Was passiert, wenn sich ein Bild und ein Wort zum Tête-à-Tête treffen und sich konkurrenzieren, wer von ihnen im Leben wichtiger ist? Oder die Krone und Wurzel eines Baumes ihre Rollen umkehren und die Welt plötzlich aus einer völlig anderen Optik wahrnehmen? Oder wenn der Osterhase die Geschenke unter der Baskenmütze versteckt, die sich der Hausherr nachher wieder anzieht?

Mit liebevollem Schalk, viel Poesie und raffinierten Wortspielen unterhielt Roger Kaysel das Publikum im Gartensaal der Villa Boveri. Der Gründer des Kindermuseums Baden ist auch Cartoonist und Autor der drei Werke «Vom Weinen und Lachen», «Bäume tragen den Himmel» und «Buchzauber», aus denen er einige Kurzgeschichten zum Besten gab.

Zuhörer mit Klavierspiel erdrücken

Die grosse Attraktion des Abends war aber Jacob Katsnelson, 37-jähriger Pianist aus Moskau, der am dortigen Tschaikowsky-Konservatorium bereits eine Professur innehat, zahlreiche internationale Preise gewann und von der Fachpresse vor allem für seine CD mit Solo-Werken von Bach hochgelobt wurde. Mit einer Bach-Fuge in a-Moll, die ursprünglich für Orgel geschrieben wurde, eröffnete er auch das Konzert in Baden.

Traktierte den Flügel mit einem derart wuchtigen Anschlag, dass er klang wie Donnergrollen. Die kraftvollen Akzente setzte er bewusst: «Ich wollte das Publikum mit meiner Bach-Bearbeitung erdrücken und nicht ein sanftes Liedchen spielen», meinte er im Anschluss. Nur um gleich darauf die Tasten zu liebkosen bei Werken von Schubert, Liszt und Scarlatti. Seine Finger glitten mit schier unglaublichem Tempo und eleganter Leichtigkeit über die Tastatur und Töne perlten wie aus einem grossen Füllhorn durch den Raum.

Konzert-Veranstalterin Marina Korenfeld beschrieb Katsnelson zu Recht als Star von morgen in der Klassikszene. Zur Abrundung gab es zwei Präludien von Prokofiev und Bach. Die nächste Station des Pianisten, der schon als Kind an einer speziellen Musikschule für begabte Kinder ging, ist die Tonhalle Zürich.

Nächster Anlass in der Konzertreihe

Ensemble Leonardo mit «Das grosse Abend- und Morgenlob (Vesper op. 37) von Sergei Rachmaninoff,
6. April, 20 Uhr in der katholischen Kirche St. Michael, Ennetbaden.