Hans Ulrich Reber (SVP) stellt sich gut gelaunt vor die Kameralinse, die Sonne scheint, er trotzt der winterlichen Kälte und lächelt. Der Gemeindeammann geniesst die letzten Tage seiner 12-jährigen Amtszeit. «Auf den früheren Fotos bin ich immer mit gäggelifarbenen Pullovern zu sehen», erzählt er. «Im Dorf war ich bekannt dafür». Er habe die pink-, rot- oder grünfarbenen Pullis wegen seiner Partnerin Stella getragen. «Ihr gefiel das so gut.» Heute trägt er Anzug und Krawatte.

Herr Reber, Sie wissen, wir hätten das Foto auch in Ihrem Büro machen können. Sie hätten sich nicht in die Kälte hinausstellen müssen.

Hans Ulrich Reber: (Lacht) Ich muss das ganze Büro räumen und im Moment sieht es dort etwas chaotisch aus.

Sie wirken sehr gelöst. Sind Sie froh, dass Sie als Gemeindeammann die letzte Gemeindeversammlung über die Bühne gebracht haben?

Ja und Nein. Denn es war eine sehr berührende Gemeindeversammlung, weil ich lieben Besuch hatte auch von ausserhalb der Gemeinde, und nach zwölf Jahren im Amt ist immer auch etwas Wehmut im Spiel.

Ihr Nachfolger Anton Möckel, Regierungsrat Markus Dieth und sogar der Samichlaus haben viel Positives zu Ihrer Amtszeit erzählt. Welche negativen Dinge blieben ungesagt?

(Überlegt lange) Dass wir mit dem Alterszentrum noch nicht weiter sind, ist für mich persönlich ein negativer Punkt. Aber die Geschichte ist so komplex, dass wir umgekehrt froh sein können, dass wir heute eine Alterszentrum Würenlos AG haben, die nun wirken kann.

Üben Sie da ein Stück weit auch Selbstkritik?

Nein, gar nicht. Es war eine verworrene Situation und eine langwierige Geschichte.

Damit sprechen Sie auch den Standortentscheid an, zu dem 2013 fast 600 Stimmberechtigte an die Gemeindeversammlung kamen und im Vorfeld ziemlich zu reden gab. Hatten Sie damals schlaflose Nächte?

Das nicht, aber die Versammlung war sehr heftig. Es wurde hart gefochten und ich bekam aufs Dach, weil unser Antrag, das Alterszentrum auf dem Wiemel zu bauen, nicht durchkam. Danach musste ich erst einmal vier Tage abtauchen und ging auf den Zeltplatz. Ich wollte niemanden sehen, ich wollte alleine sein.

Warum wollten Sie alleine sein?

Weil mich der Entscheid auch emotional getroffen hat. Zudem wusste ich, dass die Realisierung auf der Zentrumswiese fürchterlich schwierig werden würde und es sehr lange dauern wird. Schliesslich soll dort nicht einfach ein Einfamilienhäuschen gebaut werden.

2013 war wohl das härteste Jahr Ihrer Amtszeit. Die FDP hat Sie damals wegen Ihres Alters als Gemeindeammann fallen gelassen und wollte Ihre jüngere Parteikollegin Karin Funk auf Ihren Sitz hebeln. Wie arbeitet man da als Kollegen weiter?

Wir konnten glücklicherweise gut miteinander weiterarbeiten. Ich muss aber gestehen, wir hatten nie eine riesige Affinität zueinander.

Vor Ihrer Amtszeit waren Sie Präsident der FDP Würenlos. Nach den Wahlen 2013 haben Sie bei der SVP ein Zuhause gefunden. Wie verstehen Sie sich inzwischen mit Ihrer ehemaligen Mutterpartei?

Dass ich mich damals entschieden hatte, aus der Partei auszutreten, war für beide Seiten befreiend. Mein Verhältnis zur FDP ist heute sehr gut. Ich hatte mit dem Vorstand und den Mitgliedern auch nie ein persönliches Problem.

Wenn Sie auf Ihre zwölf Amtsjahre zurückblicken: Mit welchem Ratsmitglied mussten Sie die härtesten Diskussionen führen?

Mit Karin Funk. Wir hatten alle mit ihr die härtesten Diskussionen, weil sie als Ressortleiterin Finanzen immer den Finger auf die Ausgaben gehalten hat.

Die Finanzen waren aber auch das Sorgenkind der Gemeinde und sind es in den Augen vieler Würenloser immer noch ...

... aber inzwischen konnten wir die Schulden reduzieren und wir haben die Finanzen im Griff.

Hat also Karin Funk bis zu Ihrem Rücktritt die harten Diskussionen jeweils gewonnen?

Ich würde sagen, der Punktestand blieb unentschieden, schliesslich hat der Gemeinderat Entscheide immer als Gremium gefällt.

Anderes Thema: Für welche Erfahrungen während Ihrer Amtszeit sind Sie besonders dankbar?

Dafür, dass ich für die Gemeinde wirken durfte, und für den Austausch mit anderen Gemeindeammännern, wobei ich feststellte, dass sie mit den gleichen sachlichen und zwischenmenschlichen Problemen kämpfen.

Welche zwischenmenschlichen Probleme sprechen Sie an?

Als gewählter Ammann kann man sich seine Ratskollegen nicht aussuchen, sondern das Volk wählt. Selber muss man dann einen Weg und ein Einvernehmen finden. Aber eigentlich ist immer alles gut gegangen. Insbesondere in den letzten zwei bis drei Jahren hatten wir einen bombigen Gemeinderat.

Wie steht es um den Austausch mit der Bevölkerung?

Das ist ganz klar: Ich habe den Kontakt zu den Würenlosern ungemein genossen und fühlte mich sehr stark getragen. Ich war bereits vor meiner Wahl zum Gemeindeammann 2005 in der Bevölkerung stark verankert, unter anderem durch den Turnverein und meine Arbeit in der Partei.

Ironischerweise hat Sie die FDP damals ein wenig ins Ammannamt gestossen. Ursprünglich wollten Sie nur als Gemeinderat kandidieren.

Ja, ich dachte damals ehrlich gesagt zuerst, jetzt spinnen sie, aber dann sah ich es als Herausforderung – genau wie zuvor, als ich in leitenden Positionen bei verschiedenen Firmen tätig war. Ich betrachte eine Gemeinde seit je als Unternehmen und nicht einfach als Verwaltung. Wir haben 6500 Kunden, die wir zufriedenstellen müssen.

Als neuer Gemeindeammann mussten Sie trotz Führungserfahrung ins kalte Wasser springen.

Das stimmt. Ich hatte aber gute Unterstützung seitens Verwaltung und insbesondere von Gemeindeschreiber Daniel Huggler. Dennoch musste ich sehr, sehr viel lesen am Anfang.

Und was planen Sie nun ab 2018 für Ihr Privatunternehmen – den Ruhestand?

Zuerst freue ich mich riesig auf die zweimonatige Reise mit meiner Lebenspartnerin Stella. Wir werden Anfang Jahr während zweier Monate durch Costa Rica und Kolumbien reisen.

Und nach der Südamerika-Reise?

Dann möchte ich wieder Orchideen ziehen, das ist eine langjährige Leidenschaft von mir, für die ich kaum noch Zeit hatte. Zudem habe ich bereits einige Anfragen für kleinere Mandate und ehrenamtliche Aufgaben, da darf ich aber noch nichts verraten.

Es wird Ihnen also bestimmt nicht langweilig werden.

Nein. Ich muss sicher 104 Jahre alt werden, um noch alles machen zu können, was ich plane.

Bis dahin würden Sie bestimmt auch ein Plätzchen im neuen Alterszentrum finden.

Ja, allen Widerständen zum Trotz sollte es bis dann gebaut und in Betrieb sein.