Sichelschrecke, Himmelblauer Bläuling oder Turmschnecke: Am Badener Schartenfels sind seltene Tierarten keine Seltenheit. Diese treffen in den Felsspalten sowie auf den Trockenwiesen ideale Lebensräume an. «Einen ökologischen Hotspot» nennt Georg Schoop, Leiter Abteilung Stadtökologie, diese Gegend denn auch. «Auf einer kleinen Fläche findet sich eine grosse Vielfalt an Lebensräumen, Pflanzen und Tieren.» Kein Zufall also, dass die Umsetzung des neuen Richtplans Natur und Landschaft auf dem Schartenfels beginnt.

Interview mit Corinne Schmidlin von der Stadtökologie Baden

Interview mit Corinne Schmidlin von der Stadtökologie Baden

Würde das Gebiet der Natur überlassen, hätte das sichtbare Folgen: «Der Wald würde sich schnell ausbreiten und die Vielfalt der Lebensräume bedrohen», sagt Schoop. Deshalb sind regelmässige Arbeiten unvermeidlich: «Die Gebiete werden einmal jährlich gepflegt.» Doch damit sie sich auch weiterentwickeln können, müsse darüber hinaus von Zeit zu Zeit ein Schwerpunkt der Pflege gesetzt werden.

Einsatz am Abgrund

Im Falle des Schartenfels bedarf es dazu einer Reihe von Massnahmen, die nun in Angriff genommen werden. Bis Weihnachten stehen deshalb Mitarbeiter des Stadtforstamtes hoch über der Stadt Baden im Einsatz. Auf dem steilen rund zwei Hektaren grossen Gelände ist viel Handarbeit nötig; an besonders exponierten Stellen ist dazu auch schon mal eine Sicherung vonnöten. Unter anderem müssen in den kommenden Wochen verschiedene Sträucher entfernt werden, weil ihre Blätter sonst den Wiesen zu viele Nährstoffe liefern. «Auf diese Weise können sich Trockenrasen und -wiesen besser ausdehnen», sagt Projektleiterin Corinne Schmidlin. Denn die Pflanzen und Tiere sind auf die besonderen Eigenschaften des felsigen und kalkhaltigen Geländes angewiesen: Wenig Nährstoffe, Trockenheit und viel Sonne.

Der Kampf mit den Neophyten

Die Neophyten machen auch vor dem Schartenfels nicht Halt. Die Pflanzen, die natürlicherweise nicht im Gebiet vorkommen, sondern eingeschleppt wurden, müssen entsorgt werden: «Sie verdrängen Pflanzenarten, die wertvoller sind», sagt Corinne Schmidlin. Ausserdem seien sie sehr vital und breiteten sich deshalb rasch aus. Einer der Ursachen für die Verbreitung von Neophyten am Schartenfels soll – als vierter Teil des Massnahmepakets – entgegengetreten werden: Den Gartenabfällen. Die Quartierbewohner werden darüber informiert, welche negativen Auswirkungen die Grünabfälle auf die Pflanzen– und Tierwelt haben können. Denn diese fördern nicht nur die Ausbreitung unliebsamer Pflanzen, sondern geben dem Boden auch zu viele Nährstoffe ab, wodurch sich die Eigenschaften des Bodens auf dem Felsgebiet verändern.

Geplant ist zudem, die Spaziergänger besser zu leiten, damit die empfindlichen Wiesen nicht durch Betreten zerstört werden.

Schwerpunkt auf zwei Extremen

Im nächsten Jahr ist die Umgebung um Schloss Stein an der Reihe. Bis ins Jahr 2020 folgen unter anderem der Grat Martinsberg, der Quelltümpel Täfernwald oder der Weiher Baldegg, der als Laichgewässer dient– und bereits seltene Amphibienarten angelockt hat. «Die Schwerpunkte des Richtplans liegen auf den beiden Extremen Feucht- und Trockengebiete», sagt Schmidlin. Weitere Infos zum Schartenfels liefert die Tafel Nummer 15 des Audioguides Baden, die auf dem Weg zur Lägern steht.