Remetschwil
Der prämierte Produzent Hubert Staubli verrät, was einen guten Film ausmacht

Hubert Staubli ist gelernter Radio-TV-Elektroniker, diplomierter Marketingplaner und seit fast drei Jahrzehnten in der Unternehmensfilm-Branche tätig. Sein wohl bekanntestes Werk ist «Baden Menschenstadtgeschichten».

Carla Stampfli
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Produzent Hubert Staubli holt sich im eigenen kleinen Kino neue Ideen für seine Filmprojekte.

Produzent Hubert Staubli holt sich im eigenen kleinen Kino neue Ideen für seine Filmprojekte.

Mario Heller

Produktionsfirmen stehen meist im Schatten: Läuft der Filmabspann, werden zuerst die Namen der Darsteller und des Regisseurs genannt. Erst ganz am Ende folgen besagte Unternehmen – wenn die Aufmerksamkeit des Betrachters längst verflogen ist. Doch im Fall von Hubert Staubli und seiner «Avista Films» lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Die Remetschwiler Firma produziert Unternehmensfilme wie beispielsweise Image- oder Produktfilme und wurde vor kurzem gleich zweimal prämiert: mit einer Goldmedaille am «New York Festivals World’s Best TV & Films» und mit zwei Gold Awards am «World Media Festival» in Hamburg.

«Wir sind stolz auf die Auszeichnungen», sagt der 60-jährige Staubli. Es sei immer wieder schön und gleichzeitig eine Bestätigung, dass man vieles richtig gemacht habe. «Ein Film ist das Resultat von zahlreichen Möglichkeiten, es gibt nicht nur den einen Weg», erklärt er. «Aber der eine Weg muss stimmig sein.» Mit anderen Worten: Alle Beteiligen müssten an das Endprodukt glauben und sich gegenseitig vertrauen.

Hommage an Stadt Baden

Staubli weiss, wovon er spricht. Der gelernte Radio-TV-Elektroniker und diplomierte Marketingplaner ist seit fast drei Jahrzehnten in der Unternehmensfilm-Branche tätig. Sein wohl bekanntestes Werk ist die mehrfach ausgezeichnete Hommage an die Limmatstadt aus dem Jahr 2013 «Baden Menschenstadtgeschichten». «Jedes Mal, wenn wir ein neues Projekt angehen, leben wir unseren Traum», sagt er. So könne man in einem Film nicht nur die ganze Welt abbilden und der Kreativität ihren Lauf lassen, sondern auch grosse Gefühle zeigen. «Das war auch beim Stadtporträt über Baden so. Nichts ist gefaked, alles ist authentisch.»

Auf die Frage, was denn einen guten Film ausmacht, antwortet er: «Das Geheimnis sind die Geschichten und die Menschen, die dahinterstecken.» Damit man diese glaubwürdig erzählen könne, müsse man Menschen mögen. «Nur, wenn ich mit ihnen zusammensitze, ihnen zuhöre und deren Umfeld kennenlerne, kann ich aus dem vollen Schöpfen und eine Filmidee entwickeln.» Überhaupt sei der Kontakt zu den Menschen das Wichtigste an seinem Beruf.

Der Produzent hat vor allem mit Führungskräften von Unternehmen zu tun. «Es ist extrem spannend, sich mit ihnen zu unterhalten.» Sie stünden zwar an der Spitze, seien gleichzeitig aber oft einsam. «Hinter solchen Personen stecken vielfach interessante Geschichten.» Manchmal sei es eine Herausforderung, in ein Gespräch zu kommen: Er verlangt, dass man sich gegenseitig respektiert und offen miteinander redet. «Zudem müssen Kunden gewillt sein, mit mir auf eine Reise zu gehen – im Wissen, dass noch nicht klar ist, wie das Endprodukt ausschaut.»

Fan von Christopher Nolan

Die Ideen holt er sich auch im Alltag, insbesondere auf seiner Dachterrasse in Remetschwil und im eigenen kleinen Kino. Dort taucht er ab in die Welt der Fiktionen und Emotionen. «Als Produzent lasse ich mich von Dingen inspirieren, die ich zu Gesicht bekomme», sagt Staubli, der ein grosser Fan des Regisseurs Christopher Nolan ist. «Ausserdem muss man Kind bleiben, neugierig sein und auch etwas spinnen», fügt er mit einem Lachen an.

Damit Staubli einen Film realisieren kann, ist er auf Filmfachleute wie Regisseur, Kameramann und andere Spezialisten angewiesen. Da die Unternehmensfilm-Branche in der Schweiz überschaubar ist, arbeitet er oft mit denselben Leuten zusammen, etwa mit Filmemacher Michael Spindler, der am Stadtporträt über Baden mitwirkte. «Ist die Idee vorhanden, schaue ich, wie ich sie technisch umsetzen kann und ob sie dem Budget entspricht», sagt Staubli. Letzteres setze bei jedem Filmprojekt enge Limits. Bei der täglichen Arbeit spielt seine Frau Silvia eine wichtige Rolle: Sie kümmert sich um die Administration, holt zum Beispiel Drehgenehmigungen ein. «Sie stärkt mir den Rücken. Dank ihr bleibt mein Kopf frei für Ideen.»

In den Jahren hat Staubli vieles erlebt – auch die technische Entwicklung. «Heutzutage ist die Kamera frei. Szenen aus der Hand werden dank neuester Technik perfekt stabilisiert oder die Kamera fliegt an Drohnen befestigt, wo immer es erlaubt ist.» Dass die Kamera vom Stativ «befreit» worden ist, habe neue Perspektiven eröffnet. Trotzdem findet er, die Technik werde überbewertet: «Wenn die Geschichte den Betrachter nicht berührt, hilft auch die beste Kameratechnik der Welt nichts.»

Staubli hat in seiner Karriere Einblick in zahlreiche Berufe erhalten. «Ich könnte es mir aber nicht vorstellen, mit jemandem zu tauschen.» Denn es gebe nichts Faszinierenderes, als immer wieder neue Geschichten zu erzählen – und das in einer Welt, in der scheinbar alles bekannt ist.

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