Baden
Der Konditor hinter dem Mischpult gibt im Nordportal den Ton an

Fritz Ott ist Tontechniker im Nordportal und führt ein Studio für Nachwuchsbands. Der Sohn einer Handorgellehrerin kam bereits mit fünf Jahren zur Musik. In der Backstube hat es der gelernte Konditor nur für kurze Zeit gehalten.

Stefan Hürst
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Gibt den Ton an: Fritz Ott ist Tontechniker der ersten Stunde im Nordportal in Baden.

Gibt den Ton an: Fritz Ott ist Tontechniker der ersten Stunde im Nordportal in Baden.

Mario Heller

Seinen erlernten Beruf als Konditor übte Fritz Ott nur für ein halbes Jahr aus. Zu gross war der Reiz der Musik, der schon im Kindesalter von der Mutter auf ihn übertragen wurde. Sie war Handorgellehrerin, arbeitete in verschiedenen Musikhäusern – und schenkte ihrem fünfjährigen Sohn die erste kleine Gitarre.

«Irgend ein Plastikteil», erinnert sich Fritz Ott, heute 55 Jahre alt. Mit den ersten verdienten 80 Franken kaufte er sich also bald eine Holzgitarre: «Die war auch ein Seich.» Ott kann sich ein Lachen nicht verkneifen, die Suche nach dem richtigen Klang beschäftigte ihn schon früh.

Erst als Gitarrist in verschiedenen Bands, später als Tontechniker. In dieser Funktion arbeitet er heute im Nordportal in Baden, das insbesondere wegen seiner hervorragenden Akustik einen guten Ruf geniesst.

«Eine Ausbildung in Tontechnik? Habe ich nie gehabt, das war einfach ‹learning by doing›», gibt er zur Antwort. Er sei da mit der Zeit so reingerutscht. Ein Schlüsselerlebnis war die (kleine) Badenfahrt 1991. «Ein Kollege kam auf mich zu und sagte, er habe da einen Job für mich», erinnert er sich.

Der Job bestand darin, das nächste Konzert hinter dem Mischpult zu übernehmen. «Ich hatte so was noch nie zuvor live gemacht», sagt er, «aber es blieb mir nichts anderes übrig, und den Leuten und den Musikern hat es sehr gut gefallen.»

Die Tätigkeit als Live-Mischer macht ihm fast 30 Jahre später im Nordportal immer noch Spass: «Das Schöne an Live-Konzerten ist, dass jeder gespielte Ton gleich Vergangenheit ist.» Das sei bei Studioaufnahmen anders. Dort werde eine Stelle hundertmal gemischt, es muss alles perfekt sein.

Er muss wieder schmunzeln, wenn er an all die teuren Gerätschaften in Studios denkt, mit denen jeder Klang optimiert wird. «Und am Schluss hört man sich das Stück als MP3 auf dem Handy an – am besten noch über die integrierten Lautsprecher.»

Eigenes Studio im Oederlin Areal

Trotzdem hat sich der Obersiggenthaler, der in Endingen aufgewachsen ist, vor rund 20 Jahren ein eigenes Studio im Oederlin Areal in Rieden aufgebaut. Mit dem Ziel, jungen Bands eine günstige Möglichkeit zu bieten.

Aktuellstes Beispiel ist die Band «Pedestrians», die sich mit Aufnahmen des «Flöte 4»-Studios für einen nationalen Contest bewarb, und diesen gewann. Die Nachfrage vonseiten der Nachwuchsbands ist jedoch im Zeitalter von günstigen Alternativen nicht mehr so hoch.

Ob er nach dem Abriss der Räumlichkeiten im nächsten Jahr noch einmal etwas aufbaut, weiss Ott noch nicht.

Wer Fritz Ott und seinen zahlreichen Anekdoten zuhört, gerät in Versuchung, ihn älter zu schätzen, als er in Tat und Wahrheit ist. Zum Beispiel bei Geschichten zu der Zeit als er mit seinem «Mobile Studio» unterwegs war.

Nicht etwa wie heute mit einem fix eingerichteten Fahrzeug, sondern mit dem eigenen Auto, das vollgestopft mit dem nötigen Equipment war, reiste er durchs ganze Land – und auch einmal nach Frankreich. «Dort haben wir in einer alten Villa Aufnahmen für einen Künstler gemacht.

Die Akustik war nicht zu gebrauchen, wir haben uns aber verführen lassen, die Situation als gegeben gelten zu lassen und haben viele Räumlichkeiten mit einbezogen, um dieses Werk entstehen zu lassen – was auch in den Aufnahmen zum Ausdruck kam. Aber wir haben das Beste daraus gemacht», erinnert er sich.

Eine andere Qualität hatten dann Aufnahmen mit einer eigenen Band. In Zürich gab es im Jahr 1992 einen Wettbewerb: Bands konnten Demo-Aufnahmen einschicken und den Gewinnern winkte ein Tag in einem grossen Studio und der Platz auf einer Sampler-CD.

Ott nahm mit seiner damaligen Band einen Song auf einem 8-Spur-Kassetten-Tonband auf und mischte ihn ab. Die Jury war begeistert, sah aber zuerst nicht ein, weshalb die Band auf ihren Studio-Tag pochte. Grund: Sie habe ja schon professionelle Aufnahmen.

Auf die Frage, welches Erlebnis ihm aus zehn Jahren im Nordportal besonders in Erinnerung geblieben sei, zeigt Fritz Ott auf ein Plakat an der Wand des «Fjord». Es zeigt die «Sugar Hill Gang», frühe Pioniere des Hip-Hops, die vor einigen Jahren zu Gast waren.

«Sie waren nicht mehr die Jüngsten, aber hatten vom ersten Moment an einen Riesenspass», sagt er. Auf der Treppe hätten sie sich stützen müssen, und der fast blinde Bassist habe viermal nach dem Mikrofon gegriffen, ehe er es erwischte.

«Aber die Performance liess nichts zu wünschen übrig.» Die Freude an der Musik lebt auch in Fritz Ott weiterhin: «Ich habe immer noch Spass an diesem Job, und werde deshalb auch nicht so bald aufhören.»