Eine Fläche von höchstens 16 Quadratmetern, darauf ein Bühnenbild, darunter Räder: «Thespiskarren» hatten die alten Griechen es genannt und darauf Theater gespielt. Solches tut nun seit bald 70 Jahren jeden zweiten Sommer die «Badener Maske», deren Markenzeichen seit eh und je der Thespiskarren ist. Begonnen hatte es an der Badenfahrt 1947 auf Initiative des Grafikers Martin Gebhart. Dessen Nichte Barbara Gebhart zieht nunmehr seit vielen Jahren als Präsidentin und Darstellerin mit Leidenschaft am Thespiskarren.

Seit März wird geprobt

Viele Jahre lang hatte die «Badener Maske» ihre Saisonpremiere jeweils «off Broadway» in der Ostschweiz, inklusive anschliessender kleiner Tournee in jener Region. «Diesmal spielen wir zum ersten Mal nur im Aargau. Die Belastung durch die Organisation und Finanzierung der Gastspiele in der Ostschweiz ist zu gross geworden», so Gebhart. An den Aufführungen ist die «Badener Maske» ganz und gar auf die Spendierfreudigkeit der Zuschauer angewiesen: «Durchschnittlich sitzen zwischen 80 und 100 Leute im Publikum, doch die Hutkollekte nach der Vorstellung fällt selten beachtlich aus.» Umso glücklicher schätzt sich Gebhart, dass ihr «bewegtes» Theater auf treue Sponsoren zählen kann.

Denn der schnöde Mammon ist auch für die «Badener Maske» nötig, aber letztlich nicht massgeblich. Seit März nun wird für die neue Produktion - die Komödie «Sganarell» von Molière - geprobt, seit mehreren Tagen auf dem Thespiskarren. Der steht, für den Proben-Endspurt vor seinem Winterquartier, einer Remise in Ehrendingen. Am kommenden Freitagabend wird «Sganarell» auf dem Badener Kirchplatz Premiere haben. Regie führt zum ersten Mal Walter Millns. In England geboren, bei Olten aufgewachsen und seit langem in Schaffhausen wohnhaft, arbeitet der 51-Jährige regelmässig mit Laien und schreibt daneben Krimis, Komödien und Kurzgeschichten. Er hat «Sganarell» ins Schweizerdeutsche übertragen und für den «Thespiskarren» bearbeitet.

«Wir hoffen auf eine saftige Kussszene»

Drei Frauen und fünf Männer verkörpern die Figuren. «Bei der Besetzung hatten uns zunächst die jungen Liebenden gefehlt, aber Herumhorchen in der Laientheater-Szene brachte Erfolg», so Gebhart. Die 24-jährige Corinne Soland aus Wettingen, Studentin der angewandten Linguistik, hat schon oft auf Bühnen gestanden, auch in verschiedenen Musicals. Der 19-jährige Patrick Zumsteg aus Lengnau, der nächstes Jahr an der Kanti Wettingen die Matur machen wird, hatte unter anderem letztes Jahr in Böbikon als Tells Sohn Walterli geglänzt. Die Beiden haben den Plausch an den Proben auf dem Thespiskarren und an ihren Rollen: «Als Verliebte sind wir vorwiegend am Zoffen, aber wir hoffen noch - bis zur Premiere - auf eine saftige Kussszene», gesteht Corinne augenzwinkernd.

Für die musikalische Umrahmung der turbulenten Komödie sorgen Urs Koller auf einer irischen Bouzouki, seine Frau Ursula mit verschiedenen Schlag- und Rhythmusinstrumenten sowie die Berufsmusikerin Sonja Marti, die sich extra eine elektrische Violine angeschafft hat. Ursula Koller ist auch für Grafik, Kostüme und Kulisse verantwortlich. Dazu gesellen sich Maskenbildnerin Helena Florin, Techniker Pascal Hablützel, Thespiskarren-Fahrer Martin Schmückle und Werner Lüthi. Letzterer sorgt, zusammen mit seiner Frau Yvonne, auch für das leibliche Wohl der Truppe und den Barbetrieb an den Aufführungsabenden.

Weitere Informationen zu den Vorstellungen von «Sganarell»: www.badenermaske.ch