolle bei Karl's kühne Gassenschau

Weitere Zusatz-Zückerchen warten bereits. So wurde er zur «Fabrikk»-Show von Karl‘s kühne Gassenschau eingeladen. «Unglaublich, dort soll ich sogar eine kleine Gastrolle übernehmen», meint der Single staunend.

Ob er hier auch eine neue Liebe trifft? «Das ist nicht mein Ziel.» Vor allem dürfte das auch der enge Terminplan verhindern. «Das hier ist Stress pur.» Aber er sei ja spontan - und eben auch ein bisschen verrückt. Deshalb auch wurde er von Facebook im Voting für die Aufgabe ausgewählt.