Das gemeinsame Musizieren mache süchtig, sagten die Organisatoren am Final des 9. Schweizerischen Dirigentenwettbewerbs. Die Chance, in den Flow zu gelangen, ist wesentlich grösser, wenn ein Dirigent begeistert, charismatisch ist und alle in seine Welt mitnimmt. Diese Talentförderung ist Aufgabe des Anlasses, der diese Woche in Baden stattgefunden hat.

Alle Entscheidungen der dreiköpfigen Jury fielen einstimmig: Der Sieger des neunten Schweizerischen Dirigentenwettbewerbs heisst Théo Schmitt und kommt aus Palézieux. Der Waadtländer überzeugte mit seiner Interpretation des Höchstklasswerks «Praise Jerusalem» von Alfred Reed. Der Aargauer Raphael Honegger belegt den zweiten, der Walliser Laurent Zufferey den dritten Platz. Die Preise werden nur vergeben, wenn die Anforderungen der Jury (Jan de Haan, Philippe Bach und Carlo Balmelli) erfüllt werden. Das war diesmal der Fall, war doch das Niveau der 23 Teilnehmerinnen und Teilnehmer insgesamt ausserordentlich hoch.

Die Jury hat sich für den 28-Jährigen entschieden, weil er über die ganze Woche gesehen klar der Beste gewesen sei, wie Jurypräsident Jan de Haan ausführte. Der Waadtländer probe sehr gut und habe die Partitur ausgezeichnet im Kopf. Dabei trete er trotz des Drucks des Wettbewerbs selbstsicher und überzeugend auf. Dank seiner guten Ausstrahlung und des guten Kontakts zu den Orchestern ist Schmitt laut Jurypräsident Jan de Haan ein überzeugender Sieger.

Sieger Théo Schmitt hatte unmittelbar nach der Rangverkündigung Mühe, zu begreifen, was der Sieg für seine Karriere bedeutet. Da er nächste Woche in Los Angeles ein zweijähriges Studium in Filmmusik beginnen wird, sei momentan sowieso viel los. Das habe ihn möglicherweise entlastet und Druck weggenommen. Stattdessen konnte er Proben und Konzerte von Tag zu Tag mehr geniessen.

Sorgen gemacht hatte sich der Romand im Vorfeld einzig wegen der Sprachbarriere. Im Endeffekt waren die fehlenden Deutschkenntnisse aber eher ein Vorteil, weil er so auf sehr sympathische Weise auf die Orchester zugehen konnte und sich eher mit den Mitteln eines Dirigenten ausdrückte statt mit vielen Worten.

Die Austragung war ein voller Erfolg

Für den neunten Schweizerischen Dirigentenwettbewerb hatten sich ursprünglich 23 Kandidatinnen und Kandidaten angemeldet, um in insgesamt vier Runden ein anspruchsvolles Programm zu bewältigen. Die zwölf von der Musikkommission zugelassenen Personen hatten seit Mitte der Woche in der Vorrunde während einer halben Stunde mit dem Blasorchester Baden Wettingen ein dem Orchester unbekanntes Werk einstudieren müssen.

Im Halbfinal am Freitag erhielten die Kandidaten fünf Minuten Zeit, um eine der «Brass Band Emmental» bereits bekannte Komposition zu proben und strategische Stellen anzuspielen. Anschliessend wurde das Werk aufgeführt. Im Final schliesslich studierten die drei Finalisten während je 45 Minuten eine dem «Sinfonischen Blasorchester Bern» bekannte Komposition mit höchsten Anforderungen ein, die schliesslich am Galakonzert aufgeführt wurde.

Die Austragung des Dirigentenwettbewerbs war ein voller Erfolg. Erstmals waren (mit Ausnahme der Kandidatenselektion) alle Wettbewerbsrunden öffentlich. Alles klappte reibungslos, wie Jury, Zuschauer und Kandidaten einhellig bestätigten. So bleibt zu hoffen, dass es die finanzielle Lage des Vereins Schweizerischer Dirigentenwettbewerb zulässt, in drei Jahren wieder eine solche Plattform für junge Dirigentinnen und Dirigenten zu organisieren. (az)