Es war ein Heimspiel: Brita Holthuizen las am Freitagabend in der Alten Kirche Würenlos. In dem Dorf, in dem sie seit 40 lebt. In der Gemeinde, in der auch einige der 18 Geschichten im neu erschienen Buch «Augen-Blick» handeln. Man kennt sie hier: die 76-jährige elegante und eloquente Dame, die so viel erlebt hat, die sich sozial stets engagiert und als Journalistin regelmässig über die Geschehnisse der Region und aus aller Welt berichtet hat. So ist die Alte Kirche an diesem Abend auch gut gefüllt. Aus ihrem reichen Leben zu erzählen hat Holthuizen vieles. Über zwei Dutzend Tagebücher hat sie bisher gefüllt. Bücher voller persönlicher Erlebnisse und Momente.

Geboren in Lyck, Ostpreussen (heute Polen), wuchs sie im rheinischen Siegburg auf. 1962 zog sie in die Schweiz, heiratete und wurde Mutter von drei Kindern. Sie arbeitete unter anderem als Reiseleiterin, bevor die Liebe zum Journalismus sie packte. Nach einem Volontariat beim «Badener Tagblatt» wusste sie: das ist es. Die Sprache, das Reisen und ihr soziales Engagement kombinieren zu können, gefiel ihr.

Von einem Buch schreiben war damals noch nicht die Rede. Das hätte sie erst jetzt, im fortgeschrittenen Alter, gewagt, sagt sie. Umso grösser sei nun die Freude, die eigenen Geschichten zwischen zwei Buchdeckeln zu finden.

Von Würenlos um die Welt

Brita Holthuizens Erzählungen führen von Würenlos aus um die ganze Welt. Dabei vermeidet die Autorin in den meisten Geschichten die Ich-Form. Es sind Josy, Kira, Rita oder Lena, welche die Leser begleiten. Rita, die der Zeitung ein Foto zum Thema Frühling liefern soll und sich dabei unsterblich in einen Kollegen verliebt. Oder Lena, die dem verzweifelten Silvio ein warmes Bett und Zuversicht schenkt. Da ist die liebevolle Oma, die für ihre Enkelin Zuflucht ist vor der elterlichen Strenge.

Eine Geschichte, die an der Lesung dem Publikum speziell gefiel, war «Taxifahrt in Berlin». Protagonistin Kira schnappt sich ein Taxi, weil sie den Bus zum Kindergarten ihres Enkels verpasst hat. Unvermittelt wird sie zur Beziehungsberaterin, denn der 130 Kilogramm schwere Taxifahrer tut sich schwer mit den Frauen. Oma Kira kann da aus ihrem vollen Erfahrungsschatz schöpfen, gibt Tipps und versucht zwischen Funksprüchen, Autogehupe und Fluchen des Chauffeurs, diesem Hoffnung zu machen, dass er die richtige Frau noch finden wird.

Holthuizen erzählt ihre Kurzgeschichten mit Charme, Leichtigkeit und in leisen Tönen. Das Buch ist eine Homage an all die flüchtigen Momente und intimen Augenblicke, die jeder von uns erlebt.