Baden/Aarau
Der Badener Pfarrer Stefan Blumer geht nach Aarau

Der reformierte Pfarrer Stefan Blumer verlässt die Stadt nach zwölf Jahren. Als Stadtpfarrer engagierte er sich in vielerlei Hinsicht.

Leonie Voelkin
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Pfarrer Stefan Blumer.

Pfarrer Stefan Blumer.

Leonie Voelkin

2002 kam Stefan Blumer nach Baden. Jetzt verlässt er die Stadt, um sich einer neuen Herausforderung zu widmen. Per ersten Januar tritt er eine neue 80-Prozent-Stelle in der Kirchgemeinde Aarau an.

Stefan Blumer engagierte sich sehr in der ökumenischen Zusammenarbeit und im interreligiösen Dialog. Wichtige Rollen spielten das Gebet der Religionen und der Frieden von Baden. «Heute gibt es zwischen den Religionen keine Grenzen mehr wie früher. Je weniger Wissen vorhanden ist, umso mehr wird einfach schwarz-weiss gemalt», sagt Blumer. Es gebe mehr soziale Gruppierungen, es finde eine ständige soziologische Veränderung statt, jedoch religiöse Fragen seien hellwach und stets dieselben, erklärt Blumer.

Wie er Baden erlebt habe? «Als Stadt, die einen offenen Geist besitzt, wie das Basel des Aargaus – international und tolerant», sagt der ursprüngliche Basler. Zudem erlebe er Baden als weniger rechtspopulistisch und die Stadt erhalte mehr Diskurs, wenn er mit Aarau vergleiche.

«Als innovative Stadt muss Baden darum bemüht sein, seine Vielfalt zu erhalten. Dafür müssten Grüne und Bürgerliche stets miteinander im Dialog bleiben.» Die Gefahr, weiter zu beschleunigen, würde darauf hinausführen, dass der Umgang mit Konflikten nicht mehr überlegt wird.

Die Affäre Geri Müller sei ein Beispiel dafür, wie Leute abgeschlachtet werden. «Die Schamlosigkeit in der Öffentlichkeit wird von einzelnen gesteuert, das ist hinterhältig und ungnädig», so Blumer. «Der Reichtum einer Kultur bleibt nur, wenn Gegensätze zusammenbleiben.»

Optimierung statt Dankbarkeit

Seine Berufung als Badener Seelsorger erlebte Blumer als reichhaltig und intensiv. Er fühlte sich den Menschen nah und erlebte interessante Begegnungen. «Die Lebenswelten in Baden sind fragmentierter als früher in einem Dorf, wo geredet wird», sagt Blumer, «durch die Stelle in Baden habe ich einen Schritt aus dem Dorf, wo Welten schwächer zusammenfliessen, gemacht.»

Stefan Blumer bezeichnet sich als Lebenskundler. Er könnte tausend Geschichten erzählen. Das Leben sei im stetigen Wandel, doch die Fragen und Sorgen wiederholen sich. «Die Leute brauchen Begleitung, ich höre täglich stundenlang zu und bin der Anwalt der Armen und Schwachen», erzählt er. Die Kirche habe einen prophetischen Auftrag und so könne er durchaus mal jemandem die Meinung sagen.

«Ich vertrete keine konkrete Ansicht, es geht um Gerechtigkeit und Wahrheit, nicht nur um Leistung», sagt Blumer, das sei vielen Leuten in schwierigen Situationen nicht bewusst. Heutzutage drehe sich viel um Selbstoptimierung, darunter leide auch die ehrenamtliche Arbeit. «Früher wollte man mehr zurückgeben und konnte dankbarer sein.» Bei ihm seien die Geschichten der Leute aufgehoben, «als Pfarrer bin ich ein Container».

Es bräuchte mehr echte Menschen, dafür müsste die Kirche nicht trendig werden. Die Kirche sollte ein Ort sein, an dem man in sich geht und sich erinnert. Die Selbstoptimierung habe etwas Unchristliches. Pfarrer Blumer wurde reich beschenkt mit Geschichten: «Wenn ich jetzt gehe, nehme die Geschichten mit.»
Verabschiedung Familien-Erntedankgottesdienst, Sonntag 26. Oktober, reformierte Kirche.