Die Stadt Baden und den Kanton Aargau brachte er zeitlebens mit Flucht und Vertreibung in Verbindung. Nie habe er es mit den Radikalen und Neuerern gehalten, «niemals ihre religiösen, sittlichen und politischen Grundätze gutgeheissen». Weil er «mit allen Kräften dagegen gekämpft, deshalb schwere Verfolgungen erlitten» habe und «dem Tode ganz nahe» gewesen sei, habe ihm nur die Flucht aus dem Aargau das Leben gerettet.

Tatsächlich herrschte um 1840 im Aargau ein Klima von Bürgerkrieg. Die Radikalen (Freisinnigen) hatten die Klöster unter staatliche Verwaltung gestellt und die Klosterschulen geschlossen. Nun stand eine gänzliche Aufhebung der Klöster an. Dazu gehörte auch das Kapuzinerkloster in Baden (es stand dort, wo sich heute das Bezirksgebäude befindet). Theodosius Florentini war letzter Guardian (Vorsteher) des Klosters und also direkt betroffen von der Aufhebung. Ob er aktiv und als Gewaltanstifter gegen die Klosteraufhebung agierte, ist bis heute strittig.

Er selbst verneinte dies, räumte aber ein, dass er zugegen war, als im unteren Aaretal eine Gruppe von Katholiken gegen die Staatsmacht rebellierte: «Im Jahre 1841 ward ich in die damaligen Ereignisse gegen meinen Willen hineingezogen», schreibt er 1855. «Ich war stets Feind der Revolutionen. Aber nachdem sie begonnen hatten, wünschte ich, dass die Katholiken den Sieg davontragen und liess mich daher bewegen, auf eines Freundes Anfrage hin, nachzusehen, wie es in den unteren Bezirken des katholischen Aargaus stehe. Weiteres – etwa direkte Ermunterung zum Aufstande – fand nicht statt.»

Das sahen die Aargauer Behörden allerdings anders. Sie verurteilen Florentini «in contumaciam» (in Abwesenheit) zu vierjähriger Strafe in Aarburg und zu «ewiger Landesverweisung».

Doch da war der Kapuziner bereits ins Elsass geflüchtet. Ein neues Buch hat nun das Wirken Florentinis anhand seiner Briefe dokumentiert*. Er kommt zwar ab und an auf seine Badener Zeit zu sprechen. Aber die Briefe wurden fast alle nach der Badener Zeit geschrieben und stehen in Zusammenhang mit dem Aufbau der neuen katholischen Frauengemeinschaften von Menzingen und Ingenbohl. Florentini hat diese, nachdem er amnestiert und in die (katholische) Schweiz zurückgekehrt war, entscheidend gefördert.

Bereits in Baden hatte er mit dem Frauenkloster an der Mellingerstrasse (dort, wo sich heute die Stadtbibliothek befindet) eine pädagogische und karitative Frauenkongregation ins Leben gerufen.

Das Buch ist in mehrjähriger Forschungs- und Editionsarbeit entstanden. Es war nicht immer einfach, die Briefe zu entziffern, sagte der Mitherausgeber Christian Schweizer an der Buchvernissage: «Die Leute waren oft in Eile und schrieben deshalb schludrig.» Das Buch ist chronologisch aufgebaut und ermöglicht dank vieler erklärender Fussnoten die Lektüre auch jenen Interessierten, die mit den Details der Schweizer Konfessionsgeschichte im 19. Jahrhundert nicht ganz so vertraut sind.

«Fabriken zu Klöstern machen!»

Die Briefe zeigen einen umtriebigen, aber auch rechthaberischen und zeit seines Lebens von seinen Unternehmungen überzeugten katholischen Kulturkämpfer. Er wusste die frommen Schwestern für seine Unternehmungen einzubinden und Geld aufzutreiben. Denn er wollte ganz praktisch Gegensteuer geben zum kapitalistischen Liberalismus.

Florentini investierte in katholische Schulen und rief eigene sozialutopische Industrieunternehmungen ins Leben. «Macht die Fabriken zu Klöstern!», war seine Losung. Doch die Textilbetriebe, die er etwa im heutigen Tschechien aufbaute, kamen nie zum Rentieren. Als er 1865 überraschend starb, hinterliess er einen Haufen Schulden. Einen grossen Teil davon haben die Ingenbohler Schwestern über Jahre hinweg abgestottert.