Als eine «verpasste Chance» bezeichnet Werner Humbel die Tatsache, dass der Kanton sein Bau- und Rodungsgesuch abgelehnt hat. Denn: «Fürs Reusstal wäre sie eine Attraktion gewesen», sagt der Schweinemastbetreiber und Geschäftsführer der Recycling Energie AG. Mit «sie» meint Humbel die Hängebrücke, die er über die Reuss hätte schlagen wollen.

165 Meter lang und 1,20 Meter breit wäre das Bauwerk geworden. Und damit hätten seine beiden Betriebe verbunden werden sollen: die Biogas-Anlage in Nesselnbach und der Schweinemaststall in Stetten. Auf diese Weise hätten nicht nur Wanderer vom einen zum anderen Ufer gelangen können, sondern auch die Schweinegülle. Diese wäre anhand einer Leitung unter der Brücke in die Recycling Energie AG geflossen. Die Firma ist auf Fäkalien angewiesen, damit sie Ökostrom produzieren kann. «Der Entscheid ist vernichtend», sagt Humbel enttäuscht. Man habe zwar gewusst, dass es das Projekt schwerhaben würde – die Brücke wäre in einer Zone zu stehen gekommen, in der verschiedene Schutzlandschaften aufeinandertreffen. «Aber wir wussten auch, dass es ein innovatives und weitsichtiges Projekt ist.» Weitsichtig auch deshalb, weil Humbel die Schweinejauche bisher rund acht Kilometer mit Traktoren und Güllewagen vom Stetter Betrieb via Mellingen und Tägerig nach Nesselnbach transportierte. Mit der Hängebrücke hätte er rund 160 Fahrten pro Jahr einsparen können.

Naturschützer freuen sich

Der Kanton hat Humbels Bau- und Rodungsgesuch abgewiesen, «insbesondere weil dem Vorhaben überwiegende forstliche und natur- und landschaftsschützerische Interessen entgegenstehen». Pro Natura Aargau, einer der insgesamt fünf Einwender, ist froh, dass dem Hängebrücke-Projekt eine Abfuhr erteilt wurde: «Wir haben von Beginn weg vermutet, dass es ein klarer Entscheid sein wird. Denn das Projekt war nicht rechtskonform», sagt der Geschäftsführer der Naturschutzorganisation, Johannes Jenny. Man sei froh, dass die Sache nun geklärt ist und der Entscheid wegweisend für künftige Fälle sein wird: «Die Reusstal-Landschaft ist schön. Es wird sicher weitere Infrastruktur-Projekte geben.»

Eine Beschwerde gegen den Entscheid wird Werner Humbel nicht führen. «Ohne politische Unterstützung bin ich chancenlos», sagt er. Er lässt nun eine Lösung prüfen, die der Kanton vorgeschlagen hat: das Verlegen der Gülleleitung mittels eines sogenannten Dükers – eine Druckleitung – im Flussbett der Reuss. «Unsere Biogas-Anlage ist C02-neutral. Ich möchte so wenig Fahrten wie möglich machen», sagt Humbel. Deshalb will er wissen, ob eine solche Leitung überhaupt finanziell machbar wäre. Dies, obwohl er den Weg des geringeren Widerstands gehen könnte. Die Strecke, welche die Traktoren mit Güllewagen zurücklegen müssen, wird sich ab September auf rund drei Kilometer reduzieren: Die Verkehrslast der Gnadenthalbrücke wird statt wie bisher auf 18 neu auf 40 Tonnen ausgelegt sein.

Unterstützung erhält Humbel von Johannes Jenny: Der Geschäftsführer von Pro Natura hofft, dass er einen Weg findet, die Gülleleitung unter die Reuss zu legen: «Ihm ist es ja auch ein Anliegen, Fahrten einzusparen. Eine solche Leitung würden wir sicher nicht bekämpfen.»