Turgi
Der Krimi um ein «Da Vinci»-Gemälde: Erbe oder Schmuggelware?

2013 tauchte ein «Da Vinci» auf, von einem Sensationsfund war die Rede. Emidia Cecchini behauptet, das Bild sei längst von ihren Vorfahren aus Turgi auf sie übergegangen. Doch nun steht die Jetsetterin vor Gericht. Der Vorwurf: Kunstschmuggel.

Pirmin Kramer
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«Das Bild befindet sich im Familienbesitz», sagt Emidia Cecchini Ex-Jetsetterin. Das Gemälde «Ritratto di Isabella d’Este» stammt womöglich von Leonardo da Vinci.

«Das Bild befindet sich im Familienbesitz», sagt Emidia Cecchini Ex-Jetsetterin. Das Gemälde «Ritratto di Isabella d’Este» stammt womöglich von Leonardo da Vinci.

ZVG/Key

Es ist die kurioseste Geschichte der vergangenen Jahre im Zusammenhang mit der Gemeinde Turgi, und sie ist noch immer ungelöst. Vor drei Jahren meldete eine italienische Zeitung, im Tresor einer Schweizer Bank sei ein Bild entdeckt worden, das gemäss Abklärungen der Besitzer-Familie von Leonardo da Vinci stamme. Und weiter: Es handle sich um eine Familie aus Turgi. Bis heute rätselt man in der kleinen Gemeinde neben Baden, welche Familie damit gemeint sein könnte.

Der Sensations-Fund schaffte es in die Zeitungen vieler Länder. Nicht nur Turgi, sondern die ganze Kunstwelt fragte sich: Handelt es sich beim Öl-Porträt, das die adlige Isabella d’Este zeigt, tatsächlich um einen echten Da Vinci? Und vor allem: Wem gehört er?

Ein halbes Jahr später wurde publik, dass das Gemälde in einem Tresorraum einer Treuhandgesellschaft in Lugano von der Polizei beschlagnahmt wurde; die italienischen Ermittler gehen davon aus, dass das Gemälde illegal aus Italien in die Schweiz geschmuggelt wurde. Die Namen der Besitzer des Bildes gaben die Ermittler aber nicht preis. Überraschend meldete sich wenige Stunden später die angebliche Besitzerin zu Wort: Die 70-jährige Emidia «Bibi» Cecchini, die aus Pesaro nahe Rimini stammt und zuletzt in Lugano wohnte. Das Bild gehöre ihr, es befinde sich seit Generationen in Familienbesitz und seit über 100 Jahren in der Schweiz. Ihr Grossvater Romeo Guerra habe ein Tabak-Depot in Turgi gehabt, später sei er mit Frau Mathilde nach St. Gallen gezogen. Allerdings erscheint der Name in keinem Namensregister der Gemeinde.

Das Bild «Ritratto di Isabella d’Este» stammt womöglich von Leonardo da Vinci. key

Das Bild «Ritratto di Isabella d’Este» stammt womöglich von Leonardo da Vinci. key

KEYSTONE

Heute, eineinhalb Jahre später, ist aus dem Kunst-Rätsel ein Justiz-Krimi geworden. Vor fünf Tagen startete die Gerichtsverhandlung in Pesaro. Der Vorwurf an Cecchini, die ehemalige Jetsetterin: Kunstschmuggel und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. «Was habe ich denn getan?», sagt sie im «Blick». «Es ist ein Schweizer Bild. Die Italiener wollen es mir wegnehmen und in ein Museum hängen.»

Sechs der berühmtesten Gemälde von Leonardo Da Vinci
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Die Felsengrottenmadonna
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Keystone

Kunsthistoriker zweifeln daran, dass es sich um einen echten Da Vinci handelt. Frank Zöllner, Kunstgeschichtsprofessor an der Universität Leipzig: «Dass das Werk kein authentisches Leonardo-Gemälde sein kann, dürfte sogar ein Student der Kunstgeschichte im Grundstudium erkennen.»

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