Gebenstorf

Der geplante «McDrive» sorgt für Streit – und wird zum Gerichtsfall

Hinter dem Geelig-Zentrum befindet sich das Land der Bovida AG, auf dem der McDrive geplant ist.

Der Kanton Aargau hat die Baubewilligung, die bereits vorlag, aufgehoben. Der Bauherr gibt dennoch nicht auf, er fühlt sich ungerecht behandelt.

In Gebenstorf wissen es viele Einwohner schon länger: Im Geelig-Zentrum, genauer bei der Einfahrt von der Land- in die Geeligstrasse, ist ein McDonald’s geplant, mit 88 Sitzplätzen im Erdgeschoss, inklusive «Drive-in». Noch steht aber in den Sternen, ob dort jemals Burger serviert werden. Das Bauprojekt steckt fest.

Der Kanton hat die bereits vorliegende Baubewilligung aufgehoben. Das ist einem Regierungsratsbeschluss zu entnehmen, der der AZ vorliegt. Dieser ist deshalb bemerkenswert, weil der Kanton damit einen Entscheid seiner eigenen Abteilung rückgängig macht, gab doch die Abteilung für Baubewilligungen des Departements für Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) ihre Zustimmung für den Bau. 

Die Aufhebung der Baubewilligung will die Bauherrschaft, die Bovida AG, aber nicht auf sich sitzen lassen. Sie zieht den Beschluss des Regierungsrats vor das Verwaltungsgericht.
Das Immobilienunternehmen Bovida AG hat seinen Sitz zwar in Zug, Verwaltungsratspräsident Abraham Oliver selbst wohnt aber in Gebenstorf.

Er investiert in Bauprojekte in der ganzen Schweiz. So ist seine Firma unter anderem im Besitz des «Fressbalkens» in Würenlos, hat aber auch das Geelig-Zentrum, in dem sich der Coop befindet, realisiert und an den heutigen Eigentümer weiterverkauft.

Neben der Bovida AG, dem Kanton, der Gemeinde Gebenstorf ist auch die Küng Automobile AG in den Fall involviert, die «Beschwerdeführerin», wie es im Behördenjargon heisst. Das Autohaus hat mit der Aufhebung der Baubewilligung einen Zwischensieg errungen.

Laut Regierungsratsbeschluss monierte Küng zu wenig Parkfelder und machte auf die Gefahr aufmerksam, dass «McDrive»-Besucher auf die benachbarten Parkplätze ausweichen könnten, die sich auf seinem Grundstück befinden. Ausserdem würde ein Verkehrskollaps drohen.

Bauherr fühlt sich unfair behandelt

Doch von vorne: Nachdem die Bovida im Februar 2016 ein erstes Baugesuch eingereicht hatte, gingen mehrere Einwendungen ein, woraufhin die Immobilienfirma das Projekt anpasste und ein optimiertes Baugesuch vorlegte.

Küng verlangte dessen Abweisung, wie dem Regierungsratsentscheid zu entnehmen ist. Auch die kantonale Abteilung für Baubewilligungen (AfB) war erst nicht überzeugt und beurteilte es im Mai 2017 als noch nicht bewilligungsfähig.

Das Baugesuch wurde wiederum überarbeitet und erneut der AfB überwiesen. Diese holte eine Stellungnahme bei der kantonalen Abteilung Tiefbau ein, aber ohne die Abteilung Verkehr miteinzubeziehen.

Kurz darauf gab die AfB grünes Licht für die Baubewilligung. Ziemlich genau vor 2 Jahren, am 19. September 2017, entschied der Gebenstorfer Gemeinderat, die Baubewilligung zu erteilen.

Nun reichte die Automobile Küng AG Beschwerde ein, adressiert an die Rechtsabteilung des BVU. Die vorher übergangene Abteilung Verkehr verfasste daraufhin auch einen Bericht und kam zum Schluss, dass das Baugesuch nicht bewilligungsfähig sei: Aufgrund von Mängeln bezüglich Parkierung, Anlieferung und Verkehrssicherheit.

Seit zwei Jahren sind die Involvierten daran, sich gegenseitig mit Stellungnahmen und Verkehrsanalysen zu überzeugen, warum das Baugesuch bewilligt oder eben nicht bewilligt werden kann. Ende November 2018 beantragte der Gemeinderat beim Kanton die Abweisung der Beschwerde der Automobile Küng AG.

Überhaupt: Liest man den Entscheid des Regierungsrats, entsteht der Eindruck, die Gemeinde unterstütze das Vorhaben der Bovida AG vorbehaltlos.

Das ist insofern bemerkenswert, erliess doch die Gemeinde 2015 im Geelig eine Bausperre für einen weiteren Grossverteiler.

«Noch mehr Verkehr können wir unseren Einwohnerinnen und Einwohnern nicht zumuten», erklärte der damalige Gemeindeammann Rolf Senn. Heute ist Fabian Keller Gemeindeammann, und er kann zum aktuellen Fall nicht viel mehr sagen als Folgendes:

«Wir haben die Baubewilligung damals mit bestem Wissen und Gewissen erteilt und gehen den Weg seither konsequent weiter.» Ansonsten handle es sich um ein laufendes Verfahren, dessen Ausgang abzuwarten sei.

Bauherr Abraham Oliver hingegen fühlt sich alles andere als unterstützt, sondern vielmehr unfair behandelt: «So vieles wird oder wurde vom Kanton bewilligt, auch wenn es ebenfalls für Mehrverkehr im Geelig sorgen wird. Doch mir werden Steine in den Weg gelegt.» Oliver und sein Anwalt machten im Verfahren Ungleichbehandlung geltend.

Sie verwiesen auf früher erteilte Baubewilligungen im Quartier, für die das BVU grünes Licht gegeben hatte. Laut Regierungsratsbeschluss reicht das nicht als Argument: «Seit 1993 wurden im Geeligquartier zahlreiche Bauprojekte mit hohem Verkehrsaufkommen bewilligt und realisiert, wodurch sich die Verkehrsverhältnisse sukzessive verschlechtert haben.

Auch auf der Kantonsstrasse, der Landstrasse, sei das Verkehrsaufkommen stetig gewachsen und die Verkehrsverhältnisse hätten sich im Laufe der Zeit derart verändert, dass im Vergleich zu den bewilligten Bauprojekten heute eine Situation vorliege, die ungleich zu beurteilen sei.

«Was ist mit all den geplanten Bauprojekten?»

Oliver reicht diese Begründung nicht: «Was ist mit all den geplanten Bauprojekten wie der Wohnüberbauung ‹Geelig Mitte› oder dem grösseren Neubau von Aldi?», enerviert er sich. Zudem habe ein weiterer Autohändler Land bei der zweiten Geelig-Einfahrt gekauft und plane dort eine Garage.

Auch die Landi will erweitern, in einem zusätzlichen Bau soll eine Metzgerei einziehen. Einige der von Oliver erwähnten Bauten befinden sich aber erst noch in der Projektierungsphase, nur für das Landi-Projekt liegt bereits eine Baubewilligung vor.

Oliver ist sich aber sicher: «Mit einem McDonald’s würden wir sicher nicht mehr Verkehr generieren als alle diese Bauten, aber bei mir wird ganz genau hingeschaut, während anderes einfach durchgewunken wird.»

Inzwischen geht es ihm auch gar nicht mehr um den McDonald’s, sondern vielmehr ums Prinzip: «Ich habe mir alles ehrlich und seriös erarbeitet und viel für Gebenstorf getan, aber hier herrscht viel Missgunst. Ich lasse mich davon aber nicht stoppen», gibt er sich kämpferisch.

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