Gebenstorf
Der Kantischüler aus Gebenstorf philosophierte sich an die Spitze

Der Kantischüler Patrick Coté hat an der 8. Schweizer Philosophie-Olympiade den ersten Platz belegt. Damit qualifiziert er sich für die internationale Austragung in Dänemark. «Ich war völlig überrascht und habe nicht erwartet, dass ich gewinne.»

Yvonne Lichtsteiner
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Patrick Coté, der Gewinner der Philosophie-Olympiade, in seinem Zimmer in Gebenstorf.Mathias Marx

Patrick Coté, der Gewinner der Philosophie-Olympiade, in seinem Zimmer in Gebenstorf.Mathias Marx

Philosophische Politik, die Freiheit der Menschen und Gleichberechtigung jeglicher Art – das sind Themen, die Patrick Coté beschäftigen, über die er gerne redet.

Themen, die viele grosse Philosophen und Philosophinnen beschäftigen, nur: Coté ist erst 17 Jahre alt und geht in die Kantonsschule Wettingen.

Beim gross gewachsenen Gebenstorfer würde man auf den ersten Blick keinen geborenen Philosophen erwarten. Schnell merkt man, er ist ein ganz normaler junger Mann, ziert sich zuerst – wie jeder Jugendliche – sein Zimmer zu zeigen.

Was überrascht: Es sind keine Bücher zu sehen. «Ich lese nicht fanatisch philosophische Bücher und habe keine Vorbilder», sagt Coté. Er mache sich lieber selber Gedanken, diskutiere, sei neugierig. Genau diese Neugierde brachte ihn dazu, an der 8. Schweizer Philosophie-Olympiade in Luzern mitzumachen – das hat ihm prompt den ersten Platz eingebracht.

Von der Schulbank nach Dänemark

«Ich war völlig überrascht und habe nicht erwartet, dass ich gewinne», gibt Coté bescheiden zu verstehen. Den Aufsatz über die Funktion des Menschen habe er nach zwei Stunden abgegeben. Das, obwohl er vier Stunden Zeit gehabt hätte. Ihm sei nichts mehr eingefallen, sagt er achselzuckend.

Eine Medaille hat Coté nicht bekommen. Das mache ihm aber nichts aus: «Der grösste Preis ist, dass ich im Mai nach Dänemark gehen darf.» Im dänischen Odense findet im Mai die internationale Austragung der Philosophie-Olympiade statt, dort muss sich Coté gegen Teilnehmer von über 40 verschiedenen Nationen durchsetzten.

Deutsch denken, Englisch schreiben

Nervös sei Coté nicht, das komme aber bestimmt kurz vor der Abreise, ist sich der 17-Jährige sicher. Er gibt sich gelassen: «Ich bereite mich nicht besonders auf den Wettbewerb vor.» Er wisse aber, dass er einen Text aus Søren Aabye Kierkegaards Werk, dem berühmtesten dänischen Philosophen, schreiben muss.

Die Schwierigkeit: Die Teilnehmer dürfen den Text weder in deren Landessprache noch in ihrer Muttersprache schreiben. Für Coté heisst das konkret, er muss den Text auf Englisch zu Papier bringen. «Das ist kein Problem für mich», sagt der Schüler. Er sei sprachbegeistert, habe angefangen Schwedisch zu lernen, Englisch beherrsche er gut.

Keine Illusionen

Der intelligente Schüler macht sich aber keine Illusionen. «Ich erwarte nicht, zu gewinnen und bin einfach stolz, dass ich die Schweiz vertreten kann.»

Will der Gebenstorfer auch nach der Kanti einen philosophischen Weg einschlagen? «Ich habe es mir überlegt, Philosophie zu studieren.» Als Hauptfach komme es für ihn aber nicht infrage – vielleicht als Nebenfach. Coté liebe zwar Philosophie, doch: «Ich will nicht, dass sich mein ganzes Leben um Philosophie dreht.»

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