Obersiggenthal
«Der Baldeggtunnel kostet viel und drängt nicht»

Obersiggenthals Gemeindeammann Max Läng fordert ein Gesamtverkehrskonzept für die Region und will beim Regierungsrat vorstellig werden. Denn er kann nur den Kopf schütteln: «Ich weiss nicht, warum der Baldeggtunnel eine solch hohe Priorität bekommt.»

Corinne Rufli
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Max Läng, Gemeindeammann von Obersiggenthal, erklärt die Linienführung des Baldeggtunnels. cru

Max Läng, Gemeindeammann von Obersiggenthal, erklärt die Linienführung des Baldeggtunnels. cru

«Warum hat der Baldeggtunnel plötzlich eine solch hohe Priorität bekommen?», fragt sich Max Läng, Gemeindeammann von Obersiggenthal.

Er könne das nicht verstehen. «Gewisse Kräfte forcieren den Tunnelbau.»

Der Gemeinderat fordert, dass die Verkehrssituation in der Region Baden zuerst grossräumig abgeklärt wird, bevor das Projekt weiter getrieben wird. Läng hatte bereits im Dezember eine Sistierung der Planung gefordert.

Zuerst stand der Gemeinderat Obersiggenthal mit seiner skeptischen Haltung alleine da. Doch jetzt wird er von Birmenstorf und Fislisbach unterstützt. Via Planungsverband Baden Regio wollen sie beim Regierungsrat vorstellig werden. Ein Brief ist verfasst, darin fordern sie den Kanton auf, ihre Bedenken anzuhören.

Tunnel kostet 800 Millionen

Das Grossprojekt Baldeggtunnel, das rund 800 Mio. Franken kostet, soll das Untere Aaretal besser mit der A1 verbinden. Max Läng sieht den Handlungsbedarf aber nicht im Aaretal, sondern in Dättwil, Mellingen und Fislisbach.

«Dort gibt es enorme Verkehrsbelastungen. Bisher hat der Kanton keine konkreten Massnahmen präsentiert.» Längs Fazit: «Der Baldeggtunnel kostet viel und drängt nicht. Sein Kosten-Nutzen-Verhältnis ist schlecht.»

Der Baldeggtunnel habe erst durch die Gründung der TCS-nahen IG Baldegg plötzlich Fahrt bekommen. «Die wollten, dass wir der IG beitreten, das haben wir aber nicht getan.»

Die IG Baldegg sei die eine Kraft, die den Tunnelbau vorantreibt. Die andere sei das Zurzibiet. «Sie versprechen sich durch den besseren Anschluss an die Autobahn eine bessere Siedlungsentwicklung.»

Das Zurzibiet weise ein sehr schwaches Wachstum auf. Läng sieht zwar mögliche Vorteile für das Zurzibiet, doch hat er auch Bedenken: «Streben wir wirklich an, den motorisierten Individualverkehr noch zu fördern?»

Nein, findet Läng, denn nicht das ganze Zurzibiet soll wachsen. Denn sonst würden neue Siedlungen im Grünen, in denen ein Auto unumgänglich ist, gefördert.

Das Wachstum soll auf die Achse beschränkt werden, auf der es bereits eine gute öV-Verbindung gibt. Sprich: Bad Zurzach, Koblenz, Klingnau und Döttingen. «Wir schaffen uns sonst neue Verkehrsprobleme.»

Die Sogwirkung des Baldeggtunnels sieht Max Läng besonders für den süddeutschen Raum. Die geplante neue Zollbrücke in Koblenz könnte zudem zu einer massiven Zunahme von Schwerverkehr führen.

Läng moniert, dass Lastwagen aus Deutschland, die heute in Rheinfelden auf die Autobahn fahren, neu durch das Aaretal und dann durch den Baldeggtunnel kommen – und erst noch LSVA sparen.

Eine Studie des Planungsverbandes Zurzibiet hat ergeben, dass der Zeitgewinn für den Autobahnanschluss nur minim ist. Auch die Finanzierung sei nicht gesichert: «Der Bund beteiligt sich nur, wenn die Zentren massiv entlastet werden. Der Kanton allein könnte den Tunnel nicht finanzieren», sagt Läng.

Der Kanton arbeitet momentan an einer Zweckmässigkeitsbeurteilung für den Baldeggtunnel. Diese soll im Sommer veröffentlicht werden. Wenn sie positiv ausfällt, wird der Regierungsrat den Antrag auf Vororientierung im Richtplan stellen. Dann wird das Trassee definitiv freigehalten.

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