Baden

Der letzte Bus fährt durch die Weite Gasse – und der «Stein des Anstosses» verschwindet

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Mit dem letzten Bus, der durch die Weite Gasse gefahren ist, wurde die Hauptachse der Badener Altstadt nach Jahrzehnten vom motorisierten Verkehr befreit. Damit ist eine alte Forderung der Zunft zur Sankt Cordula erfüllt. Darum hat die Zunft ihren «Stein des Anstosses» in der Weiten Gasse eingepflastert.

In Baden fand am Wochenende eine nicht alltägliche Aktion statt: Die Zunft zur Sankt Cordula hat ihren «Stein des Anstosses» in der Nacht auf Sonntag in der Weiten Gasse eingepflastert. Um 00.28 Uhr ging eine Ära zu Ende. Der Bus der Linie 5, der ab Bahnhof Baden Richtung Baldegg losfuhr, war der letzte, der die Weite Gasse passierte. Am Bahnhof stiegen in diese letzte Fahrt aussergewöhnliche Gäste zu: Mitglieder der Zunft zur St. Cordula waren in vollem Zunftgewand bis zur Haltestelle Weite Gasse mitgefahren.

Unter fachlicher Anleitung haben die Zünfter einen Pflasterstein aus dem Strassenbelag gelöst und ihren «Stein des Anstosses» feierlich eingesetzt. Der «Stein des Anstosses» wurde in den 1980er-Jahren von den Zünftern Pierre Bühler, Heinz Rauch und Philipp Frey anlässlich ihrer Aufnahme der Zunft mit der Aufforderung überreicht, sich für die Verkehrsbefreiung der Weiten Gasse einzusetzen. Weil mündlich platzierte Forderungen bei der Stadt den Prozess nicht zu beschleunigen schienen, hatte die Zunft zur St. Cordula den Stein Mitte der 90er-Jahre in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, eingelassen in eine Metall-Stele, vor dem damaligen Reformhaus Wiedemeier aufgestellt. Mindestens für die Fussgänger war der «Stein des Anstosses» damit nicht mehr zu übersehen.

In einer Nachtaktion wurde der Stein eingesetzt.

In einer Nachtaktion wurde der Stein eingesetzt.

Den damaligen Stadtammann und Zünfter Josef Bürge haben die involvierten Zünfter nicht über die Aktion informiert. Schliesslich war er Hauptadressat der Botschaft. Bei nächster Gelegenheit hatte er sich dann auf der Zunftstube zur Errichtung geäussert. Er habe die Botschaft verstanden, fand die Aktion originell, aber etwas grenzwertig, so Bürge rückblickend. Vor allem aber kam vom Stadtammann keine Opposition: Das Ziel der verkehrsbefreiten Weiten Gasse teilten sich Zunft und Stadtverwaltung.

Zahlreiche Abhängigkeiten, wie etwa der komplette Umbau des Badener Bahnhofs mit der Busrampe am Bahnhof West oder die Sanierung des Schulhausplatzes verzögerten die Umsetzung aber um Jahrzehnte.
Nun ist das gemeinsame Ziel erreicht. Die Bilder aus den 1930er-Jahren bis heute mit einer vom Verkehr verstopften Weiten Gasse gehören definitiv der Vergangenheit an. Und der «Stein des Anstosses» bietet, sauber verbaut in der Pflästerung, nun keinen Anlass zum Anstoss mehr. (az)

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