Nussbaumen

Der Autor, der vor allem den Mädchen gefallen wollte

Capus: «Ich weiss ja selbst nicht, was ich geschrieben habe.» zvg

Capus: «Ich weiss ja selbst nicht, was ich geschrieben habe.» zvg

Der Oltner Schriftsteller Alex Capus hat das Publikum in Nussbaumen mit einer gelungenen Lesung zu seinem neuesten Roman «Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer» beehrt. Der Roman erzählt, wie die Figuren zu dem wurden, was sie sind.

Rund 120 Leute fanden am Sonntag den Weg in die reformierte Kirche, um den französisch-schweizerischen Doppelbürger aus seinem neusten Roman vorlesen zu hören. Alex Capus nahm die Menge ab dem ersten Wort für sich ein. Mit seiner sympathisch-tiefen, sonoren Stimme setzte er auf leicht bernerischem Dialekt ein. In seinem aktuellen Roman geht es um drei unterschiedliche Charaktere, deren Wege sich nur ein einziges Mal am Hauptbahnhof Zürich im November 1924 kreuzen. Nicht dass sie einander aufgefallen wären, nein, vielmehr ist es die erzählerische Freiheit, die es erlaubt diesen drei sich fremd bleibenden Menschen durch ein Netz von Tatsachen und Geschehnissen zu folgen.

Hauptbahnhof als Ausgangspunkt

Der Roman basiert auf Tatsachen. Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer sind historisch belegbar. Drei Mal kehrt der Leser im Buch an den Hauptbahnhof in diese geschichtsträchtige Zeit zurück, drei Mal «schaut» er durch ein anderes Augenpaar. Von diesem Zeitpunkt aus wird zurückgeblendet, wie dieser Mensch zu dem geworden ist, was er ist und vorweggenommen, was ihm das Leben danach bescheren wird. Es sind Erzählungen von den kleinen Freuden und Desastern des Lebens, die aus einem Pazifisten einen Bombenbauer, aus einem Künstler einen Kunstfälscher und aus einer Sängerin eine Spionin und sie durch ihre Taten wider Willen zu Helden machen.

Sein letzter Roman «Léon und Louise» war so erfolgreich, dass Capus nun «die Altersvorsorge auf der Seite» habe. Doch das macht den Oltner nicht minder bodenständig. Er nimmt sich selber immer noch nicht allzu ernst und trägt den Zuhörern immer wieder witzige Anekdoten vor: «Um ehrlich zu sein: Ich weiss ja selbst nicht, was ich geschrieben habe, bis ich es dann ein paar Tage später in der Zeitung lese», lächelte er, «Ich schreibe von Empfindungen her, nicht primär von meinem Intellekt.»

«Ich weiss, wovon ich rede!»

Dass Capus auch beim Schreiben seinen Humor bewahrt, demonstrierte er gleich an einigen freien Szenen aus dem Buch: Emile Gilliéron war zwar ein begnadeter Zeichner, besonders viel Freude bereitete ihm das Zeichnen aber nicht. Es war vielmehr ein Zeitvertrieb in dem verschlafenen Dörfchen, das einem jungen Mann sonst nichts bieten konnte. Er wurde am Anfang nur Künstler, um den Mädchen in Villeneuve zu gefallen. «Und das sind die Triebfeder aller Künste! Ich weiss, wovon ich rede», schmunzelte Capus.

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