Der Bündner Liedermacher und Geschichtenschreiber Linard Bardill sang im Theater im Kornhaus ThiK Baden über die Schönheiten und Absurditäten des Lebens und erzählte vom kleinen Buddha – so nennt er seinen Sohn mit Downsyndrom, der ihm jeden Tag neue Lebensperspektiven eröffnet.

Bardill liess für das Badener Publikum ein Lied erklingen, in dem er seinen persönlichen Weg beschreibt: «Wohi, dass er füert, das hani nit verstande, drum lauf ich eifach dr Nase noch». Seine Existenz annehmen im Hier und Jetzt und sich selber nicht ständig zu hinterfragen, hat ihn vor allem «der kleine Buddah» gelehrt, über den er ein Buch geschrieben hat. Der Bündner «Liederer» (so nennt er sich) bezeichnet heute sein ganz spezielles Kind als das grösste Geschenk, das ihm das Leben gemacht hat. Es hat ihn die völlige Hingabe gelehrt, wenn man in einem Maulwurfhügel wühlt, den Sand durch die Zehen rieseln lässt oder einen Regenbogen beobachtet.

Auf der Bühne statt auf der Kanzel

«Wir sind durch unseren Intellekt oft eingeschränkt», meint der 55-jährige Künstler, «beim kleinen Buddha ist alles unmittelbar und das, was im Moment geschieht, wichtig. Wenn ich anfange zu schauen, wie er schaut und mich auf sein Tempo einlasse, zeigt er mir eine andere Welt.» Den wirklichen Namen seines Sohnes nennt er nie. «Ich halte meinen Nachwuchs raus aus meinem Beruf als Künstler», so der fünffache Vater. Für seine Heimat Scharans hat er eine Hymne komponiert. Die Stimmungsbilder, die er vom Bündnerland oder über ein Nachtessen am Familientisch zeichnet – wenn «die Kinder fuhrwerken wie die Räuber» – sind poetisch, witzig und feinsinnig. Bardill ist ein tiefgründiger Mensch. Er studierte Theologie, entschied sich dann aber doch für die Bühne. «Ich wäre ein schlechter Pfarrer geworden, weil ich dauernd versucht hätte, die Grenzen zu sprengen», sagt er und lacht dabei.

Zu Gast bei kranken Kindern

Jede Woche ist der Liedermacher für die Stiftung Sternschnuppe unterwegs, die schwer kranken Kindern Wünsche erfüllt. In Spitälern gibt er Bettkantenkonzerte und zaubert mit seiner «Seelennahrung» ein Lächeln in die Gesichter der kleinen Patienten. Auch die Theaterbesucher im ThiK blühten förmlich auf und liessen sich von Bardills positiver Ausstrahlung und seinen tiefgründigen und doch heiteren Geschichten und Songs mitreissen.

Begleitet wurde er von Bruno Brandenberger am Kontrabass. Der Musiker und Regisseur im Kleinkunstbereich war viele Jahre mit Toni Vescoli und Dodo Hug unterwegs und ist die perfekte Ergänzung zu Linard Bardills gehaltvoller Stimme und seinen unter die Haut gehenden Texten.