Stefan Häusermann, Einwohnerrat (Grüne): «Wir hatten uns als einzige Partei gegen das Schulhausplatzprojekt gewehrt. Wie sich nun zeigt, waren all unsere Befürchtungen gerechtfertigt. Für kaum einen Verkehrsteilnehmer – weder für Velofahrer noch für Autofahrer –  hat sich die Situation verbessert. Im Gegenteil: Für Velofahrer ist die Fahrt über die Kreuzung gar noch gefährlicher als vor der Sanierung. Denn wer vom Schlossbergtunnel in Richtung Wettingen fährt, muss zwei Spuren überqueren. Weniger Stau, davon bin ich überzeugt, wird es für die Autofahrer nicht geben. Der Verkehr nimmt ständig zu, und spätestens in zwei Jahren wird es wieder so lange Wartezeiten geben wie früher. Für die Busse wird es dank der Tunnels eine Verbesserung geben – allerdings nur stadtauswärts. Auch für die Fussgänger verbessert sich die Situation. Immerhin: Die Cordulapassage kommt schön und hell daher. Insgesamt aber hat sich die Investition von fast 100 Millionen Franken nicht gelohnt.

Roland Wunderli, Geschäftsführer der Badener Taxi AG: «Ich bin positiv überrascht. Wir hatten befürchtet, dass sich nicht viel ändert und wir die Kreuzung trotz der Sanierung nicht schneller überqueren können als früher. Doch nun haben wir erfreut festgestellt, dass die Fahrt durch die Stadt und über den Schulhausplatz weniger lange dauert als vor der Sanierung. Vor allem stadteinwärts geht es schneller vorwärts. Natürlich hoffen wir, dass dies so bleibt.»

Sandra Kohler, Stadträtin (parteilos): «Mir gefällt der neue Schulhauplatz.

Die Cordula-Passage ist hell und grosszügig. Der Platz mit den Stufen lädt zum Verweilen ein und ich hoffe, die Badenerinnen und Badener nehmen den Platz in Beschlag. Aus verkehrstechnischer Sicht scheint er zu funktionieren. Einige Kritikpunkte sind ja bereits bekannt, an denen muss man jetzt noch arbeiten.»

Martin Keller (SVP), Grossrat aus Obersiggenthal und Mitglied der kantonalen Kommission für Umwelt, Bau, Verkehr, Energie, Raumordnung: «Die Investition hat sich gelohnt. Die Kreuzung war in keinem guten Zustand mehr, mindestens eine Sanierung war zwingend notwendig. Hätten wir den Schulhausplatz nur instand gestellt, hätte das rund zwei Drittel der 95 Millionen Franken gekostet, die nun für den Umbau verwendet wurden. Nun stehen uns aber zwei Bustunnels sowie eine zusätzliche Spur für Autos in Richtung Zentrum zur Verfügung. Die Polemik um die angeblich zu engen Fahrspuren im Tunnel verstehe ich nicht.

 Wenn man knapp versetzt hintereinander fährt, gibt es keinerlei Probleme. Einverstanden bin ich mit der Kritik, die Kapazität habe sich nicht erhöht und die Fahrt über die Kreuzung gehe nicht wesentlich schneller als früher. Mein Vorschlag in der kantonalen Verkehrskommission lautete bekanntlich, eine Brücke für Autos zu erstellen, ab Schlossbergtunnel in Richtung Zürich bis zum Ländlischulhaus. Doch leider hatten hierfür weder der damals zuständige Regierungsrat Peter Beyeler noch die Stadt Baden ein Gehör.

Jürg Caflisch, Präsident VCS Sektion Aargau: «Die Kosten von 100 Millionen Franken stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Dass Fussgänger durch eine unterirdische Passage geführt werden, die Autos hingegen oben fahren dürfen, finde ich nach wie vor ein No-Go. Unverständlich, dass im Jahr 2018 noch so gebaut wird.»

Iva Marelli, Einwohnerrätin (Team Baden): «Für mich als Velofahrerin gibt es noch viel Verbesserungspotenzial. Wer mit dem Velo aus der Weiten Gasse abbiegt, muss sehr lange warten, bis die Ampel endlich auf Grün stellt. Die lange Wartezeit führt dazu, dass viele Velofahrer schon bei Rot losfahren, wie ich mehrfach beobachtet habe. Ich hoffe, die Lichtsignalanlage wird noch justiert. Ebenfalls nicht ideal ist die Situation bei der Bushaltestelle Linde, wo sich Fussgänger und Velofahrer in die Quere kommen.»

Stephan Attiger (FDP, Baden), Regierungsrat: «Die Investitionssumme von knapp 100 Millionen Franken ist insofern zu relativieren, dass ein Grossteil davon für ohnehin notwendige Sanierungsarbeiten eingesetzt wurde. In die eigentliche Neugestaltung des Schulhausplatzes ist nur ein Teil der Summe geflossen. Das Zentrumsprojekt ist zudem noch nicht abgeschlossen. Zum Beispiel kann der Bustunnel erst ab Frühjahr 2019 durch die RVBW genutzt werden, weil vorher das private Bauprojekt an der Bahnhofstrasse 7 mit der dazugehörigen RVBW-Bushaltestelle fertig gebaut werden muss.

Das Ziel des Projekts war nicht in erster Linie eine Verkehrssanierung für weniger Verkehr, sondern die Aufwertung des Stadtraums rund um den Schulhausplatz. Das haben wir sicher erreicht, das Zentrum ist attraktiver geworden. Aus verkehrstechnischer Sicht muss man die Neugestaltung des Schulhausplatzes als Teil des Verkehrsmanagements Baden-Wettingen betrachten.

Dieses setzen wir unter dem Projekt «Baden Zentrum» um, das neben dem Schulhausplatz weitere Vorhaben beinhaltet: die bereits abgeschlossene Neugestaltung der äusseren Mellingerstrasse, die Sanierung des Schlossbergtunnels, die Sanierungsmassnahmen am Brückenkopf Ost sowie das Projekt Schadenmühle mit der Neugestaltung eines Teils der inneren Mellingerstrasse. Langfristig versuchen wir das überdurchschnittliche Verkehrswachstum im Raum Baden mit dem regionalen Gesamtverkehrskonzept Ostaargau Oase zu bewältigen.»