Baden
Der Ingenieur-Nachwuchs scheint hier gesichert

Seit einem Jahr setzt sich in Baden der pensionierte ABB-Ingenieur Gerhard Schmidt dafür ein, dass das Interesse von Kindern für Technik wiederbelebt wird. Die ehrenamtlich Kurse der Penionäre kommen bei Schulkinder gut an.

Daniel Vizentini
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Badener Schüler basteln Windkraftwerke
21 Bilder
Während über eine Stunde haben die Schüler am kleinen Windkraftwerk gearbeitet
Unter den zehn technikinteressierten Kindern waren immerhin drei Mädchen
Wenn man kräftig gegen das Windrad bläst, wird Strom erzeugt
Auch die Kinder halfen sich gegenseitig
Bruno gefiehl die Bastelarbeit
Das Rad dreht sich
Der Generator musste auf die Plattform
Der pensionierte Ingenieur Urs Brühlmann hift den Kindern beim Basteln des Windkraftwerks
Beim Basteln war Geduld gefragt
Die kleinen Händen montierten Einzelstück für Einzelstück
Feinarbeit war gefragt
So sah das fertige Modell aus
Die Leiter Gerhard Schmidt, Peter Povel und Urs Brühlmann erläutern den Kindern das Vorgehen
Kein Hammerschlag ging daneben
Solche Modelle basteln die Kinder im Kurs
Die Leiter waren immer zur Stelle
Schülerin Flurina konnte auf die Hilfe von Leiter Schmidt zählen
Mit einem Föhn wird der Wind leichter erzeugt
Die letzten Schrauben werden fixiert
Die Diode lechtet – der Windstromgenerator funktioniert

Badener Schüler basteln Windkraftwerke

AZ

Weltweit wird bemängelt, dass es an Ingenieuren fehle. Seit einem Jahr setzt sich in Baden der pensionierte ABB-Ingenieur Gerhard Schmidt dafür ein, dass das Interesse von Kindern für Technik wiederbelebt wird. Das Rezept dafür hat er in England geholt: Seit über zehn Jahren wird dort an rund 150 Schulen das Nachwuchsförderungsprojekt «Imagineering» durchgeführt. Anders als in Baden wird das Projekt in England von grossen Firmen unterstützt. «Ich habe Firmen hier in der Schweiz angefragt und von den meisten keine Rückmeldung erhalten. Das braucht wohl seine Zeit», sagt Schmidt.

Gemeinsam mit ehemaligen Arbeitskollegen führt Schmidt an rund 20 Mittwochnachmittagen im Jahr im Badener Schulhaus Tannegg ein «Imagineering»-Workshop mit Kindern von der 3. bis zur 5. Klasse. Ein Besuch am letzten Mittwoch bestätigte: Die Begeisterung für Technik ist bei den Kindern durchaus vorhanden. Rund zehn Kinder – darunter drei Mädchen – verbrachten ihren freien Nachmittag für den Workshop freiwillig in der Schule.

Experimente mit Aktualitätsbezug

In den ersten rund 20 Minuten erzählt Schmidt jeweils von physikalischen Naturphänomenen und von der Geschichte der Technik. «Ohne in die Unterlagen zu schauen: Wann ungefähr kamen die ersten Elektromobile auf?», fragt er in die Runde. «1881 gab es den ersten Trolleybus», antwortet ein Kind – worauf ein anderes Kind reagiert: «Du hast gemogelt, ich habs gesehen!»

Die Kinder hören gespannt zu, wie Schmidt weiter erzählt und die Physik mit der Aktualität verknüpft. «Der neue französische Präsident ist mit einem Hybridauto vorgefahren. Wisst ihr, was das ist?» Ein Knabe: «Eine Mischung aus verschiedenen Motoren, das habe ich im Internet gesehen.» Aktuell war auch das Tagesthema am Mittwoch: Nach dem Theorieteil des Workshops machten sich die Kinder daran, einen Windgenerator zu bauen. «Wie ihr wisst, will man die Atomkraftwerke durch andere Energiequellen ersetzen», sagt Schmidt. Überraschend entgegnete ein Kind: «Ich bin nicht dafür, dass man die Atomkraft abstellt», und schüttelte den Kopf.

«Es macht sehr viel Spass»

Dann geht es ans Eingemachte: Die Kinder hämmern, leimen, löten, schneiden und falten verschiedene Gegenstände zu einem Windrad zusammen. Über eine Stunde lang sind sie eifrig am Basteln. Bei Schwierigkeiten helfen Schmidt und zwei weitere Tutoren. Oft unterstützen sich die Kinder gegenseitig.

Am Ende des Workshops steht das Resultat: In langer Feinarbeit haben die Kinder ein kleines Windkraftwerk gebaut. An den Generator haben sie ein Lämpchen verbunden. Bläst man kräftig gegen das Windrad und bringt es so zum Drehen, leuchtet das Lämpchen auf. «Das hat mir bisher am besten gefallen», sagt der 11-jährige Zino. Auch Leiter Gerhard Schmidt ist die Freude im Gesicht geschrieben. «Wir machen den Workshop aus purem Idealismus
heraus», sagt er. «Es macht sehr viel Spass.»