Ennetbaden

Der Ortskern rund um den Postplatz soll endlich wieder aufleben

Der Wille zum Neustart ist da, aber die Ansiedlung von Gastronomie und Gewerbe braucht Zeit: Der Ennetbadener Gemeindeammann Pius Graf beim Augenschein am Postplatz.

Der Wille zum Neustart ist da, aber die Ansiedlung von Gastronomie und Gewerbe braucht Zeit: Der Ennetbadener Gemeindeammann Pius Graf beim Augenschein am Postplatz.

Mit dem Umzug des Vereins Ennetraum ins Hotel Post könnte in Ennetbaden der Startschuss für ein aufblühendes Zentrum fallen. Gemeindeammann Pius Graf erläutert das Vorhaben.

Das Zentrum von Ennetbaden soll wieder lebendiger werden. Das ist ein alter Wunsch, der jetzt bald in Erfüllung gehen könnte. Die Ennetbadenerinnen und Ennetbadener stimmen an der Herbstgemeindeversammlung am nächsten Donnerstag über einen Kredit und einen Beitrag ab, mit dem der Verein Ennetraum in das ehemalige Hotel Post am Postplatz ziehen soll. Das soll der Startschuss sein für ein aufblühendes Ortszentrum.

«Wir würden uns sehr freuen, wenn diese Idee umgesetzt wird», sagt Gemeindeammann Pius Graf (SP) bei einem Augenschein am Postplatz. Zwar habe der «Ennetraum» viel Charme an seinem jetzigen Standort im ehemaligen Kindergarten am Gärtnerweg. «Aber am neuen Ort hätte der Verein mehr Platz und mehr Möglichkeiten.»

Hinzu kommt, dass der Kindergarten bald als Provisorium gebraucht wird, weil Ennetbaden nächstes Jahr ein neues Schulhaus baut. Der vorgelegte Kredit beläuft sich auf 300 000 Franken für den Umbau plus wiederkehrende Miete und Betriebsbeiträge. Der Verein Ennetraum hat rund 130 Mitglieder und ist ein Musterbeispiel dafür, wie aus der Bevölkerung heraus etwas Gutes für eine Gemeinde entsteht.

Seit 2012 engagieren sich zahlreiche Helferinnen und Helfer ehrenamtlich mit einem umfangreichen Programm für alle Generationen im Dorf. Es reicht von Bastelkursen über Musikveranstaltungen, Filmabende, Fitness- und Tanzkurse bis zu Spielenachmittagen und einem Café. Fast täglich gibt es Veranstaltungen.

Nach dem Verkehrskollaps kam die grosse Leere

Der Verein hat für den neuen Standort ein vielversprechendes Betriebskonzept erarbeitet. Im Hotel Post könnten bis zu drei Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden und neues Leben auch auf den oft etwas trostlosen Postplatz bringen. Das ist dringend nötig. Es gab Zeiten, da hatte Ennetbaden drei Bäckereien, Metzgereien, Lebensmittelläden, ein Dutzend Hotels und ebenso viele Restaurants und Cafés.

Das war in der letzten Blütezeit der Grossen und Kleinen Bäder um 1900. Mit dem aufkommenden Autoverkehr und den zunehmenden Staus verschwand im Laufe des 20. Jahrhunderts ein Betrieb nach dem anderen. Heute gibt es im Zentrum immerhin noch die Bäckerei und das Café Prestige, das Restaurant Sonne, das «Tajmahal», das Bistro Hirsch und seit letztem Jahr die neue Brasserie Schwanen.

Abgesehen davon, sind aber sämtliche Geschäfte aus Ennetbaden verschwunden. Daran änderte auch der neue, 2006 eröffnete Umfahrungstunnel nichts. Oft hört man, es «tötele» rund um den Postplatz. Zwar hat sich der für fünf Millionen Franken neugestaltete Platz für Feste und Feiern bewährt, aber an normalen Tagen ist hier tagsüber kaum etwas los, es ist vor allem ein Durchgangsort.

«Es ist völlig klar, dass wir eine Generation lang Zeit brauchen, um unser Zentrum wieder zu beleben», sagt Graf. «Seit 50 oder 60 Jahren ist hier ein Betrieb nach dem anderen verschwunden wegen des Verkehrs.» Mit der Neugestaltung des «Schwanen», die durch den Umzug des Hauptsitzes des Ingenieurbüros Gähler und Partner ermöglicht wurde, sei schon viel Positives passiert.

Das Ingenieurbüro ist mit 120 Angestellten der grösste Arbeitgeber im Dorf und hat am Standort des ehemaligen Café Schief seinen neuen Hauptsitz gebaut, nachdem dieser jahrelang im ehemaligen Badhotel Schwanen untergebracht war.

«Die Bäder als Ganzes denken»

«Wir müssen die Bäder als Ganzes denken», sagt Pius Graf, der auch Präsident des neuen Bädervereins ist. «Wir wollen auch auf der Ennetbadener Seite städtisch bauen. Wir sind hier eigentlich mitten in der Innenstadt.» Um diesen Gedanken zu fördern, verlangt die neue Bauordnung in sämtlichen Neubauten eine Erdgeschosshöhe von vier Metern, um Gastronomie und Gewerbe anzusiedeln.

Die Hoffnung der Ennetbadener ist schon lange, dass mit dem Neubau des Thermalbads auch die Kleinen Bäder wieder belebt werden. Das rückt jetzt in Griffnähe, der Eröffnungstermin des neuen Bades und der Klinik im Verenahof ist auf Ende 2021 angesetzt.

«Mit dem Ennetraum am Postplatz haben wir jetzt ein ganz konkretes Projekt, mit dem wir die Wiederbelebung forcieren möchten», sagt Graf. Es soll explizit auch möglich sein, den Aussenraum zu nutzen. Nicht bis spät in die Nacht, aber auch abends.

Detailhändler sind hier eine Illusion

Neue Läden aus dem Detailhandel seien im Ortskern eine Illusion, sagt der Gemeindeammann. Zum einen sei es heute so, dass man für einen Einkauf mit dem Auto gut zufahren können müsse. Zum anderen sei die Konkurrenz durch die Badener Innenstadt mit ihrer sehr hohen Passantenfrequenz so gross, dass es sehr schwierig sei, einen Laden im Ennetbadener Zentrum zu betreiben.

«Wenn wir ehrlich sind, wird es in Ennetbaden auch dann keinen hohen Passantenstrom geben, wenn dereinst 400 000 Gäste das Thermalbad besuchen.» Für eine ausgedehnte Gastronomie am Postplatz und an der Limmat sieht Graf aber gute Chancen. So soll etwa auch das geplante neue Alterszentrum National ein öffentliches Café an der Limmat bekommen – in nächster Nähe zum Heissen Brunnen.

Dass Gastronomie in den Bädern gut ankomme, würden auf der Badener Seite etwa das «Brunello» oder das Kafi Zwoi zeigen, die fast immer gut besetzt sind. Beide liegen nur einen Steinwurf vom Ennetbadener Ufer entfernt. Auch die «Sonne» und das «Prestige» in Ennetbaden hätten sehr engagierte Pächter. Hier sei ein Wermutstropfen, dass beide Häuser in die Jahre gekommen sind.

Der Umzug des «Ennetraums» sei auf jeden Fall ein Investment für die ganze Gemeinde. «Die provisorische Pröstli-Bar hat in denselben Räumen gezeigt, wie gut ein Treffpunkt an diesem Ort ankommt», sagt Graf. «Wir sind der Besitzerfamilie sehr dankbar, dass sie dem Verein und uns als Gemeinde mit guten Bedingungen entgegenkommt. So ein Treffpunkt ist ein riesiger Gewinn für die Gemeinde.»

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