Baden
Der Mann, der in den Ferien lieber Steine balanciert

Ibrahim Isbilir türmt am Limmatufer einen Stein auf den anderen: Weil es ihm gefällt und er mit den Skulpturen Freude bereiten will.

Drucken
Teilen
Seit rund fünf Jahren geht Ibrahim Isbilir in den Sommerferien seinem Hobby nach: Steine aufeinanderlegen.

Seit rund fünf Jahren geht Ibrahim Isbilir in den Sommerferien seinem Hobby nach: Steine aufeinanderlegen.

Carla Stampfli

Wer an der Limmatpromenade beim Tränenbrünneli auf das Wasser blickt, hat die Skulpturen vielleicht bereits entdeckt: Hunderte von Steinen liegen am Ufer, einer über den anderen getürmt. Inmitten kniet Ibrahim Isbilir. Der Türke, der seit 1993 in der Schweiz lebt und heute in Birmenstorf wohnt, schnappt sich einen Stein, wäscht ihn im Wasser und legt ihn mit der Spitze auf die trockene Uferstelle. Dann holt er einen zweiten Stein und platziert ihn darauf. Isbilir runzelt die Stirn, versucht, das perfekte Gleichgewicht zu finden. Nach wenigen Minuten steht die Skulptur. Er lächelt. «Das Wichtigste ist, eine ruhige Hand zu haben», sagt der 38-Jährige.

Während die einen in den Sommerferien in den Süden fahren, zieht er es vor, an der Limmat oder am Zürichsee Steine zu balancieren. «Es macht mir Spass. Gleichzeitig kommt mein Körper zur Ruhe», sagt Isbilir, der normalerweise auf der Baustelle arbeitet. Ein bisschen tut er es auch den Passanten wegen: «Ich finde es schön, wenn ich den Leuten dadurch eine Freude bereiten kann.» Tatsächlich ziehen die Skulpturen die Aufmerksamkeit auf sich. Die Passanten bleiben stehen, zücken ihr Smartphone und machen Fotos. «Man sieht, dass hier sehr viel Gefühl dahintersteckt. Es sieht wunderbar aus», sagt eine Frau begeistert.

Viele Kollegen wissen von nichts

Seit rund fünf Jahren geht Ibrahim Isbilir dem Ferienhobby nach, jeweils im Sommer, wenn das Wasser tief steht. Inspiriert hat ihn ein Steinbalancekünstler in Zürich. Nachdem er dessen Werk gesehen hatte, übte er so lange, bis auch er die Steine übereinander türmen konnte. «Viele meiner Freunde wissen gar nicht, dass ich das mache», sagt er mit einem Schmunzeln. So auch Kollege Toni: «Ich habe mich mehrmals gefragt, wer die Steinskulpturen macht. Als ich Ibrahim am Ufer gesehen habe, war ich doch sehr überrascht.»

Am Dienstag hat Isbilir begonnen, Steine aufeinanderzulegen – bis heute hat die Limmat die Skulpturen nicht weggespült. Sollte es doch geschehen, dann «suche ich mir ein anderes Plätzchen, entweder weiter oben oder weiter unten».