Gitarrenbau

Der einstige Finanzjongleur Peter «Jo» Meister zieht heute andere Saiten auf

Früher Banker, heute Gitarrenbauer: Peter «Jo» Meister in seiner Werkstatt im Bäderquartier.

Früher Banker, heute Gitarrenbauer: Peter «Jo» Meister in seiner Werkstatt im Bäderquartier.

Peter «Jo» Meister war einst erfolgreicher Banker. Heute baut und repariert er in seinem Laden im Bäderquartier E-Gitarren.

Wer die Bäderstrasse herunterspaziert, begegnet dem glatzköpfigen Mann mit dem silbernen Haarkranz fast immer. Gedankenversunken sitzt er vor seinem Gitarrenladen und zieht am Glimmstängel. Der Blick ist auf den Boden gerichtet. Passanten grüsst er von sich aus nur selten. Peter Meister, den man in Musikerkreisen nur als «Jo» kennt, steht zu seiner Brummigkeit: «Wenn ich früher im Geschäft lächelte, wurden die anderen bleich und wussten: irgendetwas stimmt nicht», erzählt er von seinem Leben als Banker in Zürich.

Bis zur Pensionierung arbeitete er an der Börse, im Devisenhandel und im E-Banking. «Ich war einer der ersten, der statt Anzug Jeans und T-Shirt trug», erinnert er sich. Plötzlich wird Meister gesprächig. Erzählt, dass für ihn Ruhestand nie in Frage kam. Vor fünf Jahren bezog er die Räume im Bäderquartier und eröffnete darin seinen Gitarrenladen. Die Augen des heute 68-Jährigen sprühen Funken, wenn er eines seiner handgemachten Instrumente zeigt, für die er zwischen 80 und 120 Arbeitsstunden aufwendet.

Meister feilt gerade an einem Sattel, damit er bündig in den Korpus aus Honduras-Zeder passt. Das hochwertige Teil hat ihm Musiker Nic Niedermann in Auftrag gegeben. Auch für andere nationale Musiker wie Haemu Pluess von den Bluesaholics, Levi Bo, Martin Baschung und Sigi Nikitscher hat er schon Modelle gebaut. Sie kommen auf 3500 bis 6000 Franken zu stehen. Drei bis vier Stück stellt Meister pro Jahr in Handarbeit her. Das Hauptgeschäft machen aber Service- und Reparaturarbeiten aus.

Seine Heimatstadt Zürich wurde ihm zu «versnobt»

Wenn Meister um die Mittagszeit seinen Gitarrenladen öffnet, drückt er als erstes auf den CD-Spieler. Am liebsten hört er Pink Floyd. Ein Leben ohne Musik kann er sich nicht vorstellen. «Ich merkte aber schon früh, dass ich fürs Musizieren kein Talent habe. Mir liegt das Herumschrauben, Auseinandernehmen und Zusammenbauen», erzählt er und lacht. Noch während seiner Berufszeit als Banker besuchte er die ersten Gitarrenbaukurse in Formentera. 1998 kehrte er seiner Heimatstadt Zürich den Rücken, weil sie ihm zu «versnobt» war. Er zog nach Nussbaumen und richtete sich einen Hobbyraum für seinen Instrumentenbau ein. Familie hat Meister keine. Er geniesst die Freiheit und bezeichnet sich als «Lonely Rider».

Umso mehr Zeit und Leidenschaft investiert er in die Musik. Meister ist Mitbegründer des Blues Festivals Baden. Um Bluesmusik einem jüngeren Publikum zu eröffnen, rief er mit Sigi Nikitscher von «School of Rock» in Kirchdorf das schweizweit einzigartige Projekt «BluesKidz» ins Leben. In einem Workshop formieren sich talentierte Musiker zu einer Band. 12 Formationen sind so bereits entstanden. «Dieses Jahr hätten wir mit den BluesKidz im Bundeshaus Bern auftreten können», erzählt Meister, «leider machte uns Corona einen Strich durch die Rechnung.» Als Banker verbrachte er mehrere Jahre in London, New York und Singapur. «Heute fühle ich mich am glücklichsten, wenn ich jeden Tag meinen Gitarrenladen aufschliessen kann», sagt Meister.

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