In diesen Tagen erhalten rund 3500 Haushalte in Wettingen einen Brief von Kaminfeger Roland Frei. Darin teilt er ihnen mit: «Zu unserer Überraschung und für uns völlig unerwartet, wurden wir aus dem für uns sehr wichtigen Amt entlassen.» Konkret: Nach über 20 Jahren ist Roland Frei nicht mehr Kaminfeger von Wettingen. Die Gemeinde hatte Mitte 2013, wie gesetzlich vorgeschrieben, die Kaminfegerkonzession für die Jahre 2014 bis 2017 neu ausgeschrieben.

Im anschliessenden Auswahlverfahren verlor Frei den Auftrag. «Für mich ist der Entscheid absolut unverständlich», kommentiert er dies. Deshalb hat er den Entscheid des Gemeinderates an die Aargauische Gebäudeversicherung (AGV) weiter gezogen. Dieses hat noch keinen Entscheid gefällt, die Gemeinde aber angewiesen, mit dem neu gewählten Kaminfeger keinen Konzessionsvertrag abzuschliessen. Sie hat dem gewählten Kaminfeger, bis ein rechtsgültiger Entscheid vorliegt, mit einem Auftragsverhältnis die Kaminfegerarbeiten in Wettingen übertragen.

Zwei Mitarbeiter entlassen

Frei amtete bisher als Kaminfeger in Wettingen und Würenlos. «Jetzt habe ich mit der Konzession für Wettingen ungerechterweise 3500 Kunden verloren», sagt er. Geblieben ist ihm die Konzession für Würenlos, mit rund 800 Kunden. Neu hat er die Konzession in Spreitenbach mit rund 1200 Kunden erhalten. «Weil ich weniger Kunden habe, mussten wir leider zwei Mitarbeiter entlassen», sagt Kaminfeger Frei.

Frei zweifelt an Auswahlverfahren

Im Brief an die Kunden verweist Frei auf mehrere Punkte, die für eine Verlängerung seiner Konzessionierung gesprochen hätten: «Ich bot nachweislich die günstigsten Tarife an und die Reklamationsquote in den letzten Jahren lag unter 0,2 Prozent pro Jahr.» Er ist überzeugt, dass er im Auswahlverfahren bewusst benachteiligt worden ist. Die Gemeinde hatte den ursprünglich vier Bewerbern Fragebogen zu Themen wie Unternehmensgrösse und Angebot zugestellt. «Die Antworten wurden nicht korrekt gewichtet», sagt Frei und ergänzt: «Das Ausschreibungsverfahren war nicht ordnungsgemäss.»

Ob es das war oder nicht, wird das AGV entscheiden. Frei verlangt, dass entweder eine neue Ausschreibung korrekt von Fachleuten durchgeführt wird oder dass die bestehende Ausschreibung korrekt beurteilt wird. «So geht man nicht miteinander um», kommentiert er das Auswahlverfahren.

Wir kennen den Brief, er wurde uns von Dritten zugesandt, sagt Urs Heimgartner, Leiter Bau- und Planung der Gemeinde Wettingen. Weiter kann er sich zu dessen Inhalt nicht äussern, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. «Der Brief von Kaminfeger Frei soll der untersuchenden Behörde nicht vorenthalten werden», sagt der Wettinger Gemeindeschreiber Urs Blickenstorfer. Deshalb werde die Gemeinde den Brief der Gebäudeversicherung zustellen.