Baden
Der Orientierungslauf: Trotz hoher Bekanntheit ist er kein Zuschauersport

Am Samstag um 11 Uhr geht der 60. Badener Orientierungslauf über die Bühne. Die Organisatoren erwarten rund 500 Läufer. Die Sportart, die wegen den WM-Madaillen von Simone Niggli-Luder an Bekanntheit gewann, hat sich in den Jahren stark verändert.

Jérôme Jacky
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1978: Läufer knipsen an einem OL-Posten Lochkarten.

1978: Läufer knipsen an einem OL-Posten Lochkarten.

zvg/Leonhard Suter

Nach 2013 organisiert die Orientierungslaufgruppe Cordoba (OLG Cordoba) den Badener Orientierungslauf (OL) bereits zum zweiten Mal in Eigenregie. Dass dieser OL von einem OL-Verein durchgeführt wird, ist jedoch erst seit Kurzem so: «Bis vor zwei Jahren wurde der Badener Orientierungslauf vom Kreisturnverband auf die Beine gestellt», erklärt Leonhard Suter, Präsident der OLG Cordoba.

Der Verein sei aber seit seiner Gründung 1973 – Suter war Gründungsmitglied – im technischen Bereich involviert gewesen. «Wir haben jeweils die Bahnlegung geplant sowie die Karten geliefert», sagt Suter. Vor zwei Jahren hätte man dann die Organisation des Laufes gänzlich übernommen.

Vom Team- zum Einzelsport

Der Orientierungslauf entwickelte sich erst in den 60er-Jahren zum Einzelsport. Bis dahin lief man im OL hauptsächlich in Gruppen. «Die Disziplin war in vielen Sportvereinen wie Turnvereinen, Leichtathletikverbänden, bei der Pfadi und den Naturfreunden ein Zweitsport, der nebenbei betrieben wurde», sagt Suter. Auch verwandt mit dem OL ist der Patroullienlauf beim Militär. Heute gibt es hingegen eigene Vereine, in denen sich OL-Läufer organisieren. «OL ist heute bis auf den Staffellauf ein Einzelsport», sagt Suter.

Im Laufe der Zeit gab es Veränderungen: Die grössten Entwicklungen gab es beim Kartenmaterial. Früher hat man Karten der Landestopografie verwendet. Diese wurden von speziellen OL-Karten abgelöst. Die Rechte dieser Karten würden bei den Vereinen liegen: «Die OLG Cordoba hat die Kartenrechte für 75 Quadratkilometer», sagt Suter.

Während früher das Erstellen der OL-Karten hauptsächlich Handarbeit war, kommt heute immer mehr der Computer zum Einsatz. Trotzdem müsse man vor jedem Lauf den Wald rekognoszieren, um Positionen von Posten in die Karte einzutragen und Veränderungen der Umwelt festzuhalten. «Eine OL-Karte des Mittellands ist nach fünf Jahren veraltet, da sich die Vegetation stark verändert», hält der Präsident der OLG fest.

Auch die Lochkarten, die an den Posten geknipst werden mussten, sind Geschichte: Seit Mitte der 90er-Jahre wird elektronisch erfasst, ob jemand einen Posten passierte oder nicht. «In der Sportart hat sich fast alles digitalisiert – ausser der Karte und dem Kompass», hält Suter fest.

«Orientierungslaufveranstaltungen können nicht mit Turn- oder Schwingfesten verglichen werden», sagt Suter. OL sei kein Zuschauersport. Trotzdem sei die Sportart ins Bewusstsein der Bevölkerung gekommen: «Durch die Medaillengewinne von Simone Niggli-Luder wissen die Leute, was OL ist», sagt er.

Rund 500 Läufer werden erwartet

Die Organisatoren des 60. Badener Orientierungslaufs erwarten rund 500 Teilnehmer. «Wir rechnen mit mehr Läufer als in anderen Jahren, da im selben Wald gerannt wird wie am Weltcup 2013 – im Tüüfelschäller», sagt Suter. An der Veranstaltung gibt es für fast jeden eine Kategorie: Neben den typischen Leistungsläufen gibt es auch Familienkategorien. Für OL-Anfänger gibt es an diesem OL spezielle Bahnen: Ruth Humbel, Nationalrätin und fünffache Schweizermeisterin im Orientierungslauf führt Anfänger in die OL-Welt ein.

Einführung in den OL-Sport: Mit Ruth Humbel; Samstag, 11:30 Uhr; Turnhalle Tannegg in Baden

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