Baden
Der Kunstlehrstuhl der Berufsschule fördert Lernende mit dem Projekt «In Form gebracht»

Für gutes Gelingen heisst es: «Holz anfassen». Zum ersten Mal verlegt ein Künstler sein Atelier in die Schulzimmer.

Ricarda Meyer
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Lernende der BBB formen aus Holzlatten Kunstobjekte.

Lernende der BBB formen aus Holzlatten Kunstobjekte.

Zlatko Micic

An der Wendeltreppe der Schule gibt es ein neues Geländer, der Eingangsbereich ist kunstvoll dekoriert, im Schulzimmer stehen überdimensionale Tropfen in den Ecken. Auf dem gesamten Schulareal der Berufsschule Berufsbildung Baden (BBB) springen aussergewöhnliche Kunstwerke aus Holzlatten ins Auge, die Lernende in Form gebracht haben.

«In Form gebracht» – so heisst das aktuelle Projekt des Kunstlehrstuhls der BBB. Der Kunstlehrstuhl fördert seit 2011 die Auseinandersetzung der Schüler und Lehrpersonen mit Kunst. Er wird durch den «Kunst am Bau»-Kredit finanziert.

Im ganzen Kanton Aargau muss beim Bauen von öffentlichen Gebäuden ein Teil der Kosten für «Kunst am Bau» verwendet werden. An der BBB wurde dieser nicht wie üblich für Kunst am Bau eingesetzt, sondern in die Bildung investiert. In Workshops und Aktionen mit Künstlern lernen Berufslernende künstlerische Denkweisen und Arbeitsprozesse kennen.

Der Kunstlehrstuhl hat überall die Hände im Spiel

«Die Präsenz des Kunstlehrstuhls hat sich im Laufe der Jahre geändert. Bei den Lernenden und Lehrerpersonen besteht eine Neugierde. Wenn etwas auf dem Schulgelände verändert ist, wissen sie, dass der Kunstlehrstuhl seine Hände im Spiel hat», sagt Sanja Lukanovic, die seit 2015 die kuratorische Leitung übernommen hat.

Jedes Jahr plant sie Projekte, die sich in Konzept, materiellen sowie körperlichen Aspekten unterscheiden. Sie lädt Künstler ein, die für die Schule interessant sind und Lust auf die Zusammenarbeit mit Lernenden haben.

Der Basler Künstler Michel Pfister ist aktuell Gast an der Schule. Er interessiert sich in seiner künstlerischen Arbeit für räumliche Gestaltung sowie Transformation. Dabei spielen Ort und Material eine wichtige Rolle. Lukanovic wollte den Lernenden seine spannende Arbeitsweise vermitteln und hat mit dem Künstler das Projekt «in Form gebracht» auf die Beine gestellt.

Da Pfister viel mit Holz arbeitet, wählte er das ihm vertraute Material für das Projekt. Zum ersten Mal hat der geladene Künstler sein Atelier für zwölf Wochen in die Schule verlegt. Seine Türen standen pro Woche während den drei Tagen, an denen er anwesend war, für Neugierige offen. «Ich war völlig überrascht, wie motiviert und offen die Lernenden waren», sagt Pfister.

Selbst Hand anlegen

Vier Klassen der BBB haben sich nach für Workshops mit dem Künstler angemeldet. Zu Beginn ging es darum, die das Material Holz kennen zu lernen und damit zu experimentieren. Jede Gruppe bekam einen Ort auf dem Schulgelände zugeteilt und sollte dafür ein Werk erfinden. Entstandene Ideen haben die Lernenden mit kleinen Modellen veranschaulicht.

Nach gemeinsamem Besprechen mit Pfister, haben die Lernenden Modelle ausgewählt und im grossen Stil umgesetzt. «Dabei verlief nicht immer alles nach Plan. Die Schüler mussten umdenken, Ideen verwerfen und neue Lösungsansätze finden», sagt Lukanovic.

Bis zum Schluss konnten die Lernenden vorwiegend selbstständig arbeiten. Das Risiko, die Zügel aus den Händen zu geben, hat sich laut Lukanovic und Pfister eindeutig gelohnt. Ende des Workshops sind vier ortsspezifische und sieben freistehende Skulpturen entstanden. «Die entstandenen Werke haben meine Erwartungen völlig übertroffen», freut sich Pfister.

Noch bis 6. Juli werden die Werke an der Schule ausgestellt, bis sie voraussichtlich im Herbst neuen Kunstwerken weichen müssen. Ende August wird in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Kultur des Kantons Aargau ein kurzer Dokumentarfilm über das Projekt veröffentlicht.

Auch für nächstes Jahr hat Lukanovic neben mehreren kleinen ein grösseres Projekt geplant, worüber Genaueres jedoch noch nicht verraten werden soll. Ende 2019 ist der Kredit «Kunst am Bau» ausgeschöpft. «Das bedeutet eigentlich auch das offizielle Ende des Kunstlehrstuhls», bedauert Lukanovic. Das Interesse an einem Fortbestand bestehe von allen Seiten. Ob und wie die Kunstförderung finanziert werden soll, ist noch offen.

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