Es dämmert – innert Kürze wird es dunkel sein. Während andere ins Bett gehen, treffen die Feuerkünstler von «Baden brennt» auf dem Schulhausplatz Pfaffechappe unter der Hochbrücke in Baden ein. Inmitten der Gruppe steht der 26-jährige Hilar Zeindler. Der angehende Architekt trägt, wie immer, schwarz. «Dies wurzelt im Praktischen», sagt er dazu. Seine Lehre als Hochbauzeichner habe er noch mit Handarbeit erlernt. «Tuscheflecken und Bleistiftstaub sind auf heller Kleidung verdammt gut sichtbar.» Das Gleiche gelte für Feuertools, die Russflecken auf heller Kleidung hinterlassen.

Mittlerweile riecht es nach Petrol. Die 12 von 25 aktiven Mitglieder des Vereins «Baden brennt» jonglieren mit brennenden Pois und Devilsticks, spucken Feuer oder spielen mit dem Feuerfächer. Das Feuerspektakel und die alten Brückenmauern versetzen ins Mittelalter. Hilar – der Heitere auf Lateinisch – ist Feuer und Flamme für den Langstab, sogenannt Staff. Doch bevor er ihn an beiden Enden anzündet und gekonnt um seinen Körper schwingt, bindet er sein langes schwarzes Haar zusammen und zieht ein Kopftuch an.

Funken sprang beim Spucken

Ungefährlich ist das Spiel mit dem Feuer nämlich nicht, Petrol schlucken kann sogar tödlich sein. «Bei meinem ersten öffentlichen Auftritt fingen meine Haare Feuer», erinnert er sich. Damals habe er sein Haar zu schlecht geschützt und sei mit Verbrennungen im Gesicht im Spital gelandet. «Neue Tricks üben wir ohne Feuer – genauso wie unsere Anfänger, die ihre ersten Tricks lernen.» Mit dem Feuer zu spielen, ohne sich jemals zu verbrennen, sei aber trotz aller Vorsicht unrealistisch. «Wer Skifahren lernt, fällt schliesslich auch hin.»

Hilar Zeindler verfolgt die Moves seiner Kollegen. «Wir haben uns stark weiterentwickelt», stellt er fest. Angefangen hatte alles zu zweit im Reussbad in Gebenstorf. «Der Bruder meines besten Kumpels spuckte Feuer. Wir probierten es aus – der Funken war gesprungen.»

Immer mehr Leute gesellten sich hinzu. «Bis wir knapp 30 waren und uns regelmässig im Friedhofpark an der Bruggerstrasse in Baden zum Üben trafen.» Weniger begeistert waren die Anwohner. «Wir wollten niemanden verärgern.» Seit der Vereinsgründung vor sieben Jahren trainieren sie, offiziell von der Schule Pfaffechappe geduldet, auf dem Areal des Schulhauses.

Zum ersten Mal auf Theaterbühne

Und Übung brauchen sie alle: Nebst Auftritten an Mittelalterfesten, Hochzeiten und Openairs in der Region, waren die «brennenden Badener» auch schon im Film «Der böse Onkel» 2011 zu sehen. Ganz aktuell stellen sie sich einer neuen Herausforderung: «Zum ersten Mal stehen wir auf einer Theaterbühne», freut sich Hilar Zeindler. Vergangenen Freitag feierte die Produktion «Stein! Ein schaurig schönes Spektakel» (siehe Artikel Seite 20) auf der Schlossruine Stein in Baden Premiere. «Den Tanz mit dem Feuerspiel zu verbinden, ist für mich der grösste Kick.» Schauspielern wollte er eigentlich nie. «Jetzt spiele ich aber mehr als ich wollte», sagt er und lacht.

Viel Freizeit hat Hilar Zeindler nicht. Nebst seiner Tätigkeit für den Verein und den aktuellen Auftritten auf der Schlossruine arbeitet er in einem Architekturbüro und studiert an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) Architektur. Die Feuerjonglage soll aber ein Hobby bleiben. Der Verein? «Solange die Mitglieder Freude an der Sache haben, wird der Verein auch existieren.»