Montagsporträt
Der Mann mit dem Löwenherzen

Hans Hofmann ist der ältere Bruder von Regierungsrat Urs Hofmann. Die grosse Gabe des 70-Jährigen ist es, in allen Menschen das Gute zu sehen und zu fördern.

Ursula Burgherr
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Hans Hofmann gönnt sich eine ruhige Minute bei sich zu Hause in Baden. Ruhestand kommt für ihn nicht infrage: Neben Sport liegt ihm auch die Freiwilligenarbeit am Herzen. Sandra Ardizzone

Hans Hofmann gönnt sich eine ruhige Minute bei sich zu Hause in Baden. Ruhestand kommt für ihn nicht infrage: Neben Sport liegt ihm auch die Freiwilligenarbeit am Herzen. Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

«Der Löwe brüllt vom Martinsberg», stand in der Einladung von Hans Hofmann zur Feier seines 70. Geburtstags in seiner Heimatstadt Baden. Ähnlichkeiten mit einem Raubtier hat der gerade mal 1,62 Meter grosse Mann mit schütterem Haarwuchs und dem gütigen Gesichtsausdruck kaum. Aber seine Augen funkeln hellwach und punkto Mut und Entschlossenheit hat er das Herz eines Löwen. Als Leiter Human Resources im IBM Forschungslabor setzte er auf Eigenverantwortung und führte als Erstes die freie Arbeitszeit ein. «Jeder sollte so lange arbeiten, wie er wollte», meint Hans Hofmann rückblickend. Die Chefetage hatte Bedenken. Und was passierte? «Die Leute waren motivierter denn je, weil sie sich frei fühlten.»

Aus dem Familienalbum Hans Hofmann mit seiner Mutter Lydia und seinem kleineren Bruder Urs. zvg

Aus dem Familienalbum Hans Hofmann mit seiner Mutter Lydia und seinem kleineren Bruder Urs. zvg

Zur Verfügung gestellt

Als Hofmann das neue Arbeitsmodell im Mutterhaus in Amerika vorführte, zeigte er ein Bild vom Matterhorn mit dem Kommentar: «Den Gipfel kann man nicht alleine besteigen, sondern nur als gutes Team, in dem alle einander respektieren.» Die Stärken der Menschen fördern, statt auf den Schwächen herumzureiten, immer vom Guten auszugehen als vom Schlechten, war schon immer die Devise von HSG-Absolvent Hofmann; auch als er die Personalabteilung der ETH Zürich aufbaute und leitete und später bei der CS Fides Personalchef von 1200 Angestellten war. «Wer seine Mitarbeiter respektiert und ihnen die Möglichkeit gibt, sich zu entwickeln, sorgt für ein gutes Arbeitsklima. Das wirkt sich positiv auf deren Leistungen aus und kommt schlussendlich dem gesamten Unternehmen zugute», sagt der Menschenfreund und Optimist über seinen Führungsstil. Und fügt hinzu: «Leider wird das Personal in vielen Firmen viel zu wenig wertgeschätzt. Nur die Rendite zählt.»

Der grosse Bruder war Vorbild für Regierungsrat Urs Hofmann

Ruhestand kommt für den 70-Jährigen, der sechsmal in der Woche Sport macht – «mein Lieblingsort ist das Terrassenschwimmbad Baden»–, nicht infrage. Hans Hofmann begleitet Studenten bei ihren Masterarbeiten an verschiedenen Fachhochschulen. Freiwilligenarbeit liegt dem gebürtigen Aarauer am Herzen. Er war jahrelang Präsident der Behindertensportgruppe Baden. «Ich wünschte mir, mehr Leute würden sich ehrenamtlich einsetzen. Es gäbe so viele wichtige und sinnvolle Aufgaben in der Gesellschaft – gerade auch für Pensionäre», meint Hofmann.

Er redet gerne und viel, wählt aber seine Worte sorgfältig und bewusst. Ideale Voraussetzungen für einen Politiker. Doch die Karriere hat in diesem Bereich sein zehn Jahre jüngerer Bruder Urs Hofmann gemacht. Der Regierungsrat, der in seinem Amt gerade wieder bestätigt wurde, beschreibt den kommunikativen und stets für das Wohl seiner Mitmenschen besorgten Hans als Motivator für seine Karriere.

Der Nachwuchs tickt
ganz anders

An den Wänden in Hans Hofmanns schlicht eingerichtetem Haus auf dem Martinsberg in Baden hängen Fotos von Frau Anita und seinen beiden Kindern Simona und Andi. Beide haben eine Künstlerlaufbahn eingeschlagen. Simona besuchte nach einer Ausbildung zur Bewegungspädagogin die Dimitri-Schule und ist heute mit dem Kinderzirkus Balloni und ihrem eigenen Kinder- und Jugendtheater «Lampefieber» sehr erfolgreich unterwegs. Andi, der die Petition für die Erhaltung des Kulturbetriebs Royal in Baden initiierte, hat sich als «King of Trash» mit schrägen Filmproduktionen und Performances einen Namen gemacht. Der ausgebildete Primarlehrer schenkte seinen Eltern Enkelin Lorena. Es ist offensichtlich, wie stolz Hans Hofmann auf seinen Nachwuchs ist, auch wenn dieser ganz anders tickt als er. «Wir haben unseren Sprösslingen immer den Freiraum gelassen, das zu tun, was sie wirklich wollen. Und stehen bis heute voll hinter ihnen», erzählt Hans Hofmann.

Wer wünschte sich nicht, einen solchen Vater zu haben? Die Lebensziele des «Löwen vom Martinsberg» sind klar gesteckt: «Gesund bleiben und noch möglichst vielen Menschen helfen, dass sie sich weiterentwickeln können. Mehr brauche ich nicht, um glücklich zu sein.»

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