Fislisbach
Der letzte Schwung mit dem Taktstock - Herbert Wendel beendet seine illustre Karriere als Dirigent

Herbert Wendel hat sein letztes Konzert geleitet. Der Dirigent blickt auf eine bemerkenswerte Karriere zurück.

Ursula Burgherr
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Das Abschiedskonzert von Dirigent Herbert Wendel mit der Musikgesellschaft Fislisbach
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Dirigent Herbert Wendel beendet seine Karriere und gibt ein berührendes Konzert mit der Musikgesellschaft Fislisbach (Bild ub) 9
Dirigent Herbert Wendel bei seinem allerletzten Konzert (Bild ub) 2
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Das Abschiedskonzert von Dirigent Herbert Wendel mit der Musikgesellschaft Fislisbach

Badener Tagblatt

Die St. Agatha-Kirche ist bis auf den hintersten Platz besetzt, als Herbert Wendel das letzte Mal der Musikgesellschaft Fislisbach vorsteht, um das diesjährige Adventskonzert zu dirigieren. Sobald er seinen Taktstock hebt, wird es mucksmäuschenstill im Raum. Der Kapellmeister hat für sein Finale ein anspruchsvolles Programm ausgewählt.

Bei Filmmusik zu «Gadfly» von Dimitri Shostakovitsch, Gioacchino Rossinis Ouvertüre von «L’Italiana in Algeri» oder der «Abdelazer-Suite» von Henry Purcell wird die 45-köpfige Bläser-Formation in ihrer ganzen Bandbreite gefordert.

Und sie macht ihrem Dirigenten alle Ehre. Begeistert mit ungeheurer Präzision, Dynamik und Facettenreichtum. Wendel steuert seine Mannschaft souverän und übersichtig. Bei gewissen Passagen lächelt er, und es ist deutlich spürbar, dass er voll in seinem Element ist.

«Musik muss Freude machen»

Wendel wohnt in Bellikon und dirigiert seit 1972. Dass er jetzt endgültig mit seiner grossen Leidenschaft aufhören will und die Leitung der Musikgesellschaft Fislisbach an Urs Heri übergibt, ist eigentlich gar nicht vorstellbar.

«Ich bin jetzt 65 und will einmal ohne Termine leben», sagt der Mann, der die Blasmusik im Kanton Aargau wesentlich mitgeprägt hat. Er fühlt sich noch topfit, möchte reisen, mit seiner Frau Rita biken und mehr Zeit mit seinen vier Enkeln verbringen.

Wenn er dann von seiner Vergangenheit erzählt, sprudelt es nur so aus ihm heraus.

Der Mann machte nicht nur Musik, er lebte sie. Wendel war Gründer der Musikschule Dottikon und leitete ein Vierteljahrhundert lang die Musikschule Bremgarten. Für beide Betriebe war Wendel ein wahrer Glücksfall.

Ehemalige Schüler sagen, dass es kaum einen besseren Motivator als ihn gebe. «Musik muss Freude machen», ist bis heute die Devise des gebürtigen Künteners.

Sein grosses Anliegen besteht seit jeher darin, den Nachwuchs an die Blasmusik heranzuführen. «Ohne Jugend gibt es keine Zukunft», ist sich Wendel gewiss. Er unternahm immer alles, um die heranwachsende Generation im Instrumentalunterricht zu fördern.

Gleichzeitig forderte er auch und holte das Beste aus jedem seiner Schülerinnen und Schüler heraus. Nicht nur die Musikgesellschaft Fislisbach, der er seit 2009 vorstand, brachte er zu bravourösen Leistungen.

Mit der Brass Band Künten erreichte er stets Höchstnoten an kantonalen und eidgenössischen Musikfesten.

Wendel wurde von der Ortsbürgergemeinde Bremgarten für seine Jugendförderung ausgezeichnet, ist Träger der goldenen Ehrennadel vom Aargauischen Musikverband und erhielt den Status als Ehrendirigent der Musikgesellschaften Künten, Bremgarten und Fislisbach, bei denen er den Taktstock schwang.

Ganz am Schluss des Konzertes mit der Musikgesellschaft Fislisbach in der katholischen Kirche St. Agatha spielt auch Herbert Wendels Enkel Dian an der Posaune mit. Ein berührendes Finale für den Orchestervorsteher.

Weiterdirigieren könnte er jederzeit: «Ich habe unzählige Anfragen», verrät er und seine blauen Augen blitzen. Dennoch: Einen Rücktritt vom Rücktritt wird es so schnell wahrscheinlich nicht geben.