Zuerst zeigte sich die Witterung am Mellinger Floh- und Antiquitätenmarkt von seiner garstigen Seite. Ab dem Mittag hörte es auf zu regnen, was schlagartig für mehr Leben in den Gassen sorgte.

«Wir haben ein altes Hasenstall-Modell erstanden», sagen Jacqueline Haas und Roland Müller, die aus Burg an den Mellinger Floh- und Antiquitätenmarkt gereist waren. Auch einen alten Schal, einen Krug mit Gläsern und einen Korb für Blumen haben sie erobert. Sie stehen bereits beim nächsten Stand, an dem antike Schreibmaschinen, Telefone und Uhren verkauft werden. Denn nach Uhren halten die beiden an solchen Märkten immer wieder Ausschau.

Eine Schreibmaschine von anno 1920

Lisa Leutner aus dem Schwarzwald gönnt sich eine Special AEG-Schreibmaschine, die ab 1920 in den Handel kam. Bei diesem Modell muss erst mittels eines Zeigers der Buchstabe auf dem Tableau angetippt werden. Durch eine gekoppelte Mechanik stellt sich die Typenwalze mit dem entsprechenden Zeichen über das Papier. Damit der Buchstabe schlussendlich aufs Blatt gelangt, muss noch die Abdrucktaste betätigt werden. «Ich werde das auf jeden Fall zu Hause ausprobieren», sagt sie erwartungsvoll.

Ein Schnäppchen der anderen Art machte die 9-jährige Stefanie. Sie hat ein riesengrosses Dinosaurier-Bilderbuch ergattert, das sie sogar um zwei Franken «herunter gemärtet» hat. Sie selber hat auch einen Verkaufstisch, auf dem sie Spielsachen feil hält, die sie nicht mehr braucht.

Rostiges und Witziges

An den vielen Ständen in der Mellinger Altstadt dürfte für jeden Geschmack etwas dabei gewesen sein. Nebst Schmuck, Kleidern, Hüten, Geschirr, Uhren, Militärartikeln, Nipp- und Spielsachen wurden auch alte Schlüssel und rostige Handwerkzeuge angeboten. Aber auch Küchengeräte, kleine Petrolöfen und sogar ein Heimaltar warteten auf Käufer. Selbstverständlich war auch für das leibliche Wohl gesorgt.

Am Morgen zeigten sich die Besucher noch nicht allzu kauffreudig, das änderte sich am Nachmittag, als der Himmel aufklarte. «Ich komme seit vier Jahren an den Markt», sagt Marktfahrerin Elisabeth Moser aus Zürich. Am Frühlingsmarkt habe sie einen guten Umsatz erzielt, heute sei es harzig angelaufen. Dass es verkaufsmässig nicht ganz nach Wunsch lief, hörte man da und dort. Ganz allgemein sei das Interesse an antiken Gegenständen nicht mehr so gross wie noch vor zehn Jahren. Doch ans Aufhören denkt ein eingefleischter Marktfahrer deshalb noch lange nicht.