«Für mich persönlich ist die Sache erledigt», sagt Roberto Tommasini aus Otelfingen. Ihm wurde, dank dem rund vier Jahre dauernden Kampf, bei dem sich vor allem sein Sohn Marco aus Wettingen und das CDF (Glossar) engagierten, die von einem Berater des Inca (Glossar) entwendeten Rentengelder zurückerstattet.

Und, was für ihn besonders wichtig ist: «Das Gericht hat festgestellt, dass es ein Betrug und nicht mein Fehler war, meine Ehre ist wieder hergestellt.» Für ihn ist ebenso klar: «Ich kämpfe weiter, denn auch die anderen sollen ihr Geld zurückerhalten.»

Unvorsichtige Pensionskassen

«Für uns war es ein Pilotprozess», sagt Marco Tommasini. Das CDF hat nicht genügend Geld, um gleich für alle 50 betrogenen Rentner zu kämpfen. Und bereits zeigt das Vorgehen über Pilotprozesse Wirkung. «Eine Pensionskasse hat zwei weiteren Rentnern freiwillig das Kapital ausbezahlt», sagt Marco Tommasini. «Ihre einzige Bedingung, ihr Name darf nicht genannt werden.» Sie liess es gar nicht zum Prozess kommen, denn das Gericht hatte erkannt, dass bei den Auszahlungen die Sorgfaltspflicht verletzt wurde. Weitere 15 Prozesse sind pendent. 

Marco Tommasini im Interview

Marco Tommasini im Interview

Vor dem Bezirksgericht Zürich haben Rentner 10 Prozesse gegen Inca gewonnen. Es war dessen Angestellter Antonio G. gewesen, der die Rentner um rund 60 Millionen Pensionskassengeld erleichtert hatte. Das Patronato, als haftender Arbeitgeber, hat das Urteil an die nächste Instanz weiter gezogen und die vom Gericht verlangte Kaution von 100 000 Franken bezahlt. «Es ist schon sehr seltsam, dass dafür plötzlich Geld vorhanden ist», sagt Tommasini. Inca hatte bisher stehts betont, mittellos zu sein. Bei der Verantwortlichkeitsklage musste das CDF eine Niederlage einstecken. «Das Bundesverwaltungsgericht hat gesagt, dass die Schweiz keine Aufsichtspflicht über die Patronati hat.» Tommasini findet es sonderbar, dass eine staatliche italienische Organisation in der Schweiz wie in einem rechtsfreien Raum agieren kann.

Er fälschte Adressen und Unterschriften

Antonio G. hat die meist des Deutschen nicht ganz mächtigen Italiener beraten. Er liess sich, gemäss den italienischen gesetzlichen Vorgaben, von diesen Vollmachten geben, fälschte aber auch Adressen und Unterschriften. Mit manipulierten Dokumenten liess er sich von den Pensionskassen das Geld auf Konti überweisen, die auf Inca lauteten, auf die aber nur er Zugriff hatte. Eine Zeit lang hat er dann den Pensionierten die monatliche Rente ausbezahlt. Weil er immer wieder neue Rentner betrog, ging ihm das Geld nicht aus. Wenn ein Rentner starb, blieb das restliche Geld in seiner Tasche.

Vor 4 Jahren wurde Antonio G. in Untersuchungshaft genommen, weil es zu Klagen gekommen war. Aus dem Gefängnis heraus konnte er den Pensionären kein Geld mehr überweisen. Einer der Ersten, die ohne Rente dastanden, war Roberto Tommasini. Sohn Marco nahm für den Vater die Suche nach dem Rentenkapital auf. Immer mehr Betrugsfälle traten zutage. «Die offiziellen Anlaufstellen für die italienischen Emigranten liessen die Geschädigten im Regen stehen», sagt Marco Tommasini und gründete mit anderen das CDF. Zu dessen Finanzierung hat er ein Buch über die italienische Emigration verfasst, das am 2. März in der italienischen Mission in Kloten vorgestellt wird. Neu hat sich das CDF mit der politischen Bewegung Maie (Glossar) zusammengetan. Maie versucht, bei den kommenden Wahlen Sitze im italienischen Parlament zu gewinnen. Gemeinsam wollen sie den Betrug auf höchster politischer Ebene thematisieren.