Eröffnungsfeier
Der Badener Schulhausplatz ist seit bald 200 Jahren die Drehscheibe der Stadt

Nach drei Jahren Bauzeit wird der sanierte Schulhausplatz in Baden feierlich eröffnet – ohne Feuerwerk. Dafür zeigt eine Fotoausstellung historische Bilder vom Schulhausplatz, von der Weiten Gasse und vom Schlossbergplatz, als hier noch die Verkehrskolonnen mitten durch die Stadt rollten.

Andreas Fahrländer
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Badener Schulhausplatz: Historische Bilder
11 Bilder
Verkehr anno 1961: Im Hintergrund sieht man die alte Cordulapost mit dem Bild des abgebrochenen Mellingerturms. Rechts daneben der legendäre Lebensmittelladen Moneta. Die beiden Häuser wurden 1984 durch die neue «Porta Moneta» ersetzt.
Mit dem Velo über Mittag nach Hause: BBC-Mitarbeiter an der Barriere. Die Velokolonnen stauten sich manchmal von der Badstrasse durch die ganze Altstadt bis zur Barriere am Schulhausplatz.
So sah es am Platz im Juli 1814 aus. Der Abbruch des «Mellingerturms», des Oberen Tors am Cordulaplatz (damals hiess er noch Paradiesplatz), wurde 1874 wie ein Fest gefeiert. Der Durchbruch sollte Luft und Licht in die Altstadtgassen bringen.
Der Bahnwärter hat ausgedient: Im September 1961 wurde die «Bahnverlegung» vollzogen, zumindest von der Eisenbahn war der Schulhausplatz befreit. Sie fuhr ab dann durch den grossen Bahntunnel.
Verstopfte Weite Gasse im Jahr 1960 mit Velo- und Buskolonnen. Das abgebrannte Restaurant Glas erlaubt die Datierung. Am oberen Bildrand das Schulhaus, das dem Platz seinen Namen gab.
Ein letztes Mal fällt die Falkenbarriere: Die Bahn brachte Wohlstand und Arbeitsplätze nach Baden. Aber auch viele Stunden mühsamen Wartens. Die Erleichterung war deshalb gross, als von 1957 bis 1965 der «neue» Schulhausplatz gebaut wurde.
Der Tunnelbogen des alten Bahntunnels steht noch, der Strassentunnel durch den Schlossberg ist schon betoniert. Der Ennetbadener Fotograf Werner Nefflen kam 1962 gerade noch rechtzeitig, um diesen denkwürdigen Augenblick festzuhalten. Rechts montiert ein Arbeiter die Sprengladung.
Als es in der Altstadt noch Handwerker gab: Der Sattler Mühlebach hatte seine Werkstatt in der Weiten Gasse und arbeitete gerne draussen. Hier zusammen mit den Pferden der Brauerei Müller am Schulhausplatz.
Das Brauerei-Gasthaus Falken gab der Barriere ihren Namen. Das Hotel musste schon 1957 weichen. Die 1850 erbaute Brauerei wurde erst 2004 durch den Neubau ersetzt, in dem sich heute das Bezirksgericht befindet.
So sah es vor der Bahnverlegung aus: Durch den engen Schlossbergtunnel fuhr seit 1847 die Spanischbrötlibahn nach Zürich. Die Häuser vor dem Cordulaplatz wurden beim Bau des Strassentunnels abgerissen.

Badener Schulhausplatz: Historische Bilder

Sammlung Sepp Schmid

Am Samstag feiert die Stadt Baden den Abschluss der Schulhausplatzsanierung. Nach drei Jahren findet die – besonders für die Badener Geschäfte – nicht immer einfache Baustellenzeit ein Ende. Diese Woche wurden noch die Sitzbänke an der Cordulapassage und die letzten goldenen Geländer montiert.

Ende August fahren dann die ersten Postautos durch den neuen Bustunnel. Dann wird in der Badener Innenstadt allmählich wieder etwas mehr Ruhe einkehren. Für Kritik gesorgt hat zuletzt das Vorgehen der Stadt, die in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Kunst am Bau aufstellen liess: eine Säule aus 520 schwarzen Gummimatten, die die Geschichte dieses schon seit 170 Jahren verkehrsumtosten Platzes aufgreift. Der «Stack» kam bei vielen Badenern gar nicht gut an. Alt Stadtschreiber Heinz Herrmann schlägt vor, anstelle der Gummi-Säule den «Flieger» von Hans Trudel an diesem prominenten Ort aufzustellen. Es bleibt abzuwarten, ob die Idee auf Zustimmung stösst.

Neue Tafel zur Industriekultur

Der lange Wandel des Platzes begann, als 1846 der Bau der Spanischbrötlibahn die Westecke der Altstadt abschnitt und mit dem Abbruch des Franzosenhauses die Weite Gasse geöffnet wurde. Zehn Jahre später wurde an der Stelle des alten Kapuzinerklosters das Badener Schulhaus (das heutige Bezirksgebäude) gebaut, das dem Platz seinen Namen gab. Der Schulhausplatz wurde spätestens 1926 zum Verkehrsknotenpunkt, als die Hochbrücke nach Wettingen gebaut wurde und immer mehr Züge durch den Schlossbergtunnel und mitten über den Platz nach Zürich fuhren.

Der Verein Melonenschnitz, der als Förderverein das Historische Museum unterstützt und zugleich den Industriekulturpfad Limmat-Wasserschloss betreut, wird am Samstag am Abgang von der Weiten Gasse zur Cordulapassage eine neue Informationstafel enthüllen. Die Tafel ist bebildert mit Aufnahmen aus der Geschichte des Platzes – eine Auswahl sehen Sie in der Galerie oben. Vereinspräsident und alt Stadtrat Kurt Wiederkehr (CVP) hat zudem für die Neujahrsblätter, die Ende Jahr erscheinen, einen schriftlichen Beitrag dazu verfasst.

Fotos statt Feuerwerk

Trotz der vereinzelten Regenfälle der letzten Tage wird das verschobene 1.-August-Feuerwerk auch am Samstag nicht gezündet. Stadtammann Markus Schneider (CVP) hat das aufgrund der aktuellen Gefährdungslage und in Rücksprache mit den Sicherheitskräften entschieden. Die Brandgefahr wird weiterhin als zu hoch eingeschätzt.

Einen besonderen Beitrag zum Fest leistet dafür der Badener Ehrenbürger Sepp Schmid: Ab dem Freitagnachmittag zeigt er auf dem Spanisch-Brödli-Platz vor dem Haus zum Engel eine wunderbare Fotoausstellung mit historischen Bildern vom Schulhausplatz, von der Weiten Gasse und vom Schlossbergplatz, als hier noch die Verkehrskolonnen mitten durch die Stadt rollten. Die Ausstellung wird bis zum Montagabend zu sehen sein. Sepp Schmid ist jeweils tagsüber vor Ort und gibt Auskunft zu den Bildern aus seiner beeindruckenden Baden-Sammlung.

Letzter Feinschliff am Schulhausplatz in Bildern:

Feinschliff am Schulhausplatz Baden
8 Bilder
Schulhausplatz Baden Um 1940 gab es hier noch keine Unterführungen. Das Bezirksgebäude war damals noch das Badener Schulhaus, dass dem Platz seinen Namen gab.
Schulhausplatz Baden Jetzt weht eine stattliche Aargauer Fahne statt der Badener Fahne am Haus.
Schulhausplatz Baden Der Stadtrat liess das erste Badener Schulhaus 1856/57 von Architekt Robert Moser bauen.
Schulhausplatz Baden Seit 1983 gehen hier keine Schüler mehr zur Schule: Heute ist es Stützpunkt der Kantonspolizei und Bezirksgefängnis.
Schulhausplatz Baden Am 18. August wird der Schulhausplatz mit einem Fest für geladene Gäste und die Badener Bevölkerung eröffnet.
Schulhausplatz Baden In der Cordulapassage unter dem Platz hat bereits der erste Laden aufgemacht: der "7-Day-Shop".
Schulhausplatz Baden Der Schulhausplatz ist die meistbefahrene Strassenkreuzung im Kanton und eine der verkehrsreichsten der Schweiz.

Feinschliff am Schulhausplatz Baden

Chris Iseli

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